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„Nicht der Keller eines einfachen Wohnhauses“: Ausgrabungen zeigen Luxus aus der Römerzeit

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Von: Sandra Busch

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Man lebte vornehm in Nida: Grabungsleiter Rolf Skrypzak präsentiert die Basis einer Säule. michael schick
Man lebte vornehm in Nida: Grabungsleiter Rolf Skrypzak präsentiert die Basis einer Säule. michael schick © Michael Schick

Dort, wo einst die römische Stadt Nida stand, wird derzeit in Heddernheim gegraben. Und das Denkmalamt hat nicht nur Tonscherben gefunden. Auch Luxusgegenstände.

Frankfurt – Eines ist schonmal klar: Ein Provinzkaff war das römische Nida nicht. Sondern Hauptstadt der Großgemeinde namens „Civitas Taunensium“. Andrea Hempel, Leiterin des Denkmalamts, zeigt am Mittwochnachmittag auf dem Ausgrabungsgelände in Heddernheim einen silbernen Männerring mit einem eingefassten Glas- oder vermutlich eher Karneolstein. Eine filigrane Gazelle ist darauf zu erkennen. Und ein Baum. „Eine qualitätsvolle Arbeit“, sagt Hempel. „Ein Luxusgegenstand, der von der oberen Schicht getragen wurde.“ Und das sicher nicht in einem Provinzkaff. Sondern in der Hauptstadt.

Der Ring ist nur einer von vielen Gegenständen, die bei den archäologischen Ausgrabungen auf dem Gelände an der Straße In der Römerstadt 126-134 gefunden wurden. Wo vor etwa 2000 Jahren ein Teil der römischen Stadt Nida entstand. Seit November wird auf 3100 Quadratmetern gegraben, 5200 weitere Quadratmeter sind bereits archäologisch bearbeitet. Und so mancher doch eher seltene Fund kam zutage. „In 30 Jahren ist das mein dritter Ring“, sagt Grabungsleiter Rolf Skrypzak und zeigt auch noch ein längliches Blechschild mit einem Adler darauf. „Das war Teil eines Paradepanzers“, sagt Skrypzak. Standarte einer Legion. „Das ist unglaublich selten.“

Ausgrabungen in Frankfurt: Römische Reste einer Fußbodenheizung

So gut erhalten ist nicht alles, was an der Grabungsstelle gefunden wird. Aber auf dem Gelände sind noch original römische Reste zu sehen. Runde Töpferöfen etwa. Die Basis einer Säule. Der Hauptwasserkanal zur Therme. Reste eines Pfeilers, der den Boden trug, unter den Wärme geleitet wurde – Reste einer Fußbodenheizung also. Oder auch die Reste eines Kellers sind erhalten. „Nicht der Keller eines einfachen Wohnhauses“, sagt Hempel. Denn der Keller sei außergewöhnlich groß, außergewöhnlich gut ausgestattet. „Er muss in einem repräsentativen Gebäude gestanden haben.“

Der Bereich, in dem derzeit gegraben wird, ist offenbar von bedeutenden Gebäuden geprägt gewesen. Ein großer Teil Nidas aber wurde beim Bau der Römerstadt in den 1920er Jahren und später in den 1960er Jahren beim Bau der Nordweststadt überbaut und zerstört. Viel mehr als Hinweistafeln und von der Historie inspirierte Straßennamen erinnern nicht mehr an die römische Stadt. Und wenn die Arbeiten Ende des Jahres beendet sind, will die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG auf dem Gelände rund 190 Wohnungen bauen. „Bezahlbare Wohnungen“, sagt Planungsdezernent Mike Josef (SPD) beim Besuch der Ausgrabungsstätte. Doch die Geschichte der Stadt Nida solle erlebbar bleiben, die Funde nicht in irgendeiner Ecke liegen.

Wie das genau aussehen soll, das ist noch unklar. Ein museales Konzept soll erarbeitet werden. „Wir gehen da nun in die Debatte“, sagt Josef. Stadt, Ortsbeirat, ABG, Denkmalamt und das Archäologische Museum. „Bei der Entwicklung neuer Quartiere gibt es immer Zielkonflikte“, sagt Josef. Aber in diesem Fall sei er sicher, dass eine adäquate Lösung für alle gefunden werden könne. Einer musealen Präsentation auf dem Gelände ist ABG-Chef Frank Junker nicht abgeneigt. Das Konzept der Wohnbebauung sehe großzügige Freiräume vor, „da ließe sich das wunderbar integrieren“. Und Ortsvorsteherin Katja Klenner (CDU) wünscht sich dann auch schnell: „Ein Pavillon wäre schon gut.“ Damit eben die Fundstücke nicht irgendwo in einer Ecke herumliegen. (Sandra Busch)

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