AWO-Affäre Frankfurt

Frankfurt: AWO-Spitze löst umstrittene Verträge

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Die Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden waren eng verflochten. Im Römer soll ein Ausschuss klären, ob die Gattin des OB als Chefin einer AWO-Kita zu hoch bezahlt ist.

Die Arbeiterwohlfahrt Frankfurt (AWO) beruft zwei Fachleute der international renommierten Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers als „Compliance Officers“. Diesen Beschluss fasste jetzt das AWO-Präsidium. Jan Gerd Möller und Michael Bierle sollen dem Wohlfahrtsunternehmen dabei helfen, ein Konzept zu erstellen und es dann umzusetzen. Die „Compliance Officers“ sind als interne Anlaufstelle für AWO-Beschäftigte gedacht, die auf Missstände und Verstöße aufmerksam machen wollen.

Die beiden Experten werden auch als Berater für das Präsidium, den Vorstand und die Revisoren der AWO tätig sein. Ein System soll erarbeitet werden, dass es erlaubt, anonym Hinweise zu geben.

Ansgar Dittmar, der Vorsitzende des AWO-Präsidiums, nannte Pricewaterhouse Coopers einen „erfahrenen und renommierten Partner an unserer Seite“. Damit habe man einen wichtigen Schritt hin zu mehr Transparenz besiegelt.

Das Präsidium zog dann Konsequenzen aus dem Vorwurf, „dass die beiden Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden zu eng verflochten sind“, so AWO-Sprecher Johannes Frass. Das bezog sich darauf, dass Jürgen Richter den Kreisverband Frankfurt führte, während seine Ehefrau an der Spitze der Wiesbadener Organisation stand.

„In einem ersten Schritt“, so das Präsidium, seien alle bestehenden Verträge zwischen den beiden Kreisverbänden „beendet“ worden. Im Gespräch mit der FR erläuterte AWO-Sprecher Frass am Donnerstagabend, es habe zum Beispiel einen „Kooperationsvertrag in der Pflege“ gegeben.

Das Frankfurter Präsidium löste auch den „Mitarbeiterpool“ zwischen Frankfurt und Wiesbaden auf. Aus diesem Pool konnten offenbar bisher Beschäftigte zwischen beiden Kreisverbänden ausgetauscht werden. Der Pool habe in der Kritik gestanden, hieß es in einer schriftlichen Erklärung des Präsidiums.

Insgesamt habe man jetzt die beiden Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden entflochten. „Wir stehen auch weiterhin für projektbezogene Kooperationen mit anderen Kreisverbänden zur Verfügung, wollen aber das Tagesgeschäft klar strukturieren und transparent gestalten“, sagten die Vorstandsmitglieder Jasmin Kasperkowitz und Panagiotis Triantafilidis. Dazu zähle auch die klare Zuordnung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Auf der politischen Ebene kündigt sich ein zweiter Akteneinsichtsausschuss zur AWO-Affäre im Frankfurter Stadtparlament an. Die AfD hat ihn beantragt. Er soll klären, ob die Ehefrau von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Zübeyde Feldmann, als Leiterin der AWO-Kita „Dostluk („Freundschaft“) zu hoch bezahlt und zu Unrecht mit einem Dienstwagen ausgestattet worden war.

Am 10. Dezember entscheidet der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtparlaments über die Dringlichkeit dieses Akteneinsichtsausschusses. Für die Dringlichkeit braucht es eine Zwei-Drittel-Mehrheit, also die Stimmen der Römer-Koalition.

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