AWO-Affäre

Frankfurt: AWO-Opposition organisiert sich

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Die Geschäftsführung soll abgelöst werden. Bei einer Konferenz der Ortsvereine in Nied soll im Januar über einen neuen Anfang für den belasteten Kreisverband beraten werden.

Im Kampf um die Zukunft der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Frankfurt organisiert sich jetzt die Opposition gegen die amtierende Geschäftsführung. Klemens Mielke, der Vorsitzende des größten Frankfurter Ortsvereins Nied, kündigte für Januar ein Treffen der Ortsvereine in Nied an. Bei dieser Konferenz wolle man über einen neuen Anfang für die AWO sprechen: „Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.“

Oberstes Ziel der Opposition ist es, den amtierenden Kreisvorstand abzulösen – er gilt durch die AWO-Affäre als extrem vorbelastet. Tatsächlich soll aber die stellvertretende Geschäftsführerin Jasmin Kasperkowitz im Januar nach derzeitigem Stand zur neuen Geschäftsführerin gewählt werden. Sie war durch ihren 80 000 Euro teuren Dienstwagen bekanntgeworden.

Zu Wahl eines neuen Präsidiums, das dann auch die Geschäftsführung bestimmt, ist bereits eingeladen worden, wie AWO-Sprecher Johannes Frass der FR bestätigte. Termin ist der 18. Januar. Bisher gebe es noch keine Kandidaturen für ein neues Präsidium, Bewerber könnten sich aber bis zuletzt noch aus dem Kreis der Delegierten heraus melden. „Alles geht seinen gewohnten Gang“, sagte Frass, der sich bemühte, Normalität zu signalisieren. Der AWO-Sprecher war selbst durch sein hohes Gehalt in die Kritik geraten.

Etwa 100 Delegierte aus 34 Frankfurter Ortsvereinen sollen am 18. Januar zusammenkommen. Die Opposition versucht, in der Versammlung eine Mehrheit für einen neuen Anfang zu organisieren. Gesucht wird eine Person mit Renomee, die den Vorsitz des Präsidiums übernehmen soll. Mielke zeigt sich zuversichtlich, dass dies gelingt. „Es melden sich täglich neue Ortsvereine bei mir.“

„Totales Versagen“

Unterdessen gerät die Frankfurter SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen immer mehr in die Kritik. Sie hatte jahrelang als Revisorin des Frankfurter Kreisverbandes fungiert, will aber von den „unerträglichen Zuständen“ nichts bemerkt haben, die der Bundesvorstand kritisiert.

Mielke warf Nissen „totales Versagen“ vor. Als Rechnungsprüferin hätte sie sich als Erstes die Gehälter und die Ausstattung der Frankfurter Geschäftsführung vornehmen müssen. „Ich kann das nicht nachvollziehen, was da geschehen ist“, sagte er. Nissen will von überzogenen Gehältern und teuren Dienstwagen über Jahre hinweg nichts bemerkt haben und hatte gegenüber der FR gesagt, sie fühle sich selbst getäuscht.

An der Basis der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt ist das Erstaunen darüber groß, dass die Staatsanwaltschaft zwar seit Wochen offiziell gegen führende Funktionäre der AWO ermittelt, es aber offenbar bisher weder Durchsuchungen noch Vernehmungen gegeben hat. 

Wir haben den Artikel vom 23.12.2019 am 8.1.2020 angepasst und eine Aussage entfernt. 

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