1. Startseite
  2. Frankfurt

Autobahnen in Frankfurt: Leben an der Lärmschutzwand

Erstellt:

Von: Oliver Teutsch

Kommentare

Die Auffahrt zur A5 nahe der Siedlung Am Neufeld im Norden von Frankfurt-Griesheim.
Die Auffahrt zur A5 nahe der Siedlung Am Neufeld im Norden von Frankfurt-Griesheim. Monika Müller © Monika Müller

Ein Ortstermin in Frankfurt-Griesheim, wo der Lärm der nahen Autobahn Menschen stört und umtreibt

Das gelbe Haus im Brombeerpfad steht direkt an der Lärmschutzwand. Keine fünf Meter trennen das zweistöckige Gebäude vom dahinter tosenden Verkehr der A5. In einem benachbarten Garten steht ein großes Trampolin direkt an der Lärmschutzwand. Nicht nur das Trampolin, auch das gelbe Haus in der Siedlung Lindenhag im Griesheimer Norden, unweit des Westkreuz Frankfurt, müsste bei einem Ausbau der A5 vermutlich weichen. Die im Frühjahr neugegründete Bürgerinitiative „Es ist zu laut“ hat an diesem Mittag zu einem Ortstermin geladen, um aufzuzeigen, wie sehr die Autobahn die Menschen in den westlichen Frankfurter Stadtteilen schon jetzt belastet.

Gabriele Wille etwa. Sie wohnt noch ein Stück nördlicher in der Siedlung Am Neufeld. „Es ist ein Lärm, der reißt nie ab. Fenster aufmachen geht eigentlich nie“, sagt sie und: „Fluglärm ist auch irgendwann mal weg.“ Wenn sie im Garten arbeite, trage sie meistens einen Hörschutz. An diesem Mittag ist der Lärm im Neufeld erträglich. Doch ein Passant, der mit seinem Hund des Wegs kommt, gibt zu bedenken: „Bei Ostwind denkt man, sie fahren am Haus vorbei.“

Hans Christoph Stoodt von der Bürgerinitiative (BI) verweist auf eine Website des Landesamts für Umwelt und Naturschutz zur Lärmbelastung. Wer dort die Postleitzahl 65933 für Griesheim eingibt, sieht sehr viele lila eingefärbte Flächen entlang der A5. In den Griesheimer Siedlungen Lindenhag, Am Neufeld und in der Morgenzeile in Goldstein liegt der Lärmpegel im Jahr 2022 durchschnittlich bei 75 Dezibel.

„Das ist eigentlich verfassungswidrig“, so Stoodt, der einer der Initiatoren der Lärm-BI ist. Aufgeschreckt wurde er, als ihm ein Bewohner in Goldstein von einem Vorfall mit der Stadtverwaltung berichtete. Als er sich um ein Grundstück bemühte, soll ein Mitarbeiter sinngemäß gesagt haben: „Warum machen Sie das noch, das wird doch in ein paar Jahren eh alles platt gemacht.“

Lärmkarte

Das Landesamt für Umwelt und Naturschutz pflegt eine interaktive Karte zum Umgebungslärm. Unter laerm.hessen.de können Interessierte ihre Postleitzahl eingeben und erfahren, wie viel Lärm gemessen wurde.

Verschiedene Farben zeigen die Größe der Belastung an, die teilweise über 75 Dezibel liegt. ote

Es sind Begebenheiten wie diese, die für Verunsicherung in der Bevölkerung sorgen, denn niemand weiß, wie konkret ein Ausbau der A5 wirklich ist. Auch Klaus Wamser berichtet von solch einem Vorfall. So soll ein Bekannter von ihm, der eine Parzelle im Kleingartenverein Westend, Anlage 3, am Römerhof hat, schon vor geraumer Zeit ein Schreiben erhalten haben, wonach das Grundstück zu räumen sei, sollte es zum Ausbau der Autobahn kommen. Doch auf Nachfrage der FR wissen die Verantwortlichen der Anlage 3 nichts von einem solchen Schreiben. Wamser wohnt nicht direkt an der Autobahn, sein Beweggrund, sich der BI anzuschließen, war ein anderer: „Der Ausbau einer Autobahn durch eine Stadt ist ein völlig aus der Zeit gefallenes Projekt.“

Ähnlich sehen es auch die meisten Parteien im Ortsbeirat 6, der für den Frankfurter Westen zuständig ist. Anders als im Stadtparlament, ist das Thema Autobahnausbau A5 dort schon seit längerer Zeit ein Thema. Nur die CDU stimmt einem Ausbau dort explizit zu und wirft der SPD Angstmacherei vor, wenn es heiße, Menschen könnten durch den Ausbau ihr Zuhause verlieren.

Erste konkrete Maßnahmen gab es seitens der zuständigen Autobahn GmbH aber schon. Gabriele Wille zeigt auf die Lärmschutzwand Am Neufeld. Im Februar hatte die Autobahn-Gesellschaft dort in einer Nacht- und Nebel-Aktion mehrere Dutzend große Bäume fällen lassen. Gesunde Bäume, die für die Menschen in der Siedlung Lärm, Emmissions- und Sichtschutz gegen die Autobahn waren. Die Untere Naturschutzbehörde versuchte den Vorfall kleinzureden. Es habe sich größtenteils um kranke, weil vertrocknete Bäume gehandelt. Die Aktion der Autobahn GmbH verwundert um so mehr, weil sie auch auf mehrfache Nachfrage überhaupt keinen Zeitplan für einen etwaigen Ausbau nennt (siehe auch nebenstehenden Artikel). Nicht nur der Ortsbeirat, auch die Bürgerinitiative wünscht sich vom Magistrat ein deutliches Bekenntnis gegen einen Ausbau. „Die Stadt könnte sich da schon klarer positionieren“, so Stoodt.

Der Lärmschutz übrigens, da sind sich bei dem Ortstermin alle Anwesenden einig, sei schon jetzt völlig unzureichend. Nicht nur für das gelbe Haus im Brombeerpfad.

Auch interessant

Kommentare