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Ausländerbehörde: Keine Antwort, kein Ausweis

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Familie Mosafir hat endlich Dokumente bekommen.
Familie Mosafir hat endlich Dokumente bekommen. © Renate Hoyer

Wegen der schlechten Erreichbarkeit der Frankfurter Ausländerbehörde, egal ob per Mail oder Telefon, warten viele Menschen lange auf ihre Papiere. Ein Besuch vor Ort.

Am Freitagmorgen um 8 Uhr stehen fünf Personen vor dem Eingang der Frankfurter Ausländerbehörde in der Kleyerstraße 86. Eine junge Frau, die schon länger zu warten scheint, diskutiert mit dem Sicherheitsmann vor der Tür. Als er die Absperrung zur Seite schiebt und sie einlässt, beschimpft sie ihn im Vorbeigehen. Er antwortet nicht, wendet sich ruhig den Nächsten zu. Es gibt keine lange Schlange, und doch sind die meisten Gesichter der Menschen, die hier am frühen Morgen ein- und ausgehen, angespannt.

Eines davon gehört Yvain Japhet. Der 24-Jährige möchte eine Pflegeausbildung machen und hat auch schon eine Zusage für seinen Ausbildungsplatz. Sein Arbeitgeber braucht für den Abschluss des Vertrages nur noch eine Bescheinigung, dass er hier arbeiten darf. Er hatte schon eine gültige Arbeitserlaubnis, die sei aber im Oktober ausgelaufen. Um die Verlängerung für seine neue Ausbildung zu bekommen, habe er seitdem versucht, die Ausländerbehörde zu erreichen – vergeblich. Keine Antworten auf seine E-Mails, keine Rückrufe. „Du erreichst dort niemanden“, sagt er. Japhet ist deswegen noch mal persönlich gekommen.

Er geht rein, kommt ein paar Minuten später wieder heraus, mit seinem Smartphone in der Hand. Ihm sei gesagt worden, er solle online einen Termin ausmachen. Er spricht mit leiser Stimme, wirkt erschöpft. Über die Online-Terminvergabe habe er nun einen Termin bekommen, aber erst im April. Dann, wenn seine Ausbildung eigentlich beginnen sollte.

Er ist nicht der Einzige, der lange auf Papiere warten muss, ohne die man in Deutschland kaum einem normalen Leben nachgehen kann. Nadra Ludin und ihre Familie haben heute nach eineinhalb Jahren Bemühungen ihre vorläufigen Ausweise bekommen. Damit können die Kinder endlich offiziell die normale Schule besuchen, sie selbst kann sich krankenversichern lassen. Ihr Sohn Mosafir Atif ist 2014 aus Afghanistan geflohen, kam damals in Düsseldorf an. Sie selbst kam drei Jahre später nach Frankfurt, die jüngste Tochter und ihr zweiter Sohn dann erst letztes Jahr. Seitdem habe Atif versucht, bei den Behörden die fehlenden Ausweise ausgestellt zu bekommen.

Mehr als 30 E-Mails habe er der Ausländerbehörde geschickt und keine Antwort erhalten. Die ganze Sache sei kompliziert gewesen, weil ein Teil der Familie in Düsseldorf angekommen sei, die Mutter aber in Frankfurt. Dreimal sei Atif in Düsseldorf auf dem Amt gewesen. „Geh nach Frankfurt“, hätten sie ihm dort gesagt, weil seine Mutter eben hier lebte. In Frankfurt hätten sie ihn dann wieder nach Düsseldorf geschickt, weil er selbst dort angekommen war. „Egal wo ich hingegangen bin, alle wollten meinen Ausweis sehen. Ohne einen Ausweis geht gar nichts“, sagt Atif. Seine Mutter sei deshalb seit einem Jahr ohne Krankenversicherung.

Seine Schwester hatte die Lehrerin ihres Intensiv-Deutschkurses, Angelika Frank, gebeten, sie bei dem Problem zu unterstützen. „Wenn ich mitgehe und ein gutes Wort für sie einlege, geht es vielleicht schneller“, habe die sich gedacht. Scheinbar hat das funktioniert – die Mitarbeiterin der Behörde habe ihnen jetzt zugesichert, schon nächste Woche die Ausweise fertig zu haben.

Wie schnell das eigene Anliegen bearbeitet werden kann, hängt wohl von unterschiedlichen Faktoren ab. Alina Sorokina hat ein strahlendes Lächeln im Gesicht, als sie mit ihrer Begleitung schnellen Schrittes aus der Behörde kommt. Ihrem Antrag auf Familiennachzug sei heute stattgegeben worden. Die Ukrainerin habe gute Erfahrungen gemacht, die Mitarbeiter:innen in der Behörde seien sehr freundlich zu ihr gewesen. Auch sie habe online einen Termin vereinbart. Auf den musste sie zwar zwei Monate warten, aber nun sei alles in Ordnung, sagt sie.

Alina Sorokina konnte mit ihrem Begleiter alles erledigen.
Alina Sorokina konnte mit ihrem Begleiter alles erledigen. © Renate Hoyer
Ivain Japhet hat erst für April einen Termin bekommen.
Ivain Japhet hat erst für April einen Termin bekommen. © Renate Hoyer

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