Im Projekt von Simon Ndrjaj und Lehrerin Eda Korkmaz malten Bahar und Mahla (v.l.) ihre Flucht.
+
Im Projekt von Simon Ndrjaj und Lehrerin Eda Korkmaz malten Bahar und Mahla (v.l.) ihre Flucht.

Ausstellung

Ausstellung in Frankfurt: Flüchtlingskinder malen ihre Flucht

  • Sophie Vorgrimler
    vonSophie Vorgrimler
    schließen

Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten in Frankfurt zeigt die Ausstellung einer Integrationsklasse.

Eine Familie sitzt an einem Tisch, auf dem etwas zu essen steht. Eine Schule ist geschlossen, vor ihr wachen bewaffnete Soldaten. Menschen spazieren durch die Straße, im Hintergrund aufstiebender Rauch einer Explosion. Comicartige Bilder, in bunten Farben gemalt. Sie erzählen lebhaft von Kindern auf der Flucht.

Die Geschichte „Der Flüchtlingsweg in Bildern“ ist fiktiv, aber die Inspiration real. Die Künstler und Künstlerinnen gehen in eine Integrationsklasse der Paul-Hindemith-Schule im Gallus. Ihre Erfahrungen schildern sie in einer Ausstellung, die im Amt für multikulturelle Angelegenheiten zu sehen ist. „Als ich noch sehr klein war, war alles gut“, sagt Bahar (17). „Da war ich zu Hause und musste noch nicht in die Schule“ – was nicht bedeutet, dass sie keine Lust auf Schule gehabt hätte. Aber Bahar ist in Kabul geboren, und als sie später zur Schule ging, „war der Schulweg sehr gefährlich“. Die Erfahrung teilt Mahla (16) aus Herat: „Auf dem Weg in die Schule wurden Kinder geklaut.“

Mahla und Bahar gehen in die zehnte Klasse der Paul-Hindemith-Schule im Gallus. Ihre Lehrerin Eda Korkmaz bescheinigt ihnen, fleißig und engagiert zu sein. In den vergangenen Monaten haben sie sich an einem Kunstprojekt von Korkmaz und dem Schulkünstler Simon Ndrjaj beteiligt; entstanden ist die chronologische Erzählung einer fiktiven Fluchtgeschichte.

Die Ausstellung

Schüler und Schülerinneneiner Integrationsklasse der Paul-Hindemith-Schule haben ihren Alltag auf der Flucht gemalt.

„Der Flüchtlingsweg in Bildern“ist bis 31. Mai, montags bis freitags von 10 bis 15 Uhr im Amt für multikulturelle Angelegenheiten zu sehen.

Eine weitereIntegrationsklasse der Schule zeigt dort Porträts.

Dass die Bilder in fröhlichen, bunten Farben strahlen, ist der Tatsache geschuldet, dass die Zeit der Flucht für die Kinder auch ein Abenteuer war, einen Aufbruch markierte, der Besseres bringen sollte. Der Fluchtweg brachte auch schöne Begegnungen und Momente.

„Wir haben uns längere Zeit nicht richtig waschen können, ich habe mich sehr schmutzig gefühlt“, erzählt Bahar, deren Familie in Afghanistan in guten Verhältnissen gelebt hatte. „Als wir von der Türkei in Griechenland angekommen sind, gab es dort eine Duschkabine, die oben offen war. Ich stand lange unter dem reinen Wasser, und auf mich schien die Sonne.“ Das sei einer der schönsten Momente gewesen.

Die Grenzüberschreitung nach Griechenland ist auch auf einem der Bilder festgehalten. „Das ist mein Lieblingsbild“, sagt Lehrerin Korkmaz, die mit den geflüchteten Jugendlichen zuerst viele, viele Geschichten gesammelt hat. Die meisten Jugendlichen in diesem Jahrgang seien aus Afghanistan gekommen, auf ähnlichen Fluchtrouten. Zu Fuß, mit dem Auto, dem Boot, dem Zug. „Der Zug war so voll, wir mussten durch das Fenster reinklettern“, berichtet Bahar von ihrer Flucht vor vier Jahren. „Und das Boot hatte ein Loch. Während der Fahrt mussten wir Wasser rausschöpfen.“ Damals habe sie große Angst gehabt.

Von Angst auf der drei Monate dauernden Flucht spricht auch Mahla, die vor sechs Jahren nach Deutschland kam. „Wir mussten uns viel verstecken, auch bei Menschenhändlern im Keller.“ Manchmal habe sie tagelang kein Sonnenlicht gesehen. Mehrmals wurde ihre Familie an Grenzen erwischt, mehrmals musste sie ins Gefängnis. „Immer wenn wir ein Ziel erreicht hatten, waren wir so froh“, sagt Mahla. Mittlerweile leben sie und Bahar in Preungesheim und Kalbach – nach wie vor in Flüchlingsheimen, in denen sie sich mit Geschwistern, Eltern und Oma Zimmer teilen. „Eine Wohnung“, ist fast der einzige Wunsch der bleibt.

Das letzte Bild der Geschichte: Kinder sitzen an Tischen, alle gucken zufrieden in eine Richtung. Vor ihnen steht eine Lehrerin, die Deutsch als Fremdsprache unterrichtet.

Von Sophie Vorgrimler

Fast täglich werden Flüchtlingsunterkünfte unter Quarantäne gestellt. Die Sicherheitskonzepte der Länder sind kaum realistisch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare