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Autonomes Lernen

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An der Goethe-Uni organisieren Studierende ihre eigenen Seminare. Infos dazu gibt es im Alternativen Vorlesungsverzeichnis, das sogenannte Autonome Tutorien auflistet.

Wer an der Goethe-Universität studiert, kommt um das Vorlesungsverzeichnis nicht herum. Es informiert Studierende aller 16 Fachbereiche plus Lehramt über die angebotenen Seminare und Vorlesungen im aktuellen Semester.

Weniger bekannt ist das Alternative Vorlesungsverzeichnis, das sogenannte Autonome Tutorien auflistet. Dabei handelt es sich um Seminare, die von Studierenden in Eigenregie organisiert werden. Inhaltlich geht es um Themen, die in vielen regulären Veranstaltungen zu kurz kommen oder überhaupt nicht angesprochen werden – explizit gesellschaftskritische Perspektiven etwa.

Während die Fachschaften Autonome Tutorien unter den Studierenden ausschreiben und auswählen, „kanalisieren wir diese im Alternativen Vorlesungsverzeichnis“, sagt Lars Jonathan vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Goethe-Universität. Wann genau die ersten Tutorien ins Leben gerufen wurden, lässt sich laut Asta nicht mehr nachvollziehen. Möglicherweise Ende der Siebziger oder im Zuge der 68er-Bewegung.

Stefka Schmid studiert Gesellschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung im Master. Mit „großem Spaß“ hat sie im vergangenen Semester ein Autonomes Tutorium zu kritischen Theorien der Internationalen Beziehungen besucht. Ihre persönlichen Highlights: Eine gemeinsame Konferenzteilnahme in Berlin sowie der Besuch von Wissenschaftlern im Tutorium, um deren Texte zu besprechen.

Anerkennung nicht möglich

Manche von Schmids regulären Veranstaltungen sind zudem „mega voll“. Vor mehr als 40 anderen Studierenden habe sie sich „nicht immer direkt getraut, etwas zu sagen“ – ganz im Gegensatz zu dem von ihr besuchten Tutorium: Zu zehnt lässt es sich eben viel besser diskutieren. Nicht möglich war allerdings eine Anrechnung des Tutoriums auf ihre regulären Studienleistungen.

Auch in der Humangeographie, wo Eva Isselstein studiert, ist eine Anerkennung nicht möglich. Die Masterstudentin bedauert das, denn bislang hatte sie neben ihren Pflichtveranstaltungen schlicht „keine Zeit“, ein selbstorganisiertes Seminar zu besuchen. Würden die Tutorien reguläre Veranstaltungen nicht nur ergänzen, sondern ersetzen, wäre ihr Zeitmangel nicht so groß gewesen.

Erst jetzt – Isselstein muss nur noch ihre Masterarbeit schreiben – kann sie gemeinsam mit anderen Studierenden ein Autonomes Tutorium zu feministischen Geographien anbieten. Dort will sie über Körper und Emotionen sprechen, was in der Wissenschaft nur selten Thema ist. „Cool, dass man dafür Geld bekommt“, freut sie sich über die kleine Aufwandsentschädigung, die ihr als Organisatorin gezahlt wird.

Mehr als 20 Autonome Tutorien an fünf Fachbereichen haben die Studierenden im aktuellen Semester auf die Beine gestellt. Egal ob Klimawandel, Faschismus oder die Antike, die Themenvielfalt ist groß. Das Alternative Vorlesungsverzeichnis des AStA hat den Überblick. Es wird an der Uni verteilt und soll bald auch online erhältlich sein.

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