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Ausstellung im Architekturmuseum: Wohnen im Schwimmbad

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Von: Sandra Busch

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Museumsdirektor Peter Cachola-Schmal erklärt das Potenzial des ehemaligen Telekom-Areals am Ostbahnhof. monika müller (2)
Museumsdirektor Peter Cachola-Schmal erklärt das Potenzial des ehemaligen Telekom-Areals am Ostbahnhof. monika müller (2) © Monika Müller

Eine Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums widmet sich dem Bauen im Bestand. Denn das ist klimaschonender als Abriss.

Rund 40 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen gehen auf den Bausektor zurück, und in Deutschland werden beim Bauen mehr als 90 Prozent der Rohstoffe verbraucht. Zudem verursacht die Bauindustrie durch Abriss mehr als die Hälfte des in Deutschland anfallenden Abfalls. „Wenn wir über die Klimakrise sprechen, müssen wir unbedingt übers Bauen sprechen“, sagt Mathias Schnell, Kurator am Deutschen Architekturmuseum. „Es muss eine Bauwende geben.“

Durch Bauen im Bestand kann die Architektur einen nachhaltigen Beitrag leisten. Eine Ausstellung des Architekturmuseums präsentiert nun internationale Strategien im kreativen Umgang mit bestehender Architektur. „Nichts Neues – Besser Bauen mit Bestand“ zeigt aber auch Projekte in Frankfurt: Gebäude, die umgebaut, angebaut, weitergebaut wurden – „oder bei denen noch nicht klar ist, was passieren wird“, sagt Direktor Peter Cachola Schmal. Etwa das Juridicum oder die biologische Fakultät am Palmengarten. Er plädiert dafür, diese Gebäude nicht abzureißen. Weil ein Abriss dem Klima mehr schadet als eine Umwandlung und „es ist auch wichtig für die Stadtentwicklung, sie nicht abzureißen.“

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Mit sechs Themenbereichen beschäftigt sich die Ausstellung bei den internationalen Projekten: Umbauen, Anbauen, Rückbauen, Reaktivieren, Bauen im Denkmal, Stadt und Dorf erneuern. In Sao Paulo in Brasilien etwa wurde ein ehemaliges Kaufhaus umgebaut zu einem Kulturzentrum. Das zwölfstöckige Gebäude beherbergt nun unter anderem Bibliothek, Restaurant, Theater – und einen Pool auf dem Dach. „Das Gebäude wurde geöffnet, es wurden mehr Freiflächen geschaffen“, sagt Kuratorin Katharina Böttger. Bauen mit Bestand sei auch gerade bei der Umnutzung von deutschen Innenstädten im Zuge der Wandlung durch den zunehmenden Onlinehandel ein Thema. „Sao Paulo ist ein Beispiel, was mit solchen Bauten passieren kann.“

In Gouda in den Niederlanden hat man ein denkmalgeschütztes Hallenbad von 1939 in ein Mehrfamilienhaus umgebaut. Menschen „wohnen nun im Hallenbad und teilen sich das ehemalige Schwimmbecken als gemeinschaftlichen Hof“, sagt Kurator Jonas Malzahn. „Das Schwimmbad lebt wieder, man kann zwar nicht schwimmen, aber die Bewohnerinnen und Bewohner können am Beckenrand sitzen und die Füße baumeln lassen.“

Ausstellung

„Nichts Neues – Besser Bauen mit Bestand“ ist vom 16. September bis 15. Januar zu sehen im Interimsquartier des Deutschen Architekturmuseums DAM Ostend, Henschelstraße 18.

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Freitag 12-18 Uhr, Mittwoch 12-19 Uhr, Samstag und Sonntag 11-18 Uhr, Montag geschlossen.

Öffentliche Führungen finden samstags um 15 Uhr statt. sabu

Es gibt weitere Beispiele. In Barcelona wurde ein leer stehendes und verfallendes Gebäude reaktiviert, ist nun eine Theaterakademie. In Winterthur in der Schweiz wurde ein Gewerbebau erweitert – zu 70 Prozent aus gebrauchten Baumaterialien. Im Vergleich zu einem Neubau „ist so 60 Prozent weniger CO2-Ausstoß entstanden“, sagt Schnell.

Umnutzen statt abreißen

Das Architekturmuseum selber wird auch gerade umgebaut. Derzeit ist es in einem Interimsquartier am Ostbahnhof, dem ehemaligen Telekom-Areal, ausgelagert. Und dieses Gebäude sollte auch abgerissen werden. Einst baute es Neckermann Anfang der 1950er Jahre für seinen Versandhandel. Die Familie wohnte auch in dem Haus. Eigentlich wollte es die Immobiliengesellschaft, die das Gebäude 2016 erwarb, 2025 abreißen. Zur Zwischennutzung haben sich Mieterinnen und Mieter etwa aus Gastronomie, IT und Kunst angesiedelt. Nun hat der Eigentümer gewechselt. „Er muss mit der Stadt neu über die Verwendung des Grundstücks verhandeln“, sagt der Direktor. „Mal sehen, wohin die Reise geht.“ Aber klar ist: Ein Abriss würde jede Menge graue Energie verschwenden. Und CO2 ausstoßen. „Und das Haus ist stabil“, sagt Peter Cachola Schmal. „Da kann man sogar noch was draufsetzen.“

Neckermann eröffnete 1951 sein Versandhaus am Ostbahnhof, später übernahm das Areal die Telekom.
Neckermann eröffnete 1951 sein Versandhaus am Ostbahnhof, später übernahm das Areal die Telekom. © Monika Müller

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