Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Aufnahme der Flughafeneröffnung 1936 sollte junge Leute ansprechen. Foto: HME, Horst Ziegenfusz
+
Die Aufnahme der Flughafeneröffnung 1936 sollte junge Leute ansprechen.

Historisches Museum

Ausstellung in Frankfurt: Enttarnte Nazipropaganda

  • vonAlina Hanss
    schließen

Der Fotonachlass des NS-Bildberichterstatters Otto Emmel zeigt Frankfurter Stadtgeschichte.

Über die Umstände seines eigenen Lebens ist nur wenig bekannt. Die 4500 Schwarz-Weiß-Abzüge des NS-Bildberichterstatters Otto Emmel dokumentieren hingegen ein Kapitel der Frankfurter Stadtgeschichte, das dunkler nicht sein könnte. Auf den Fotos werden die Grausamkeiten der Naziherrschaft allerdings nur wenig deutlich.

An die 20 Werke aus dem Nachlass des Fotografen zeigt das Historische Museum Frankfurt. Die Ausstellung „Schöne ordentliche Bilderwelt“ möchte die Relevanz der Medien in der NS-Propaganda verdeutlichen und dabei auch auf regionale und kommunale Presseorgane eingehen.

Die Fotos von Otto Emmel zeigen eine fast heile Welt. Aufnahmen eines Zeppelins bei der Landung auf der Grasbahn des Frankfurter Flughafens, ausgelassenes Treiben auf dem Palmengartenfest oder beim Karneval – die Bilder porträtieren das Stadtleben einer gut situierten und vor allem jungen Generation. Während viele Fotografien aus der Zeit militärische Aufmärsche in NS-Uniform darstellen, lassen auf den ersten Blick nur kleine Hakenkreuze auf das totalitäre Regime schließen.

Nazi-Fotografien

Die Fotografien „Schöne ordentliche Bilderwelt – Erziehung zum Wegsehen?“ aus dem Nachlass von Otto Emmel sind im Historischen Museum bis zum Juni 2022 ausgestellt.

Der Ticketkauf ist sowohl online über www.historisches-museum-frankfurt.
ticketfritz.de als auch vor Ort möglich. Vor Ort gelten die üblichen Corona-Regeln. Termine für Führungen können ebenfalls auf der Homepage gebucht werden.

Die Ausstellung ist ein Partnerprojekt von RAY 2021, der internationalen Triennale der künstlerischen Fotografie und verwandter Medien in Frankfurt. Für das Fotografiefestival kommen in diesem Jahr Institutionen und Künstler:innen zum Thema „Ideologien“ zusammen.

Ein vermeintlich schlichtes und sachliches Bild zeigt eine gut sortierte Stadtverwaltung. Dass es sich dabei um Aufnahmen aus der Abteilung „Erb- und Rassenpflege“ handelt, wird nur mit Hilfe von recherchierten Zeitungsartikeln deutlich.

Emmels Fotos müssten als Schnappschüsse von Alltagsbegegnungen gedeutet werden, die erst durch entsprechende Hintergrundrecherche in den historischen Kontext eingebettet werden könnten, erklärt Kuratorin Dorothee Linnemann. „Otto Emmel gab seine Bilder vor allem an Lokalzeitungen, Magazine oder Vereine weiter. Uns ist jedoch nur wenig über die Begleitumstände der Veröffentlichungen bekannt“, sagt Linnemann.

Die nationalsozialistischen Werke des Nachlasses wurden in den 1960er Jahren von der Universitäts- und Stadtbibliothek an das Museum übergeben, der Weg dorthin lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Bei den recherchierten und ausgestellten Fotos handele es sich erst um „die Spitze des Eisberges“, wie Kuratorin Linnemann klarstellt.

Genauso unbekannt ist auch der Lebensweg des Bildberichterstatters selbst. „War Otto Emmel ein NS-Fotograf oder bloß ein Fotograf, der in der NS-Zeit gelebt hat? Das wissen wir nicht genau, ist aber an dieser Stelle auch nicht zu trennen. Emmel hat sich in keinster Weise kritisch-reflexiv mit dem Regime beschäftigt, stattdessen sogar davon profitiert“, erläutert Dorothee Linnemann.

Die dargestellte Unbedarftheit habe System. „Mit Hilfe einer idealisierten Bilderwelt spielen Fotografien eine entscheidende Rolle im Erlangen und Aufrechterhalten totalitärer Macht“, so die Kuratorin. Die Ausstellung solle dafür sensibilisieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare