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Die Zentrale der AWO Frankfurt im Ostend. Frank Rumpenhorst/dpa

AWO-Affäre

AWO-Affäre: Funktionäre versprechen „vollständige Aufklärung“ - Basis verlangt neue Spitze

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Heftige Debatte in der Arbeiterwohlfahrt über den Kurs / Funktionäre sagen„vollständige Aufklärung“ zu, aber die Basis verlangt neue Köpfe an der Spitze.

Frankfurt - Bis in die Nacht hinein diskutierten rund 100 Spitzenfunktionäre der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO) hinter verschlossenen Türen und streng bewacht über die Lage der Wohlfahrtsorganisation. Hinterher versprach die Führungsspitze rückhaltlose Offenheit. AWO-Geschäftsführer Jürgen Richter kündigte einen „offenen Austausch“ mit der Stadt an.

Die Organisation werde bei der Aufklärung der Vorwürfe „vollumfänglich“ mit Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) und Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) zusammenarbeiten. Auch Ansgar Dittmar, Vorsitzender des AWO-Präsidiums, sprach von „vollständiger Aufklärung“.

AWO-Affäre: Es gab "hitzige Diskussionen"

Als ersten Schritt soll es einen „kritischen Blick“ auf das Gehaltsgefüge und „die Eingruppierungen“ von AWO-Funktionären in Frankfurt geben. Gegenwärtig nähmen sich die Betriebsprüfer des Finanzamts bereits die Bücher des AWO-Kreisverbands vor. Außerdem laufe eine „beauftragte Sonderprüfung durch externe Wirtschaftsprüfer“.

AWO-Sprecher Johannes Frass berichtete von einer „durchaus hitzigen Diskussion“ mit „vielen kritischen Fragen“. Besonders umstritten ist, dass das AWO-Präsidium im Amt bleibt – ungeachtet der Aufforderung des AWO-Bundesverbands, alle Ämter ruhen zu lassen.

AWO-Affäre: Wütender Brief kursiert in Frankfurt

An der Basis der 34 Ortsvereine in Frankfurt kursiert ein wütender Brief des Ortsvereins Dornbusch-Eschersheim-Ginnheim an die Adresse des AWO-Bundesvorstands in Berlin. Man empfinde die Intervention der Bundesspitze als „Unverschämtheit sondergleichen“.

Rücktritte
Die Revisorender Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO), Ulli Nissen und Martin Völker, haben in der Nacht zum Mittwoch ihren Rücktritt erklärt.

Die Revision seiehrenamtlich „nicht mehr in der Tiefe zu leisten“, sagte die SPD-Bundestagabgeordnete Nissen.

Vor dem Rücktritthaben die Revisoren noch einen umfangreichen

Fragenkatalog zu Gehaltsstrukturen, Dienstwagen, Vergabeverfahren und zum Zustandekommen von Arbeitsverträgen bei der Arbeiterwohlfahrt

erarbeitet.

Der Arbeiterwohlfahrtempfahlen die Revisoren für die Zukunft, „die Antworten auf unsere Fragen unseren Nachfolgern im Amt zur Verfügung zu stellen“. 

Weiter heißt es in dem Schreiben, das der FR vorliegt: „Merkt ihr eigentlich nicht, dass ihr hier in den anstehenden Kommunalwahlkampf reingezogen werdet? Merkt ihr eigentlich nicht, dass es hier um die Vereinbarkeit von AfD mit den Werten der AWO geht? Seid ihr blind? Die ersten Berichte gingen von einem Redakteur aus, der der AfD nahesteht.“

AWO Frankfurt: "Es braucht neue Personen an der Spitze"

Die AWO Frankfurt hatte schon 2016 beschlossen, dass eine Mitgliedschaft in der AfD mit der AWO-Zugehörigkeit unvereinbar sei. An der Basis gingen die Meinungen über den Verbleib des AWO-Präsidiums im Amt weit auseinander. „Es braucht unbedingt neue Personen an der Spitze“, urteilte Kurt Schomburg von der AWO Eckenheim, der für die SPD im Ortsbeirat 10 sitzt. Das Versprechen der AWO-Spitze, einen „Compliance Officer“ für interne Beschwerden einzusetzen, sei „eine Lachnummer“.

Der frühere Stadtbezirksvorsteher warf der AWO-Führung in Frankfurt „eine Wagenburgmentalität“ vor. „Es werden intern die Verräter gesucht.“ Klemens Mielke, Vorsitzender des mit 300 Mitgliedern größten Frankfurter Ortsvereins Nied, nannte das Festhalten des AWO-Präsidiums an seinen Ämtern „eine Katastrophe und kontraproduktiv“. Es gehe den Spitzenfunktionären nur darum, „die eigene Haut zu retten“.

AWO-Frankfurt: "Ein Hauch von Kampagne"

Mielke attestierte der Frankfurter AWO-Spitze, sie habe die Organisation insgesamt „in ihre größte Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs“ geführt. Es brauche jetzt in Frankfurt dringend „eine unabhängige Person“ an der Spitze, die über einen „gewissen Namen“ verfüge.

Otti Altmann, Vorsitzende der AWO Sachsenhausen, vertraute dagegen dem Präsidium: „Ich glaube, dass die das aufklären – die sind sehr bei der Sache und fachlich dazu in der Lage.“

AWO-Skandal in Frankfurt: Die FR erklärt, was wir über die Awo-Affäre wissen und was noch zu klären ist. Es geht um Strafanzeigen, teure Autos und das Adlon in Berlin.

Rosita Jany, zweite Vorsitzende der AWO Oberrad, sah einen „Hauch von Kampagne“ gegen die Frankfurter AWO, bei der „antisemitische Ressentiments“ bedient würden. Schließlich gehörten AWO-Geschäftsführer Jürgen Richter wie auch OB Peter Feldmann der Jüdischen Gemeinde an.

Lautstarke Auseinandersetzung in der Runde der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen, aber noch kein Bruch der politischen Zusammenarbeit. Peter Feldmann soll im Stadtparlament am 12. Dezember endlich Antworten zur AWO-Affäre geben. Alleine die FDP bringt zwölf Anfragen und Anträge zum Thema ein.

Die neuste Entwicklung rund um die AWO-Affäre: Vorsitzender der Wiesbadener AWO hat seinen Rücktritt erklärt.

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