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Yanki Pürsün

Frankfurt

Ein Mann fragt nach

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In der AWO-Affäre verlangt der FDP-Stadtverordnete Yanki Pürsün vehement nach Aufklärung.

Er sagt, es gehe ihm nicht um Parteipolitik. Und auch nicht um persönliche Befindlichkeit. Es gehe ihm nur um Aufklärung. Und dafür müsse er fragen, fragen, fragen. Und außerdem ein paar Forderungen stellen.

Yanki Pürsün, 47 Jahre alt, FDP-Abgeordneter in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung und im hessischen Landtag und in beiden Gremien zuständig für Sozialpolitik, ist so etwas wie der politische Chefaufklärer in der Affäre um die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Zumindest treibt er das Thema besonders engagiert voran.

Schon am 20. November, die ersten Vorwürfe waren gerade erst bekannt geworden, äußerte sich Pürsün per Pressemitteilung. „Wir erwarten vom Magistrat, dass diese Vorgänge schnellstens aufgeklärt und die Öffentlichkeit informiert wird, was tatsächlich vorgefallen ist“, schrieb er. Bis alle Vorwürfe geklärt seien, dürfe die Stadt keine weiteren Verträge mit der AWO eingehen. Überdies sei nun auch Oberbürgermeister Peter Feldmann in der Pflicht, dessen Ehefrau als Leiterin einer AWO-Kindestagesstätte deutlich mehr verdient haben soll als Menschen in vergleichbaren Positionen. „Wenn der Verdacht im Raum steht, dass Steuergeld zur Versorgung von Familienangehörigen führender Politiker verwendet wird, muss dieser Verdacht dringend umgehend ausgeräumt werden oder aber die Betroffenen müssen Konsequenzen ziehen“, sagte Pürsün.

AWO-Affäre: Pürsün ist zum Gesicht der Opposition geworden

Drei Wochen sind seitdem vergangen. Drei Wochen, in denen so gut wie gar nichts aufgeklärt wurde, wie Pürsün findet. Auch nicht von Peter Feldmann, der Ende November eine dürre Erklärung abgegeben und einzelne Journalisten zu Hintergrundgesprächen eingeladen hatte. Damals kam es zu skurrilen Situationen. Reporter, die zu Feldmann durften, gingen in den Römer und begegneten vor der Tür ihren Kollegen der Fernsehstationen, die keinen Termin bekommen hatten. Diese interviewten: Yanki Pürsün. Der FDP-Politiker, der mit einer fünfjährigen Unterbrechung seit 2002 im Stadtparlament sitzt, war zum Gesicht der Opposition geworden.

Mittlerweile stellt Pürsün Antrag nach Antrag und Anfrage nach Anfrage. 13 Vorlagen hat er bereits in den Geschäftsgang gegeben. Er will wissen, welche Termine Feldmanns Frau mit ihrem Dienstwagen wahrgenommen hat, ob alle Autos der AWO dieselbe Farbe haben, wie das Verhältnis zwischen SPD und AWO zu verstehen sei, und er stellt die Frage: „Ist es dem Magistrat wichtig, dass die Rechte von Arbeitnehmern und Betriebsräten gewahrt sind?“

Insbesondere SPD-Politiker reagieren zunehmend genervt auf Pürsüns Anfragen, wobei der FDP-Politiker sagt, dass viele Sozialdemokraten ebenfalls Aufklärung wünschten. In jedem Fall werde das Thema die Stadtpolitik noch einige Zeit beschäftigen. Auf seinem Rechner befinde sich noch Stoff für bis zu zwölf Anträge und Anfragen.

Inzwischen hat sichFrankfurts OB Peter Feldmann vor dem Stadtparlament zur AWO-Affäre geäußert. Er räumte erstmals eigene Fehler ein und entschuldigte sich. 

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