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5. Fahrrad-Demonstration „Kidical Mass“ in Frankfurt

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Großeltern, Eltern und Kinder fordern bei der Fahrrad-Demonstration „Kidical Mass“ bessere Radwege und mehr Sicherheit.

Bei wechselhaftem Wetter sind am Sonntag Radfahrer zur letzten „Kidical Mass“ dieses Jahres aufgebrochen. Nach dem Start am Nachmittag an der Alten Oper in Frankfurt hatte es geregnet, und zeitgleich schien die Sonne. Zum fünften Mal hatten sich kleine und große Pedalisten getroffen, um für eine bessere Radfahr-Infrastruktur in Frankfurt zu demonstrieren.

Die Veranstalter, die sich aus Aktivisten des Frankfurter Radentscheid-Teams herausgebildet haben, schätzten die Teilnehmerzahl auf 100 bis 150. Ein Polizist sprach von 60 Teilnehmern. Der Zug wurde von der Polizei gesichert und über die Hoch- und Bleichstraße zur Friedberger Landstraße und dann hinauf zum Günthersburgpark geleitet.

Dabei war einiges ein bisschen anders als gewohnt: Unterwegs rief ein Mädchen auf seinem Kinderrad, als der Korso eine rote Ampel passierte: „Hey, es ist rot!“ Ihre Begleiter klärten das Kind auf, dass das bei dem Demonstrationszug erlaubt sei. „Heute fahren wir ausnahmsweise auf der Straße“, hatte Teilnehmer Eckehart Wache vor Beginn seiner Enkelin Emilja erklärt, während die Sechsjährige ihrem Großvater andächtig lauschte.

Als Motto wählten die Veranstalter für diesen Tag „Meine Großeltern und ich. Eine Allgenerationen-Kidical Mass“. Familie Wache kamen zum ersten Mal und gleich mit drei Generationen. Auch Emiljas Eltern waren dabei. „Ich fahre nicht mehr so unbeschwert Rad wie noch vor 20 Jahren“, sagte Großvater Wache. Als Grund nannte der 66-Jährige, dass der Verkehr dichter geworden sei und sich das Tempo der Autos erhöht habe. Zudem sei der Verkehrsraum für die einzelnen Teilnehmer „schlecht gekennzeichnet“.

Ängstlich wegen unachtsamer Autofahrer

Seine Frau Ingrid sagte, dass sie häufig Umwege mit dem Rad in Kauf nehme – ein Auto besitzt Paar gar nicht – weil sie ein „bisschen ängstlich wegen unachtsamer Autofahrer“ sei. Schwiegertochter Diliana Wache berichtete, dass sie mit ihrer Tochter bereits in eine brenzlige Situation geraten war. Ein junger Autofahrer hätte Emilja beim Abbiegen in der Nähe des Zoos beinahe übersehen. Mit dem Rad würde sie ihre Tochter höchstens für kurze Strecken alleine losschicken, sagte die Mutter.

In einer kurzen Ansprache betonte Demo-Teilnehmerin Ursula Schneider, dass sie täglich Angst um ihre vier Enkel habe, wenn diese mit dem Rad in der Stadt unterwegs seien. Auch sie fühle sich nicht sicher auf Frankfurts Straßen. Im Alter habe sich das Radfahren für sie verändert. „Mich strengt der Verkehr in der Stadt sehr an“, sagte die 77-Jährige.

Weil Radstreifen häufig zu schmal seien und andere Radler manches Mal „im Affenzahn“ überholten, fühle sie sich unsicher auf zwei Rädern und fahre am liebsten nur noch durch Parks. „Ich möchte Freude haben am Radfahren“, sagte Schneider. Die Sprecherin der Veranstalter, Katharina Knacker, sagte: „Radwege sollten so sicher sein, dass sie Menschen von acht bis 88 Jahren angstfrei nutzen können“.

Auch im kommenden Jahr wollen die Kidical-Mass-Organisatoren mit ihrem Format weiter machen. Vorher soll es am 27. Oktober am gesperrten Mainkai noch eine Aktion mit einem Fahrrad-Parcours zum Üben für die Kleinsten geben. Im kommenden Jahr soll die Kidical Mass dann nicht von der Alten Oper, sondern von dort aus starten, so der Plan.

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