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Die angehende Restaurantfachfrau serviert Erfrischungen.

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Ausbildung hinter Gittern

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Im Frauengefängnis in Preungesheim werden Insassinnen zu Fachkräften ausgebildet.

Wenn die Gefängniswärter freitags, samstags und sonntags um 17.30 Uhr die Tür von Friderike Bopps Haftraum zuschließen, dann setzt sich die 39-Jährige oftmals hin und lernt. Ihr Ziel: Im Januar 2020 eine erfolgreiche Prüfung zur Fachkraft im Gastgewerbe abzuschließen.

Sie ist eine von derzeit zwölf Frauen, die während ihrer Zeit im Frauengefängnis in Preungesheim eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe oder zur Köchin machen. Schafft sie die Prüfung, dann bekommt sie ein Zeugnis von der IHK und ein ganz normales Berufsschulzeugnis. Dass sie während der Zeit der Ausbildung inhaftiert war, wird man ihren Unterlagen nicht ansehen, obwohl sie dafür das Gefängnis nicht verlassen muss.

Warum sie einsitzt, will die Frankfurterin, die in Wahrheit anders heißt, nicht sagen. Wohl aber sagt sie: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch mal eine Ausbildung mache im Leben.“ Eine erste Ausbildung zur Kauffrau hat sie abgebrochen, weil ihre Oma zum Pflegefall wurde, erzählt sie. Mit 19 bekam sie einen Sohn, um den sie sich überwiegend alleine kümmerte. Ihren Lebensunterhalt sicherte sie sich jahrelang als selbstständige Promotorin. Dabei bewarb sie beispielsweise Kinderspiele in Kaufhäusern oder bot Kunden im Supermarkt Produkte zum Probieren an, erzählt sie.

Schon kurz nachdem Bopp vor etwa elf Monaten ins Gefängnis kam, begann sie in der Ausbildungsküche ein Praktikum, im August begann die 15-monatige Lehre. Davor hatte sie kurz in einem der Betriebe auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt (JVA) gearbeitet. Dort saßen zum Stichtag 9. Mai 294 jugendliche und erwachsene Frauen ein, sagt Anstaltsleiterin Wasemüller. Dass Bopp in der Zeit etwas lernen kann, gefällt ihr aber viel besser, als nur zu arbeiten. „Kopfmäßig wäre ich dann nicht so ausgelastet.“

Einen Fernseher hat sie in ihrer Einzelzelle, und auf dem Gefängnisgelände gibt es auch eine Bibliothek, bei der sich die Frauen einmal in der Woche drei Bücher ausleihen können. Computer und andere Geräte, mit denen sich viele freie Menschen die Zeit vertreiben, sind hingegen nicht erlaubt. Wollen die Frauen etwas einkaufen, das es nicht im kleinen Lädchen in der Anstalt gibt, dann müssen sie postalisch eine Bestellung aufgeben, um sich etwas liefern zu lassen.

Das Buffet ist fertig. Die Gäste können kommen.

Die Möglichkeit, in der Justizvollzugsanstalt Frankfurt III eine Ausbildung zur Köchin zu machen, gibt es schon lange. Bis 1995 lief das über die Volkshochschule. Seitdem ist das Berufsbildungswerk Dr. Fritz Bauer Träger, berichtet Sabine Brede, die in der JVA die pädagogischen Dienste leitet und auch für den Träger arbeitet. Seit 1995 haben 204 Frauen eine der Ausbildungen angefangen, berichtet Brede, 128 haben den Abschluss geschafft, 54 abgebrochen. Bei anderen habe die Haftzeit nicht gereicht – aber durchgefallen sei noch keine.

Unterstützt werden die Ausbildungen auch von der Europäischen Union, die dafür Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds zur Verfügung stellt, und seit 2016 wieder vom Land Hessen. Weil die Haftzeiten der Frauen teilweise nicht ausreichten, um eine vollständige Ausbildung zu absolvieren, gibt es seit 2011 mit der Fachkraft im Gastgewerbe eine verkürzte Form.

Bopp sieht das als gute Grundlage für sich. Perspektivisch würde sie gerne ins Hotelfach gehen. Im direkten Kundenkontakt zu arbeiten – das weiß sie aus ihrer Vergangenheit – macht ihr Spaß.

Wenn alles gut geht, wird sie schon kurz nach ihrem Abschluss in den offenen Vollzug kommen. Mit ihren Fachlehrern bewirbt sie sich schon jetzt um einen entsprechenden Ausbildungsplatz. Wenn alles optimal läuft, dann könnte sie ungefähr zeitgleich mit der Entlassung aus ihrer Haft ein Ausbildungszeugnis in der Hand halten. Bis dahin allerdings ist noch ein gutes Stück Wegs zu gehen.

Unterstützung bekommt Bopp dabei vom Team der JVA. Jede im Gefängnis habe einen Vollzugsplan, erläutert Anstaltsleiterin Michaela Wasemüller. Das ist gesetzlich so vorgesehen. Mindestens einmal im Jahr gibt es ein Gespräch darüber. Dabei geht es auch um die Frage, wie sich die Insassinnen auf die Zeit nach dem Vollzug vorbereiten können.

Den realen Restaurant-betrieb üben die Auszubildenden mittwochmittags – dann kochen sie für Angestellte der JVA und andere Justizangestellte regelmäßig ein Vier-Gänge-Menü und bedienen. An den anderen Tagen, sagt Bopp mit einem Lächeln, essen sie selbst, was sie gekocht haben. „Das ist natürlich ein Vorteil zu den anderen Gefangenen.“

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