Blick auf die AWO-Zentrale im Frankfurter Ostend.
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Blick auf die AWO-Zentrale im Frankfurter Ostend.

AWO-Skandal

AWO-Skandal: Präsidium untersucht Geldströme

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Frankfurter Spitze geht den Verflechtungen zwischen den beiden Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden nach . Folgen für die Gemeinnützigkeiten ließen sich noch nicht abschätzen.

Das neue Präsidium der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO) leitet einen wichtigen Schritt der Aufklärungsarbeit ein. Die Verbindung der beiden Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden soll durch das Präsidium und durch den künftigen Vorstand „einer genauen Überprüfung unterzogen“ werden. Das teilte AWO-Sprecher Johannes Frass am Mittwoch auf Anfrage der FR mit.

Dabei werde es vor allem um die „Geldströme“ zwischen den Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden gehen, wie Frass sagte. In der Vergangenheit, bis weit in das Jahr 2019 hinein, waren die beiden Kreisverbände von einem Ehepaar geführt worden. Jürgen Richter war langjähriger Geschäftsführer des Kreisverbandes Frankfurt, seine Ehefrau Hannelore arbeitete als Geschäftsführerin des Kreisverbandes Wiesbaden.

Hannelore Richter fungierte aber zugleich als „Sonderbeauftragte“ des AWO-Kreisverbandes Frankfurt und war dafür noch zusätzlich entlohnt worden. Ihr Jahresgehalt soll insgesamt über dem der Bundeskanzlerin gelegen haben. Eine kopierte Rechnung, die der FR zugespielt worden war, zeigte, dass Hannelore Richter allein für ein Jahr dem AWO-Kreisverband Frankfurt 144 000 Euro zusätzlich in Rechnung gestellt hatte.

Ihre Aufgabe als Sonderbeauftragte bestand nach den Angaben von Sprecher Frass darin, im Frankfurter Verband Einsparpotenziale ausfindig zu machen und dabei „Kostensenkungen“ zu erreichen.

Die AWO Frankfurt hatte Jürgen Richter im Januar 2020 fristlos gekündigt. Der langjährige Spitzenfunktionär steht im Mittelpunkt von Vorwürfen, die sich gegen den AWO-Kreisverband Frankfurt richten.

Zur gemeinsamen Beratung mit der Vorsitzenden des Frankfurter AWO-Präsidiums, Petra Rossbrey, und ihren Stellvertretern Barbara Dembowski und Hauke Hummel, war unter anderem der Wiesbadener AWO-Kreisvorsitzende Wolfgang Hessenauer in die Frankfurter AWO-Zentrale gekommen. Der 77-jährige Hessenauer hatte bereits Anfang der Woche erklärt, dass die Gemeinnützigkeit der AWO Wiesbaden aufgrund der Geldströme zwischen den Kreisverbänden für die Jahre 2013 bis 2016 „wahrscheinlich“ verlorengehen werde. Für die Jahre 2017 bis 2019 sei dies „ziemlich sicher“.

Das Frankfurter AWO-Präsidium teilte am Mittwoch lediglich mit, die Auswirkung auf die Gemeinnützigkeit lasse sich für den Frankfurter Kreisverband aktuell „nur schwer beziehungsweise nicht abschätzen“.

Hessenauer hatte festgestellt, dass das Geld für die hohen Gehälter der AWO-Geschäftsführer in Wiesbaden aus Einnahmen stamme, die die Frankfurter AWO mit dem Betrieb von zwei Heimen für Geflüchtete erzielt hatte.

Hier ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Betruges.

Von Claus-Jürgen Göpfert

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