Mitarbeiter der Stadtreinigung beseitigen am Morgen nach der Randale vor der Alten Oper Scherben der zertrümmerten Scheiben einer Bushaltestelle.
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Mitarbeiter der Stadtreinigung beseitigen am Morgen nach der Randale vor der Alten Oper Scherben der zertrümmerten Scheiben einer Bushaltestelle.

Opernplatz

Ausschreitungen am Opernplatz: Viele Täter kamen nicht aus Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Nach den Ausschreitungen am Opernplatz wurde alle 39 Tatverdächtige am Sonntagnachmittag wieder auf freien Fuß gesetzt. Ordnungsdezernent erwartet „klares Signal“ von der Justiz.

Es ist erstaunlich, welche Anziehungskraft der Frankfurter Opernplatz ausübt. Rund zwei Drittel der am Sonntag festgenommenen Randalierer stammten nicht aus Frankfurt, führte Polizeipräsident Gerhard Bereswill am Montag aus. Die jungen Menschen, zwischen 15 und 23 Jahre alt und bis auf eine Ausnahme männlich, waren unter anderem aus Heidelberg, Koblenz, Hanau, Limburg und Darmstadt nach Frankfurt gekommen.

Ermittelt werden soll gegen die festgenommenen Personen nun wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung beziehungsweise versuchter Körperverletzung. Die Personen sind laut Bereswill „überwiegend polizeilich bekannt“ und registriert wegen Delikten wie Körperverletzung, Diebstahl oder Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Da bei den Randalen fünf Polizisten Prellungen und Schürfwunden erlitten, dürfen die Tatverdächtigen bei den Ermittlungen nicht mit allzu großer Nachsicht der Polizei rechnen.

Bereswill kündigte an, die Ermittlungen mit Nachdruck führen zu wollen, einige Hinweise seien auf den eigens kommunizierten Plattformen bereits eingegangen. Nun muss ermittelt werden, welcher der festgenommenen Personen welche Tatbeteiligung nachgewiesen werden kann.

Da viele der Tatverdächtigen einen Migrationshintergrund hätten, würde auch der jeweilige Aufenthaltsstatus der Betreffenden überprüft. Dies sei „eine Standardmaßnahme“, so Bereswill.

Die Maßnahmen der Stadt, den Opernplatz zu nächtlicher Stunde sperren zu wollen, bezeichnete Bereswill als „zielorientiert und geeignet“.

Bevor der Polizeipräsident am Montag im Plenarsaal des Römers die Maßnahmen der Polizei vorstellte, hatte Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) einen flammenden Appell an die Öffentlichkeit gerichtet, nicht weiter am Feindbild Polizist festzuhalten. Das Vertrauen in die Polizei müsse bald wiederhergestellt werden, denn eine Alternative dazu gebe es nicht.

Die Tatsache, dass Beamte, die einer verletzt am Boden liegenden Person zu Hilfe eilen wollten, mit Flaschen beworfen wurden, bezeichnete Frank als „irre“. Im Hinblick auf Claqueure, die bei Flaschenwürfen noch gejohlt hätten, forderte Frank, dies zu unterlassen, alles andere sei „brandgefährlich“.

Frank lobte den Einsatz der Polizei, die „entschlossen und mutig“ gegen die Randalierer vorgegangen sei. Anders als in Stuttgart sei die Lage in Frankfurt nicht außer Kontrolle geraten, Plünderungen etwa habe es keine gegeben.

Polizeipräsident Bereswill ist derzeit in einer schwierigen Lage. Der Skandal mit den Drohmails aus rechtsextremen Kreisen, in den die Polizei verwickelt ist, hänge „wie ein Damoklesschwert“ über der Frankfurter Polizei; dazu kämen nach den Vorfällen in den USA Rassismusvorwürfe, die aber größtenteils „sehr pauschal und undifferenziert“ seien, so Bereswill.

Es gebe Teile der Gesellschaft, die diese schlechte Stimmung „gerne aufnehmen“. Junge Menschen, die ihre Grenzen austesten und sich gegen die Polizei auflehnen, seien kein neues Phänomen, das habe er in dieser Form aber noch nicht erlebt, so Bereswill.

So waren auch die Beamten, die zur Verstärkung eilten, noch in ihren Dienstfahrzeugen mit Wurfgeschossen attackiert worden. Bereswill hatte sich die Schäden an den Polizeifahrzeugen angeschaut. Eine Heckscheibe sei völlig zertrümmert gewesen. „Das muss mehr gewesen sein als Flaschen“, sagte der Polizeipräsident zu den Wurfgeschossen.

Wie schon bei der Problematik im Bahnhofsviertel appellierte Ordnungsdezernent Frank an die Justiz, die Vorfälle konsequent zu ahnden. „Da muss ein ganz deutliches Signal gesetzt werden, das darf die Justiz nicht kleinreden“, forderte er.

In Untersuchungshaft sitzt derzeit keiner der Tatverdächtigen mehr. Bis Sonntagnachmittag waren alle 39 Personen auf Geheiß der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

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