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Awo-Skandal belastet Verleihung von Bürgermedaille

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Der Wirbel um den Wohlfahrtsverband hört nicht auf. Monika Müller
Der Wirbel um den Wohlfahrtsverband hört nicht auf. Monika Müller © Monika Müller

Die Vergabe an die langjährige Funktionärin Ottilia Altmann wird kritisiert. Oberbürgermeister Peter Feldmann soll geplante Ehrung stoppen

Selten hat die Verleihung einer Bürgermedaille für so viel Wirbel gesorgt: Die Auszeichnung, mit der die Stadt besonders engagierte Frankfurter:innen ehrt, soll am 10. Oktober Ottilia Altmann erhalten, langjährige Vorsitzende des Ortsvereins Sachsenhausen der Arbeiterwohlfahrt. Doch nicht nur: Altmann saß auch im Aufsichtsrat der Awo-Tochtergesellschaft Somacon, die eine zumindest fragwürdige Rolle in der Awo-Affäre gespielt haben soll, in der es um Betrug in Millionenhöhe geht. Deshalb nennt der FDP-Stadtverordnete Yanki Pürsün die Auszeichnung Altmanns einen „Hohn für die Frankfurter Bevölkerung“.

In einer Pressemitteilung bezeichnet Pürsün Altmann als eine „Weggefährtin“ Peter Feldmanns (SPD), und fordert den Oberbürgermeister auf, „seine Entscheidung zu überdenken“. Dazu muss man wissen: Nicht der Oberbürgermeister entscheidet darüber, wer die Bürgermedaille erhält, sondern der Magistrat auf Vorschlag der Ehrungskommission. Dieser Kommission gehört der Oberbürgermeister an, aber nicht nur. Neben ihm sitzen in der Kommission auch der Stadtverordnetenvorsteher, drei weitere Magistratsmitglieder sowie der Vorsitzende des Frankfurter Vereinsrings oder ein Stellvertreter.

So war es auch am 23. Juli 2019, als die Kommission über die Auszeichnung für Altmann und weitere Frankfurter:innen befand. Zu dieser Zeit kochte die Awo-Affäre gerade erst hoch, im Juni hatte die FR erstmals über Ungereimtheiten bei der Abrechnung von Leistungen für Flüchtlingsheime der Arbeiterwohlfahrt berichtet. Von der Firma Somacon war damals noch keine Rede.

Somacon limited

Die Somacon Limited ist eine Tochtergesellschaft der Awo-Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden, die an der Firma jeweils hälftig beteiligt waren. Als eine von zwei Geschäftsführerinnen der Somacon fungierte Hannelore Richter, seinerzeit auch Geschäftsführerin des Kreisverbands Wiesbaden.

Die Firma mit Sitz in Birmingham fungierte als Beratungsgesellschaft für Sozialunternehmen. Einer der Berater war Richters Ehemann Jürgen, der auch im Aufsichtsrat saß. Die deutsche Filiale der Somacon firmierte in der Hentschelstraße, dem Sitz der Awo-eigenen Johanna-Kirchner-Stiftung.

Im Skandal um die beiden Awo-Kreisverbände steht Somacon im Verdacht, „bei der Weiterreichung von Kosten rund um das Ehepaar Richter eine besondere Rolle“ gespielt zu haben, sagt Yanik Pürsün. stef

Mit Unverständnis reagierte gestern auf Anfrage Feldmann-Sprecher Olaf Schiel auf Pürsüns Pressemitteilung. Diese sei „sachlich falsch“. Weder sei Altmann eine Weggefährtin Feldmanns, noch sei der Eindruck richtig, den Pürsün in seiner Pressemitteilung erwecke, dass Feldmann die Bürgermedaille nach Lust und Laune verleihen und eine solche Entscheidung auch wieder rückgängig machen könne. „Das ist ein Magistratsbeschluss, der ist bindend“, so Schiel. „Eine Aberkennung würde einen Magistratsbeschluss voraussetzen und ist laut Rechtsamt an hohe Hürden gebunden.“ Feldmann werde die Ehrung auch nicht selbst übernehmen. Dafür sei Stadtrat Mikael Horstmann vorgesehen, so Schiel.

Yanki Pürsün indes wirft Oberbürgermeister Feldmann vor, die Nominierung Altmanns sei zu einer Zeit erfolgt, „in der Feldmann bestens über die Streitigkeiten zwischen Stadt und Awo informiert war, noch vor dem öffentlichen Bekanntwerden der Vorwürfe“. Während andere Bürger auf eine Ehrung ihrer Dienste für die Stadt warten müssten, „werden frühere Awo-Mitstreiter berücksichtigt“, kritisiert Pürsün.

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