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Das ausgezeichnete Team des Frankfurter Projekts ZuBaKa.

Deutscher Integrationspreis

Integrationspreis für Frankfurter Projekt

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Das Frankfurter Projekt "ZuBaKa", das Schüler in Intensivklassen unterstützt, hat beim Deutschen Integrationspreis den zweiten Platz belegt. Auch Projekte aus Berlin und Freiburg werden ausgezeichnet.

Drei Sozialunternehmen, die sich um die Integration von Geflüchteten kümmern, sind am Donnerstagabend in der Klassikstadt Frankfurt mit dem ersten Deutschen Integrationspreis der gemeinnützigen Hertie-Stiftung ausgezeichnet worden. Dabei kam auch ein Frankfurter Projekt zum Zuge.

„ZuBaKa“, der Zukunftsbaukasten für Jugendliche in Intensivklassen, durfte sich über den mit 30.000 Euro dotierten zweiten Platz freuen. Der erste Preis und 50.000 Euro gingen an das Freiburger Projekt Bike Bridge, das geflüchteten Frauen das Fahrradfahren beibringt. Der mit 20.000 Euro dotierte dritte Platz an „Flüchtlinge Willkommen“ aus Berlin - ein 2014 gegründetes Unternehmen, das WG-Zimmer an Geflüchtete vermittelt, um sie aus den Gemeinschaftsunterkünften herauszuholen.

Eine achtköpfige Jury, der unter anderem Maria Böhmer, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, HR-Intendant Manfred Krupp sowie zwei einstige Geflüchtete, der syrische Schauspieler und Autor Firas Alshater und Model und Unternehmerin Zohre Esmaeli angehörten, hatte die Sieger am Abend nach langem Ringen ausgewählt, nachdem die Projekte sich in Fechenheim bei Pitches präsentiert hatten. Dabei wurde unter anderem auf Innovation, Wachstumspotenzial und die Einbeziehung von Geflüchteten selbst geachtet.

„So ein Projekt hätte meinen Weg damals viel einfacher gemacht“, sagte die Unternehmerin Zohre Esmaeli, die als Kind nach Deutschland flüchtete, in ihrer Laudatio über ZuBaKa. Die Idee für das Frankfurter Projekt hatte die 32-jährige Anna Meister, die seit 2014 mit einem kleinen Team die Integration junger Migrantinnen und Migranten an Frankfurter Schulen fördert.

Alleine in diesem Schuljahr gebe es hessenweit rund 32.000 Schülerinnen und Schüler, die als Neuzugewanderte in Intensivklassen auf den Wechsel in eine Regelklasse vorbereitet werden. „Jeder in diesen Klassen bräuchte eigentlich etwas anderes, das kann ein einzelner Lehrer kaum leisten. Das ist ein stetes Kommen und Gehen und es gibt extreme Unterschiede in der Leistungsfähigkeit und den Deutschkenntnissen“, sagt die studierte Politikwissenschaftlerin, die einst selbst für einige Jahre als „Teach First-Fellow“ die Lehrkräfte in Intensivklassen unterstützte.

„Das Schulsystem ist überlastet, wir verstehen uns als Ergänzung“, sagt Meister, die bereits eine Pilotphase an der Hostato-, Meister- und Salzmannschule absolviert hat und ihr Modulsystem mit Hilfe des Preisgeldes nun gerne auf zunächst zehn Schulen ausweiten würde. So organisiert ZuBaKa etwa Willkommenswochen, in denen sich neue Schülerinnen und Schüler mit dem deutschen Schulsystem vertraut machen, ihre Nachbarschaft kennenlernen und Kontakte knüpfen können.

Jugendliche, die schon etwas länger in Deutschland sind, werden zu Schülerpatinnen und -paten ausgebildet, die Neuankömmlingen zur Seite stehen. Auch ein Modul zur Berufsorientierung hat ZuBaKa im Programm. „Wir hoffen, dafür langfristig auch öffentliche Gelder einwerben zu können“, sagt Meister, die sich von der Auszeichnung „total überrumpelt und begeistert“ zeigte und betonte, mit ihrem Team „unser ganzes Herzblut reinstecken“ zu wollen, „um an deutschen Schulen ganz viel zu bewirken“.

Der zweite Frankfurter Finalist, das Sozialunternehmen „Stitch by Stitch“, möchte ebenfalls weiter wachsen, auch wenn die Schneiderwerkstatt aus dem Nordend am Ende leer ausging. Sieben geflüchtete Frauen fertigen dort Mode für junge deutsche Designlabels, die Wert auf „fair produzierte Mode made in Germany“ legen, so die Gründerinnen Claudia Frick und Nicole von Alvensleben.

Aktuell sucht Stitch by Stitch neue Werkstatträume in Frankfurt, um bis zu 20 Schneiderinnen anstellen zu können. Eigene Produktkollektionen seien in Planung - und Werkstattgründungen in anderen Städten sollen folgen.

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