Nur noch schnell die Welt retten: Klasse 4d der Merianschule hat dazu sehr gute Ideen. Renate Hoyer
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Nur noch schnell die Welt retten: Klasse 4d der Merianschule hat dazu sehr gute Ideen.

Klimakrise

„Die Autospuren sind megadick“

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Zur FR-Klimawette: ein Besuch bei den Viertklässlern der Merianschule, den wahren Experten für Klimaschutz. Sie sind sich auch einig darüber, wie wir mit Geflüchteten umgehen sollten.

Wir Erwachsenen können ja lang über die Klimakrise quasseln. Aber entscheidend ist doch: Was sagen die, die auch in 70 oder 80 Jahren noch Klima brauchen? Wir haben sie besucht. Am Mittwoch. Nordend, Merianschule, vierte Klasse. Und wissen Sie was? Da sitzen die Fachleute.

„Mehr Bäume, Parks, gar keine Autos mehr“, schlägt Tim als Lösungsansatz vor, „dem Radverkehr Vorrang geben. Oft sind die Autospuren megadick – da könnte man fünf Radspuren draus machen.“ Allgemeine Zustimmung in der Runde. „Kein Palmöl verwenden, keine Kohlekraftwerke mehr“, sagt Johan. „Die Luft muss viel sauberer werden“, sagt Lilly. Und ja, richtig gelesen: Das sind Viertklässler. Da ist der Mensch neun oder zehn Jahre alt.

Erst mal machen wir ein Legebild. Hier die Sonne, da die Erde – als Aufblasball. Ihr ist schon ein wenig die Luft ausgegangen. Warum, erklären die Mädchen und Jungen anschaulich mit Bastelmaterial. Weiß ist die Atmosphäre, grün der Sauerstoff, rot das Kohlendioxid, kurz: CO2. Welche Temperatur hätten wir auf der Erde ohne CO2? Minus 18 Grad, alle wissen das. Wie warm ist es mit? 15 Grad. Also: Schon okay, dass es da ist. Aber in letzter Zeit produzieren wir allzu viel davon. Das hat die Klasse unter anderem mit Claudia Wucherpfennig erarbeitet, Projektleiterin für das Schuljahr der Nachhaltigkeit beim Verein Umweltlernen Frankfurt.

„Die Pole schmelzen, weil es zu warm ist“, schildert Noah die Folgen, „Land wird überflutet, Tiere sterben.“ So bündig und präzise erklärt das kein Forscher. Annaluz ergänzt: „Es gibt stärkere Stürme, Hurricans, Wassermangel.“ Paula: „In manchen Ländern muss Wasser angeliefert werden, weil es zu wenig regnet.“ Mika blickt in die Zukunft: „Es gibt immer mehr Menschen, die fahren noch mehr Auto und fliegen noch mehr im Flugzeug.“ Was schädlich ist. Annaluz: „Die Menschen gönnen sich voll den Luxus und das setzt CO2 frei.“ Paula: „Und wenn die Tiere pupsen.“ Keine Frage, hier sind alle Facetten des Themas bekannt. Das hat Methode.

„Wir haben hier schon zum Thema Nachhaltigkeit gearbeitet, als Greta Thunberg noch in den Kindergarten ging“, sagt Lehrerin Antje Sattler. Logisch, dass hier alle wissen, wer die „Fridays-for-Future“-Gründerin Greta ist. Die Merianschule hat ihre eigenen Freitagsdemos, mal auf dem Schulhof, mal auf der Berger Straße.

Für Ölpalmen werde Orang-Utans der Wald geklaut, für Handyrohstoffe vertreibe der Mensch Gorillas, kritisiert Linnea. Für ein T-Shirt würden 2700 Liter Wasser benötigt, sagt Noah und taxiert seinen eigenen Bestand auf etwa 15 bis 20 Shirts. Die Klassenkameraden auch so ungefähr. Aber natürlich nicht alles neu. „Ich bekomme fast alle T-Shirts von meiner großen Schwester“, sagt Paula. „Ich habe bestimmt 50 oder 60 Prozent der Kleider von meinem Bruder“, sagt Tim.

Was kann man noch machen? Mit dem Zug verreisen – Annaluz hat’s für dieses Jahr daheim durchgesetzt. Im Unverpacktladen und auf dem Markt einkaufen. Nussnougatcreme ohne Palmöl essen. Äpfel aus dem Garten. Roller fahren ohne Elektro, wie früher. Dass das Marienkrankenhaus durch teure Wohnungen ersetzt wird, findet Annaluz übrigens auch nicht gut. „Es wäre besser für die Menschen, wenn das noch ein Krankenhaus wäre.“ Und dann sagt Linnea: „Wenn Flüchtlinge kommen, sollen sie auch gut leben.“ Tim: „Ungefähr wie wir.“ Noah: „Dass ihr Land überschwemmt ist, ist ja nicht ihre Schuld.“ Johan: „Wer zu uns flüchtet, soll nicht als Bettler leben müssen.“

Was für tolle junge Leute. Vielen Dank für die Gastfreundschaft. Wer jetzt inspiriert ist: Mitmachen bei der FR-Klimawette. Alle Infos unter www.fr.de/klimawette.

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