Späte Reaktion

AWO-Skandal: Vorsitzender tritt zurück

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen

Der Frankfurter AWO-Vorsitzende Jürgen Richter bestreitet Mobbing und brüskiert die Sozialdezernentin.

Nach 27 Jahren als Geschäftsführer und zuletzt als Vorstandsvorsitzender in Frankfurt ist Jürgen Richter von seinem Amt zurückgetreten. Er galt als wichtiger Funktionär mit Einfluss auch auf Bundesebene in der Wohlfahrtsorganisation AWO. Richter verband mit seinem Rücktritt „kein Schuldanerkenntnis“. Er räumte aber ein, „dass es in den verschiedenen Phasen der laufenden Auseinandersetzung Fehler unsererseits gegeben hat“.

Der 63-jährige AWO-Chef sagte, es gehe ihm um den Schutz des Verbandes. Er reagiere aber auch auf „die ständigen personalisierten Angriffe in den Medien“, die ihn und seine Familie „teilweise auch gesundheitlich schwer getroffen“ hätten. Dem könne und wolle er sich nicht länger aussetzen.

AWO-Skandal: Verdacht des Betruges und der Untreue

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Frankfurter AWO wegen Verdachts des Betruges und der Untreue. Dabei geht es um Zuschüsse der Stadt zur Flüchtlingshilfe, die nicht ordnungsgemäß verwendet worden sein sollen. Deutlich geworden waren Missstände wie überzogene Gehälter und Luxuswagen für führende AWO-Funktionäre. Ein Vorabbericht von Wirtschaftsprüfern habe im Flüchtlingsbereich „keine Beanstandungen festgestellt“. Am 18. Januar soll in Frankfurt ein neues AWO-Präsidium gewählt werden.

In seiner Rücktrittserklärung bestreitet Richter, dass in dem Wohlfahrtsverband Mobbing praktiziert worden sei. „Die Betriebsräte und zahlreiche andere Kolleginnen und Kollegen dürften bestätigen, dass es weder Mobbing noch fristlose Kündigungen gegenüber missliebigen Mitarbeitern gegeben hat.“

Die Beschäftigten der AWO würden „insgesamt sehr gut vergütet“. Sie nutzten ihre Rechte nach dem Betriebsverfassungsgesetz „selbstverständlich und selbstbewusst“. Dies habe auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi schon mehrfach bestätigt. In der FAZ hatten zwei ehemalige AWO-Mitarbeiterinnen hingegen über ein „autoritäres Regime“ bei der Frankfurter AWO mit „Verhören und Schikanen“ berichtet.

AWO-Skandal: Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld verärgert

Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) zeigte sich verärgert über Richters Angaben in seiner Rücktrittserklärung, sie habe öffentlich dargelegt, dass der Stadt kein finanzieller Schaden durch die AWO entstanden sei. Birkenfelds Sprecherin Manuela Skotnik sagte, dies gelte selbstverständlich nur, solange die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht andere Erkenntnisse zutage förderten. Wenn die Ermittler neue Fakten entdeckten, werde die Stadt selbstverständlich prüfen, „ob es Nachforderungen gegenüber der AWO gibt“. Skotnik: „Dann muss das Paket wieder aufgeschnürt werden.“

Richter kündigte an, der Jahresabschluss 2018 der Frankfurter AWO werde „wohl uneingeschränktes Testat erhalten“. Seit mehr als einem Jahr laufe eine routinemäßige Betriebsprüfung durch das Finanzamt, „die nach jeder neuen Presseberichterstattung um neue Prüffragen ergänzt wird“.

AWO-Skandal: Bundesverband nimmt Revision vor

Der zurückgetretene Chef der Arbeiterwohlfahrt sprach auch an, dass der AWO-Bundesverband demnächst eine Revision in Frankfurt vornehmen werde. Nach FR-Informationen werden die Revisoren aus Berlin am 16. und 17. Dezember in der Frankfurter AWO-Zentrale erwartet. Der Bezirksverband habe eine Prüfung ohne Beanstandungen vorgenommen. Chef der AWO-Hessen-Süd ist Ansgar Dittmar, der zugleich auch Vorsitzender des Frankfurter AWO-Präsidiums ist.

Der Frankfurter DGB-Vorsitzende Philipp Jacks sagte zum Rücktritt von Richter: „Es ist wichtig, den Weg freizumachen, um aufzuräumen und es wirklich besser zu machen.“ Bei der AWO sei „ein System eingewachsen, was das Maß verloren hat“.

Kommentare