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Ausstellung: Unsichtbares Wasser

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Von: Judith Köneke

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Wie funktioniert er wohl, der „schwebende Wasserhahn“? Christoph Boeckheler
Wie funktioniert er wohl, der „schwebende Wasserhahn“? Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*

Eine Sonderausstellung im Frankfurter Museum Experiminta beschäftigt sich mit den tausenden Litern Wasser, die wir täglich oft unbewusst verbrauchen, und gibt Tipps zum Sparen.

In meinem Frühstück stecken ganze 1258 Liter Wasser, also wenn wir mal vom Wochenende ausgehen. Frühstück mit Kaffee, Brötchen, Brot, diversen Belägen und Obst. Eine ganze Menge. Diese Zahl hat der Computer ausgespuckt, nachdem ich alles angeklickt habe, was so auf dem Tisch stehen könnte. Das liegt natürlich nicht an der Flüssigkeit, die in meiner Tasse schwimmt, oder dem Wasser, das ich danach zum Abwaschen der Teller benötige. Es geht um sogenanntes unsichtbares Wasser. Damit beschäftigt sich die Sonderausstellung „Ich sehe Was(ser), was du nicht siehst – virtuelles Wasser begreifen“ im Mitmach-Museum Experiminta. Noch bis Sonntag, 24. Juli, ist die Schau zu besichtigen.

Knapp 120 Liter verbrauchen wir täglich zum Kochen, Zähneputzen und Waschen. Ein kleiner Teil, wenn man bedenkt, dass pro Kopf noch einmal rund 4000 Liter für die Produktion von Lebensmitteln, Kleidung und Gebrauchsgegenständen dazukommen. An interaktiven Experimentierstationen lernen die Besucher:innen, wie viel Wasser nötig ist, um Obst, Gemüse oder Fleisch auf den Teller zu bringen, und welche großen Mengen für die Produktion eines einzigen T-Shirts gebraucht werden. Darüber hinaus, wie viel Wasser wir aus einzelnen Ländern importieren oder was eigentlich ein Wasserfußabdruck ist. Und wie sieht es überhaupt mit dem Kaffee aus, kann ich ohne Hintergedanken meine Tasse genießen, oder sollte ich da auf etwas achten? Die Ausstellung zeigt ebenfalls, was jede:r Einzelne tun kann, um den Wasserbedarf zu reduzieren.

Schauen wir uns etwa die Tomaten an, die wir bei uns im Supermarkt kaufen können: Meistens kommen sie aus Spanien und den Niederlanden. Das Problem in Spanien aber sei, dass die Pflanzen aufgrund des heißen Wetters künstlich bewässert werden müssten, informiert uns eine Tafel. Dafür werde sehr viel Wasser benötigt.

Das mitmachmuseum

Die Sonderausstellung „Virtuelles Wasser“ im Experiminta geht noch bis Sonntag, 24. Juli.

In dem Workshop „Rund ums Wasser“ zur Sonderausstellung am Samstag, 9. Juli, gibt es von 10 bis 13 Uhr spannende Experimente für Kinder ab zehn Jahren. Anmeldung auf experiminta.de, die Teilnahme kostet 30 Euro. Weitere Workshop-Angebote gibt es das ganze Jahr über.

Das Mitmach-Museum Experiminta bietet mehr als 130 Experimentierstationen. In thematisch sortierten Forscherzonen zeigt es die Welt von MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).

Zu erreichen ist das Museum in der Hamburger Allee 22-24 unter der Nummer 713 79 690, geöffnet ist Montag bis Freitag von 9.30 bis 14 Uhr, Samstag und Sonntag von 10.30 bis 17.30 Uhr.

Der Eintritt kostet 13 Euro, für Kinder ab 6 Jahre und ermäßigt 8,50 Euro, Kinder von 3 bis 5 Jahren zahlen 3 Euro. jkö

In den Niederlanden wachsen die Tomaten ebenfalls in Treibhäusern. Jedoch verbraucht man hier durch ausgeklügelte Bewässerungstechnik vergleichsweise wenig Wasser. Allerdings müssen die Gewächshäuser in der kalten Jahreszeit beheizt werden, wofür viel Energie aufgewendet wird. Der Ratschlag: Tomaten aus Deutschland kaufen, „so beanspruchen wir nur unser lokales Wasser, von dem wir mehr als genug haben“.

Auf einem Tisch geht es um Rosen. Verschiedene Gegenstände wie etwa ein Spielzeug-Postauto, ein Eimer, eine Vase, ein 20-Cent-Stück oder ein Thermometer, das 3 Grad anzeigt, sollen die Besucher:innen in die richtige Reihenfolge bringen – so wie eine Rose ihnen auf dem Weg zu uns begegnet. Das Leben einer Rose beginnt oft in Kenia. Für den Transport wird die Umgebung der Blume auf 3 Grad gekühlt, da so der Reifungsprozess gemindert wird. Mit Lastwagen und Flugzeug gelangt sie nach Europa. Häufig führt der Weg über die großen Blumenmärkte in den Niederlanden, wo sie von deutschen Händlern eingekauft wird. Der Importpreis einer Rose beträgt etwa 20 Cent.

Eine einzelne Rose aus Kenia benötigt etwa neun Liter Wasser zum Wachsen. Das klingt erst mal nicht viel, allerdings werden jährlich rund 1,2 Milliarden Blumen nach Deutschland importiert, weil die Nachfrage so hoch ist. Es gibt auch deutsche Rosen, doch der Anbau ist saisonal, man bekommt sie nur von Juni bis September.

Für die Herstellung von Papier ist ebenfalls jede Menge Wasser nötig. In Deutschland verbrauchen wir so viel Papier wie alle Menschen in Afrika und Südamerika zusammen, eine krasse Rechnung. Wir lesen Bücher, Zeitungen, benutzen Taschentücher und Toilettenpapier, listet die Ausstellung auf. Nicht mit aufgeführt ist Verpackungsmaterial von all den Online-Bestellungen. Problematisch ist nicht nur, dass dafür Wälder abgeholzt werden, sondern in der industriellen Produktion kommt es auch zu einer hohen Wasserverschmutzung.

Die Besucher:innen können zum Thema auf Plättchen geschriebene Vorschläge zum Papiersparen ordnen. Manche sind sinnvoller als andere, aber auf jeden Fall ist es amüsant. Wie wäre es damit: Liebesbriefe auf Blüten, Stoff oder Rinde verfassen, keine Poster kaufen, sondern sie direkt auf die Wand malen oder Spickzettel auf Arme und Hände schreiben.

Der Flaschengarten ist ein geschlossenes Ökosystem. Christoph Boeckheler
Der Flaschengarten ist ein geschlossenes Ökosystem. Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*
Der Anbau der Rose. Christoph Boeckheler
Der Anbau der Rose. Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*
Der lange Weg der Rosen aus Kenia. Christoph Boeckheler
Der lange Weg der Rosen aus Kenia. Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*
In der Ausstellung „Virtuelles Wasser“ gibt es zahlreiche Experimentierstationen. Christoph Boeckheler
In der Ausstellung „Virtuelles Wasser“ gibt es zahlreiche Experimentierstationen. Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*

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