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Der Herrenwald bei Stadtallendorf muss einer Autobahn weichen.
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Der Herrenwald bei Stadtallendorf muss einer Autobahn weichen.

Frankfurt

Ausstellung im Haus am Dom: Der frische Blick der Foto-Profis

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Freiheit - mit dem großen Wort beschäftigt sich eine Foto-Ausstellung in Frankfurt. Corona ist eines, aber längst nicht das einzige Thema.

Es gibt Fotografien, die perfekt sind, wunderbar beleuchtet, die einen besonderen Augenblick einfangen, eine ganze Geschichte erzählen, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen, wenn man sie einmal gesehen hat. Da können auch Hobbyfotografinnen ein gutes Auge haben, und selbst mit dem Handy gelingt manchmal Bewundernswertes – doch der scharfe Blick der Fotoprofis ist dann vielleicht doch noch mal eine ganze Runde eindrucksvoller.

Bernd Hartung hat lange darüber nachgedacht, wie er seine Serie mit brustamputierten Frauen fotografieren soll.

Davon überzeugen kann man sich von diesem Wochenende an im Frankfurter Haus am Dom, wo 26 Fotografinnen und Fotografen des Berufsverbands Freelens von diesem Freitagabend an aktuelle Arbeiten zeigen. „Wir wollten nur neue, frische Sachen ausstellen“, sagt der Fotograf Bernd Hartung, einer der Organisatoren. Das Haus am Dom unterstützte den Verband dabei tatkräftig, stellt die Räume und die Technik, ermöglicht regelmäßige Öffnungszeiten. Die Ausstellenden haben ihre Bilder selbst ausgewählt und auch die Organisatoren seien oft überrascht worden von der Vielfalt. Ein „Low-Budget-Projekt mit hoher Qualität“ sei die Ausstellung, sagt Hartung.

Farbige Glasfenster in einem indischen Palast.

Der Fotograf selbst ist mit einer bemerkenswerten Bildreihe vertreten. Ein Verein fragte ihn, ob er bereit sei, das schwierige Thema Krebs und Brustamputation fotografieren zu wollen und zu können. „Zuerst habe ich mal sehr geschluckt“, berichtet der 54-Jährige. „Der Verein kämpft darum, dass Frauen ernst genommen werden, wenn sie nach dem Verlust ihrer Brust keine Implantate möchten. Da wird der Patientinnenwille oft einfach ignoriert, selbst von den Ärzt:innen.“ Hartung wollte in seiner Fotoserie selbstbewusste Frauen zeigen, er wählte ein graues, weiches Licht und Schwarz-Weiß-Bilder. Vier Frauen standen ihm bisher Modell, im Atelier.

Die Ausstellung im Frankfurter Haus am Dom

Die Ausstellung „Free“ des regionalen Berufsverbands Freelens, in dem etwa 250 freiberuflich arbeitende professionelle Fotografinnen und Fotografen aus Hessen, dem nördlichen Baden-Württemberg, Mainfranken und Rheinland-Pfalz zusammengeschlossen sind, ist von kommenden Samstag, 13. November, an bis zum 18. Januar kommenden Jahres im Frankfurter Haus am Dom zu sehen. Bundesweit hat der Berufsverband etwa 2300 Mitglieder.

Geöffnet ist das Haus am Dom direkt neben dem Haupteingang des Kaiserdoms montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, an Wochenenden von 11 bis 17 Uhr. Die Vernissage an diesem Freitagabend ist leider nur für geladene Gäste. Der Eintritt ist frei.

Insgesamt 26 Fotograf:innen haben sich in ihren neuen Arbeiten mit dem Thema der Schau, „Free“ (frei), auseinandergesetzt. Es ist die dritte Gemeinschaftsausstellung des Verbands in Deutschland. Die ausgestellten Fotografien sind auch zu erwerben. (aph)

„Ich habe lange überlegt, ob ich sie in ihrem Zuhause aufnehme, vielleicht auch mit Kostümen. Aktfotografie ist eigentlich nicht mein Spezialgebiet.“ Die bisherigen Bilder kamen aber sehr gut an, möglicherweise wird die Serie fortgesetzt.

„Free“ („frei“) ist das Leitmotiv der Ausstellung im Haus am Dom, die bis Mitte Januar zu sehen sein wird. Da passt die Entscheidungsfreiheit der Frauen aus Hartungs Reihe genauso wie die Unfreiheit, die die Corona-Pandemie für uns alle mit ihren vielen Einschränkungen des Alltags bedeutet. Neun Projekte in der Ausstellung wurden auch ganz direkt als Corona-Unterstützung von der Hessischen Kulturstiftung gefördert. „Das ist kein Geschenk, kein Almosen“, sagt Hartung. „Da ist der Staat tatsächlich Kunstmäzen.“

In der Veranstaltungsbranche arbeiten viele Selbstständige. Ralph Larmann war für seine Bilder weltweit unterwegs.

Die Pandemie hat viele von Hartungs Kolleg:innen beschäftigt, wie in der Ausstellung zu sehen ist. Ein Beispiel ist etwa die aufwendige Fotoreportage von Andreas Varnhorn. Der 59-Jährige ist einer der beiden Organisatoren der Ausstellung und selbst Profifotograf in Bad Vilbel.

Hinduistische Bettelmönche hat Jutta Ulmer begleitet.

Varnhorn streifte immer wieder durch die drei großen der kleinen Frankfurter Einkaufsmeilen, die Schweizer, die Leipziger und die Berger Straße. „Mich hat vor allem beschäftigt, wie die kleinen Ladenbesitzer mit der Pandemie umgegangen sind, wie sie zurechtkamen“, berichtet er. Die Zeil mit ihren Ketten und Kaufhäusern sei deshalb nicht so interessant gewesen.

Axel Hess hat das Tempelhofer Feld in Berlin und die Menschen auf dieser riesigen Brachfläche porträtiert.

Fünf Ladenbesitzerinnen und drei -besitzer hat er porträtiert und interviewt, dazu Straßenszenen und Verkaufssituationen fotografiert, insgesamt 15 Bilder für die Ausstellung ausgewählt. „In der Pandemie sind nicht alle nur in Tränen ausgebrochen“, ist ein Fazit Varnhorns. „Da gibt es alles zwischen Resignation und konstruktiver Idee.“

Der Baum des Lebens heißt diese Fotomalerei von Kay Maeritz, entstanden in wochenlanger Arbeit.

Wer fasziniert ist von einem Bild kann auch eine der ausgestellten Fotografien erwerben. „Der Verband agiert nicht als Galerie. Das soll keine Verkaufsausstellung sein, aber es ist sicher möglich, wenn man mit den einzelnen Fotografinnen und Fotografen Kontakt aufnimmt“, sagt Varnhorn. Die Vielfalt der hier gezeigten Bilder ist enorm, es gibt Reisefotografie, künstlerische Verfremdungen, Landschaften, Porträts und noch viel mehr - und vieles könnte auch in Fotomuseen hängen.

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