+
Das Griesheim-Center ist nicht gut besucht.

Griesheim

Ausverkauf bis Samstag

  • schließen

Der Edeka im Griesheim-Center schließt. Auch andere Einzelhändler haben ihren Rückzug angekündigt.

Das Griesheim-Center ist kein ungewöhnlicher Ort: Filialen großer Kleidungs-, Drogerie- und Lebensmittelketten präsentieren sich in einem ausdruckslos gestalteten Einkaufszentrum. Graue Böden, lange Glasfronten und bunte Schilder wie sie überall in der Republik hängen. Bloß das Gedränge fehlt. Maria Lepre aus Nied ist hier seit Jahren Kundin. Sie schätzt die vielen freien Parkplätze und die Sauberkeit auf dem überschaubaren Areal. „Ich bin sehr traurig“, kommentiert sie ihren letzten Besuch in der Edeka-Filiale des Centers.

Der Supermarkt ist an diesem Tag voller als er die meiste Zeit war. Das liegt am 50 Prozent-Rabatt zum Ausverkauf. Nach Samstag bleiben die Türen geschlossen. „Der Markt mit rund 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche wird aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Die Mitarbeiter haben Arbeitsplatz-Angebote vom selbständigen Einzelhandel erhalten“, sagt Christhard Deutscher von Edeka Südwest.

Bislang war Edeka Ankermieter im Griesheim-Center. „Es ist immer schwierig, wenn der Frequenzbringer geht, der die Leute anzieht, wovon die anderen Geschäfte ja auch profitieren“, sagt der Geschäftsführer der Frankfurter Wirtschaftsförderung Oliver Schwebel. Ein weiterer Mieter hat bereits angekündigt, seine Ladenfläche im Center deshalb aufzugeben. Vor kurzem hat außerdem ein Bekleidungsgeschäft geschlossen.

Schwebel betont, dass die Wirtschaftsförderung sehr an einer „sinnvollen und zukunftsorientierten Nutzung im Nahversorgungsbereich“ der Edeka-Ladenfläche interessiert sei und den Betreibern des Griesheim-Centers beratend zur Seite stehen wolle. Da Versuche der Kontaktaufnahme bislang jedoch gescheitert sind, kann er keine Angaben zum weiteren Vorgehen machen. Darüber müssen Eigentümer und Betreiber des Einkaufszentrums entscheiden. Betreiber ist Apleona Real Estate, ein internationaler Dienstleister für Immobilienmanagement. Auch der FR gegenüber äußerte sich das Unternehmen nicht zu den weiteren Plänen für das Center.

Dabei ist das für den Stadtteil, der gerne attraktiver werden möchte, von großem Interesse. Ursula Schmidt, Vorsitzende des Regionalrats und des Vereinsrings, sorgt sich wegen des Edeka-Auszugs: „Ich habe Angst, dass die große Ladenfläche zerschlagen wird und da ein Sammelsurium an Kruschel-Läden reinkommt.“ Sie stimmt mit Schwebel darin überein, dass ein Nahversorger wie Edeka an diesem Standort weiterhin richtig wäre. Auch einen Elektronikfachmarkt könnte sie sich vorstellen.

Sabine Skopp sieht das anders. Die 58-Jährige lebt seit ihrer Geburt im Frankfurter Westen. „Reißt das ganze Gewerbegebiet ab. Das hat irgendwie Schmuddelcharakter. Wir brauchen hier weniger Gewerbe und dafür mehr Platz für Menschen“, möchte sie der Stadtplanung zurufen.

Dass das Mischgebiet aus Wohnen und Gewerbe rund um das Griesheim-Center derart radikal verändert wird, ist unwahrscheinlich. Laut Einzelhandels- und Zentrenkonzept handelt es sich hier um einen sogenannten Ergänzungsstandort. Das Dezernat für Planen und Wohnen erklärt: „Dies bedeutet, dass sich das Griesheim-Center langfristig zu einem Standort nur für Fachmärkte entwickeln soll, um die Funktion des zentralen Versorgungsbereichs in der Ortsmitte nicht zu gefährden.“

Rund um das Areal wird sich in den nächsten Jahren einiges verändern. Das Center befindet sich im Gebiet für das Bund-Länder-Stadterneuerungsverfahren Stadtumbau Griesheim-Mitte. In diesem Zusammenhang wird derzeit zusammen mit Bürgern sowie den Gewerbetreibenden und anderen Aktiven vor Ort ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept erarbeitet, sagt Kolja Müller vom Dezernat für Planen und Wohnen. Bis Frühjahr werden konkrete Pläne für den Stadtteil erarbeitet, die in den folgenden zehn Jahren mit 14 Millionen Euro vom Bund umgesetzt werden sollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare