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Jedem Kind wurde ein eigenes Kabinett gewidmet.
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Jedem Kind wurde ein eigenes Kabinett gewidmet.

Kindermigration

Ausstellung der Deutsche Nationalbibliothek: Ohne Eltern ins Exil

Die Deutsche Nationalbibliothek erinnert an die Schicksale aus Frankfurt emigrierter Kinder.

Liesel Carlebach, später Lee Edwards, war gerade 15 Jahre alt, als sie ihren Geburtsort Frankfurt und damit auch ihre Eltern verlassen musste. Als eines von rund 600 Kindern aus Frankfurt verließ sie Deutschland noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. In Coventry, in Großbritannien, wo sie von einem jungen jüdischen Ehepaar aufgenommen wurde, war sie vor den Nazis sicher. Aber ihre Eltern sah sie danach nie wieder.

Seit diesem Mittwoch können sich Besucherinnen und Besucher der Deutschen Nationalbibliothek über ihr Schicksal und das fünf weiterer Kinder informieren, die damals aus Frankfurt emigrieren mussten. „Sie beziehen für die Zeit hier quasi ein Kinderzimmer“, sagt Sylvia Asmus, Leiterin des Deutschen Exilarchivs. Sie meint damit die sechs Kabinette, die den Kindern gewidmet wurden. Darin befinden sich Fotos, alte Schulzeugnisse und Briefwechsel mit den Eltern. Manche Gegenstände, wie etwa ein Tagebuch, waren für die Zeitzeug:innen von so großer Bedeutung, dass für die Ausstellung originalgetreue Kopien angefertigt wurden.

Die Idee für die Ausstellung „Kinderemigration aus Frankfurt“ sei gemeinsam mit der Idee für das Denkmal im Bahnhofsviertel entstanden, das am Donnerstag eingeweiht wurde. „Viele der Zeitzeug:innen und ihre Familien waren daran beteiligt, indem sie zum Beispiel Fotos und andere Dokumente bereitstellten“, so Asmus.

Kindermigration

Die Ausstellung ist vom 2. September 2021 bis zum 15. Mai 2022 in der Deutschen Nationalbibliothek zu sehen. Auch virtuell kann man sich die Texte und Videos anschauen.

In diesem Herbst erscheint außerdem ein ausstellungsbegleitender Katalog beim Wallstein-Verlag.

Renata Harris hat eine alte Puppe bereitgestellt, die sie damals mit zehn Jahren bei ihrer Ausreise nach Großbritannien dabei hatte. Direkt daneben liegt das Umzugsverzeichnis, auf dem die Puppe notiert ist. „Uns war es wichtig, die Biografien immer von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter zu erzählen“, sagt Asmus. Harris zum Beispiel, so erzählt sie, habe diesen Teil ihres Lebens lange nicht thematisiert. Erst als sie von der Errichtung eines Denkmals für die Kindertransporte in Rotterdam erfuhr, habe sie sich entschlossen, aktiv zu werden und als Zeitzeugin in Schulen zu berichten.

Eine weitere bekannte Persönlichkeit, deren Geschichte in der Ausstellung erzählt wird, ist die Sexologin Ruth Westheimer. Sie wurde in den achtziger Jahren in den USA durch ihre Radiokolumne „Sexually Speaking“ berühmt, in der sie Ratschläge für guten Sex gab. Auch Westheimer hielt ihre Vergangenheit lange unter Verschluss, aber entschied sich schließlich, doch damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

2019 erschien der Film „Fragen Sie Dr. Ruth“, der ihr Leben dokumentiert. Anhand ihrer Zeitdokumente lässt sich nachvollziehen, unter welcher Ungewissheit die emigrierten Kinder damals litten. In den Zufluchtsländern waren sie lediglich geduldet und ihr Asyl musste alle sechs Monate verlängert werden. Außerdem waren die Ausreisen mit enormen bürokratischen Hürden verbunden. Die Auswahl der Kinder erfolgte pragmatisch: Kerngesunde und junge Mädchen hatten die besten Chancen auf Asyl, da sie am besten an Pflegefamilien vermittelt werden konnten.

Häufig werde vor allem Großbritannien mit den Kindertransporten assoziiert, weil dort die meisten Asyl gefunden hätten. Andere Länder hätten zwar Kinder aufgenommen, aber deutlich weniger als möglich und nötig gewesen wäre. „Wir reden deshalb zwar von einer Geschichte der Rettung, aber auch einer Geschichte der unterlassenen Hilfeleistung“, sagt Asmus. (FRIEDERIKE BRUDER)

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