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Eröffnung der Foto-Ausstellung "Jüdisches Leben in Deutschland heute" von Rafael Herlich.

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Ausstellung in Frankfurt: Jüdisches Leben hängt an Menschen, nicht an Orten

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Der Fotograf Rafael Herlich ist ein Chronist jüdischer Gegenwart in Deutschland. Eine Schau zeigt jetzt sein Lebenswerk.

Es sei alles andere als ein einfacher Ort für eine solche Ausstellung, lässt Elisabeth Leuschner-Gafga das Publikum im ehemaligen Hochbunker an der Friedberger Anlage wissen. Sie als Vorstandsmitglied der Initiative 9. November weiß, wovon sie redet. „Mit zahlreichen Widerständen“ hätten sie und ihre Mitstreiter zu kämpfen gehabt, um überhaupt Zugang zu dem Bau zu erhalten, den die Nationalsozialisten auf den Trümmern der einst größten Frankfurter Synagoge errichten ließen.

Die Geschichte beider Bauten sowie des einst jüdischen Frankfurter Ostends ist bislang in drei Ausstellungen dokumentiert worden. „Dank Rafael Herlich“, sagt Leuschner-Gafga, „sind wir nun in der Gegenwart angekommen.“

Derjenige, dem dieser Dank gilt, sitzt in der ersten Reihe, hinter ihm rund 50 Gäste. Rafael Herlich, Fotograf, so könnte man es ganz einfach formulieren. „Haus- und Hoffotograf der jüdischen Gemeinde“ wird ihn Harry Schnabel, Vorstandsmitglied der Frankfurter Jüdischen Gemeinde, in seiner Rede nennen - was etwas tiefgestapelt klingt.

Juden in Deutschland: Von Religionsschülern bis zu Makkabi-Vereinen

Tatsächlich hat sich der 65-jährige Herlich, der 1975 von Tel Aviv nach Frankfurt zog, in den mehr als vier Jahrzehnten seines Wirkens den Ruf eines Chronisten des jüdischen Lebens in Deutschland erworben. Man könnte auch – in Anlehnung an Elisabeth Leuschner-Gafga – sagen: der jüdischen Gegenwart in Deutschland.

Eine große Auswahl seiner Werke ziert nun die ansonsten kalkweißen Wände im ersten Stockwerk der Bunkeranlage, an deren Stelle bis zu den Novemberpogromen 1939 die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft gestanden hatte, die bis zu 1600 Menschen Platz bieten konnte. Es sind großformatige Fotografien von religiösen Feiern, von Sportveranstaltungen der verschiedenen Makkabi-Vereine in Deutschland, von orthodoxen Religionsschülern und modisch gekleideten jüdischen Studentinnen. Viele Bilder hat man bereits in anderen Ausstellungen gesehen - die Ausstellung im Hochbunker ist auch eine Art Überblick über Herlichs Lebenswerk. Als Fotograf habe er „unsere Geschichte, unsere Freude, unsere Traurigkeit, unsere täglichen Erlebnisse dokumentiert“, bescheinigt ihm der Frankfurter Gemeinderabbiner Avichai Apel. Die Ausstellung bezeuge, dass sich „jüdisches Leben erneuert“ und „an Menschen hängt, nicht an Orten“.

Die Ausstellung im Hochbunker an der Friedberger Anlage kann sonntags zwischen 11 und 14 Uhr besichtigt werden. Auf Wunsch wird auch eine Führung angeboten. Der Eintritt beträgt sechs Euro pro Person.

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