Volker Marx (AUA) fasst die geänderte Planfeststellung zusammen. Christoph Boeckheler
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Volker Marx (AUA) fasst die geänderte Planfeststellung zusammen.

Ausbau

Autobahn in Frankfurt: Im Riederwaldtunnel ist Tempo 80 geplant

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Das Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn informiert Bürgerinnen und Bürger über den Ausbau von A661 und A66.

Volker Marx (AUA) zeigt auf die technischen Zeichnungen an der Wand im Clubraum 1 des Bürgerhauses Bornheim. Der Riederwaldtunnel ist dort zu sehen, so wie die Ingenieure der hessischen Straßenbehörde Hessen Mobil ihn sich vorstellen. Ein 2,2 Kilometer langer Autobahnbahnabschnitt, der A66 und A661 im Frankfurter Osten verbinden soll. Die Hälfte der Neubaustrecke liegt im Tunnel.

Gut 100 Bürgerinnen und Bürger sind am Mittwochabend zur Infoveranstaltung des Aktionsbündnisses unmenschliche Autobahn (AUA) gekommen, viele Grauhaarige darunter, die das Projekt seit Jahrzehnten kennen. „Die Autobahn wurde erst als Hochstraße geplant, dann als Trog, nun als Tunnel, der zweimal verlängert wurde“, sagt Marx. „Das ist das Verdienst der Leute, die sich dagegen gewehrt haben.“

Der Autobahnausbau im Frankfurter Osten ist momentan in einer entscheidenden Phase. Der Hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hat einen Planänderungsbeschluss unterschrieben. Die Planänderungsunterlagen liegen im Frankfurter Stadtplanungsamt aus. Falls die Anwohnerinnen und Anwohner keine Einwände gegen die geänderten Pläne geltend machen und keine Klage das Projekt verzögert, soll nach Angaben von Hessen Mobil von Ende 2021 bis Ende 2029 gebaut werden. Acht Jahre, in denen der Stadtteil Riederwald zu einer riesigen Baustelle wird.

Was es mit der Planänderung auf sich hat, wollte Volker Marx genau wissen. Er habe sich Montag- und Dienstagnachmittag freigenommen und die ersten der 24 Aktenordner studiert, die im Stadtplanungsamt ausliegen. „Da wird vom ‚Schutzgut Mensch‘ gesprochen – man hat auch etwas Spaß dabei“, sagt er. Die Änderungen, die er gegenüber den bisherigen Plänen von Hessen Mobil festgestellt hat, rechnet Marx der kritischen Begleitung durch das Aktionsbündnis zu.

Leisere Dehnungsfugen

Pläne liegen aus

Bürgerinnen und Bürgerkönnen sich bis zum 2. März die Planänderungsunterlagen zum Ausbau der Autobahn A66 im Riederwald ansehen.

Exakt 24 Ordnermit mehreren Tausend Seiten zum Riederwaldtunnel liegen im Atrium des Stadtplanungsamts Frankfurt, Kurt-Schumacher-Straße 10, aus. Geöffnet ist das Atrium am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 7.10 bis 15.40 Uhr. Mittwochs ist es von 7.10 bis 19 Uhr geöffnet.

Die Unterlagenlassen sich auch beim hessischen Verkehrsministerium als pdf-Dateien herunterladen:

https://service.hessen.de/html/Veroeffentlichungen_Jahr_2019.htm

„Wir haben erreicht, dass der Lärm von A66 und A661 summarisch betrachtet wird“, sagt er. Die Lüftung im Riederwaldtunnel, die bislang ohne Filter geplant sei, müsse nachgerüstet werden, falls es zu Schadstoffüberschreitungen komme. „Das steht in Ordner 1, Seite 14.“ Auch sollen leisere Dehnungsfugen verbaut werden als jene, welche die Anwohnerinnen und Anwohner der Hochhäuser in der Inheidener Straße nahe der Autobahn 661 seit langem stören.

Welche Gebäude passiven Schallschutz, also Lärmschutzfenster, erhielten, lasse sich ab Seite 78 im ersten Ordner nachlesen, sagte Marx. Ihn wundere nur, dass weder die Charles-Hallgarten-Schule noch die Inheidener Straße aufgeführt seien. Gefreut habe er sich, dass es für den Riederwaldtunnel eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde geben soll. Für die Autobahn 661 sei maximal Tempo 100 vorgesehen.

Aus dem Publikum kamen viele Fragen, unter anderem, was es mit den Klagen auf sich habe oder wie es um den Lärmschutz bestellt sei. Friedhelm Ardelt-Theeck, der Sprecher des Aktionsbündnisses, führte aus, dass der Ausbau der beiden Autobahnen zusammenhänge. „Der Riederwaldtunnel darf nicht eröffnet werden, solange es keinen Lärmschutz an der A661 gibt.“

So sind seiner Kenntnis nach zwei weitere Planänderungsverfahren für die A661 vorgesehen. In einem ersten Schritt wolle Hessen Mobil die sogenannte zweite Richtungsfahrbahn herstellen.

1995 ging zunächst die östliche Fahrbahn der A661 im Frankfurter Osten in Betrieb, über welche der Verkehr abgewickelt wird. Durch den Bau der westlichen Fahrbahn verbreitere sich der Asphaltstreifen. Zunächst bleibe es im Wesentlichen bei zwei Fahrspuren pro Richtung.

Im zweiten Schritt wolle Hessen die Einhausung zwischen Seckbacher und Friedberger Landstraße einplanen. Für Ardelt-Theeck steht fest: „Die Einhausung ist ganz klar mit dem sechsspurigen Ausbau der A661 verknüpft.“ Dies ist aus Sicht des Autobahngegners keine gute Lösung. „Wir werden vor die Entscheidung gestellt: entweder vierspurige Autobahn oder sechsspurige Autobahn plus Deckel.“ Diese Planung produziere Autoverkehr und laufe einer Verkehrswende entgegen. So prüfe das Bündnis nun, die Klage gegen den Autobahnausbau, die seit 2009 ruhe, wiederaufzunehmen. Erste Ansätze seien vorhanden. So sei die Zahl der Lastwagen, die tags und nachts fahren sollen, aus Sicht des Bündnisses zu niedrig angesetzt.

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