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Der Frühmensch Homo rudolfensis lebte vor rund zwei Millionen Jahren in Ostafrika. Er nutzte bereits das Feuer. Christoph Boeckheler (2)
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Der Frühmensch Homo rudolfensis lebte vor rund zwei Millionen Jahren in Ostafrika. Er nutzte bereits das Feuer. Christoph Boeckheler (2)

Archäologisches Museum Frankfurt

Ausstellung in Frankfurt: Erst die Kultur macht den Menschen

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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Das Archäologische Museum Frankfurt zeigt eine bahnbrechende Ausstellung über den langen Weg vom Tier zum modernen Menschen - den würde es ohne Kultur nicht geben

Steinsplitter, Knochenstückchen und ein bisschen verkohltes Holz - sehr viel mehr steht der vor- und frühgeschichtlichen Forschung nicht zur Verfügung. Die wissenschaftliche Disziplin ist sehr, sehr übersichtlich. Nicht einmal 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen bundesweit hauptberuflich an diesem riesigen Zeitraum und den viele Hunderttausend, ja sogar mehrere Millionen Jahre alten Funden, die erst einmal nicht sonderlich aufregend klingen. Und doch sind sie es, wie die neue, komplett zweisprachig (englisch und deutsch) beschriftete Ausstellung „Menschsein. Die Anfänge unserer Kultur“ im Archäologischen Museum Frankfurt eindrucksvoll belegt.

Es ist eine Schau mit einem ganz ungewöhnlichen Ansatz, die so zumindest in Europa noch nie zu sehen war, wie die beiden Kuratorinnen sagen, Liane Giemsch, die am Museum arbeitet, und die Professorin Miriam Noël Haidle vom Senckenberg-Forschungsinstitut, Spezialistin für die früheste Menschheitsgeschichte. Mit der Evolution, der körperlichen Fortentwicklung zum modernen Menschen, befassten sich schon viele Museen und Ausstellungen, doch hier wird nun erstmals zu zeigen versucht, welch überragende Rolle die Kultur dabei spielt. Dass Menschen heute in so kühlen Regionen wie in Deutschland, ja in der Antarktis und sogar auf Raumstationen leben können, das wäre ohne technische Hilfe, also Werkzeug, Kleidung und die Nutzung des Feuers, biologisch ganz unmöglich.

Haidle und Giemsch haben großen Wert darauf gelegt, mit anschaulichen Beispielen (viele Exponate dürfen sogar angefasst werden) und etlichen spielerischen Wissenschaftsstationen sehr komplexe Zusammenhänge auch für Kinder leicht verständlich zu erklären. „Wir wollten das nicht für die Expertinnen und Experten machen, die kennen die Diskussionen ohnehin schon“, sagt Haidle.

Die Ausstellung im Archäologischen Museum Frankfurt

„Menschsein. Die Anfänge unserer Kultur“ im Archäologischen Museum Frankfurt, Karmelitergasse 1, ist komplett fertig und eingerichtet. Wann sie öffnen kann, ist derzeit aber noch unklar. Aktuelle Informationen unter Tel. 069/21235896 oder www.archaeologisches-museum-frankfurt.de.

Der Katalog zur Ausstellung, herausgegeben von den Kuratorinnen Liane Giemsch und Miriam Noël Haidle ist sorgfältig gemacht wie ein Schulbuch und kann auch als solches verwendet werden. Sie hätten dabei besonders auf verständliche Sprache geachtet, sagt Giemsch. Erschienen ist er im Verlag Nünnerich-Asmus, Oppenheim, zum Preis von 18 Euro.

Trotz der Corona-Pandemie ist es ihnen gelungen, neben eigens für Frankfurt angefertigten Abgüssen afrikanischer und asiatischer Fundstücke einige sehr seltene Originale in die Ausstellung zu holen, als wohl größte Seltenheit den rund zwei Millionen Jahre alten Unterkiefer einer Frühmenschenart, des Homo rudolfensis, aus Malawi. Der nutzte bereits das Feuer, das Licht in die Dunkelheit bringt, wärmt, vor Feinden schützt und Unverdauliches essbar macht. Um das Feuer muss sich ein Gruppenmitglied kümmern, dann haben alle einen Nutzen davon.

Mit Werkzeugen lassen sich neue Nahrungsquellen erschließen, und immer komplexere Arbeitsabläufe, die an die Kinder und Enkel weitergegeben werden, ermöglichen der Gemeinschaft ein leichteres Leben. „Die körperliche Entwicklung ist dabei viel langsamer als die technologische“, betont Haidle.

Was man Frankfurt sehen kann, ist auf dem neuesten Forschungsstand - vorerst. Doch der ist trotz vieler neuer Entdeckungen noch immer äußerst lückenhaft. Haidle beschreibt das anschaulich: „Das ist, wie wenn man ein Puzzle mit 5000 Teilen machen will und nur 50 Teile kennt. Da kann es alles auf den Kopf stellen, wenn man ein 51. Teil findet, mit dem sich plötzlich vier oder fünf schon bekannte verbinden lassen.“

Die Forschung ist deshalb ständig in Bewegung. „Schon Thesen, die nur wenige Jahre alt sind, können längst komplett überholt sein“, sagt Museumsleiter Wolfgang David. Das sei eine so spannende Geschichte, dass er hoffe, dass sich auch Theologie und Philosophie damit auseinandersetzten.

David musste wegen der Corona-Pandemie etliches verschieben. Eigentlich geplant war die Ausstellung in der hohen gotischen Kirche erst für 2022. „Doch die Wissenschaftlerinnen haben mit Hochdruck gearbeitet und sie früher fertiggestellt. Das ist toll!“ Jetzt muss „Menschsein“ nur noch öffnen dürfen.

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