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Aus für Binding in Frankfurt nach mehr als 150 Jahren

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Von: Georg Leppert

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Noch fleißig gezapft wurde beim Hoffest der Binding-Brauerei zum 145-jährigen Jubiläum im Jahr 2015. Renate Hoyer
Noch fleißig gezapft wurde beim Hoffest der Binding-Brauerei zum 145-jährigen Jubiläum im Jahr 2015. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Die Radeberger Gruppe stellt die Produktion in der Brauerei in Sachsenhausen ein und gibt dafür zu hohe Kosten an. Gewerkschaft kündigt Widerstand an.

Frankfurt verliert eine Traditionsmarke. Wie die Radeberger-Gruppe am Donnerstag mitteilte, schließt sie bis spätestens Oktober kommenden Jahres die Binding-Brauerei am Sachsenhäuser Berg. Das Bier soll künftig an anderen Standorten produziert werden. Für den Schritt führte Radeberger wirtschaftliche Gründe an. In einer Presseerklärung ist von „erheblichen Überkapazitäten“ am Standort in Sachsenhausen die Rede. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sprach von einer „verantwortungslosen Entscheidung“ und kündigte Widerstand an.

Betroffen von dem Schritt sind 150 Beschäftigte. „Wo immer möglich“ sollen laut Radeberger „sozialverträgliche Lösungen“ für sie gefunden werden. Denkbar wären Altersteilzeitangebote oder Jobs an anderen Standorten. Die Zentrale der Radeberger Gruppe soll hingegen in Sachsenhausen bleiben. Für die knapp 400 Beschäftigten dürfte sich nichts ändern.

Erst vor vier Wochen hatte Radeberger die Bierpreise erhöht. Der Grund waren drastisch gestiegene Kosten für Rohstoffe, Energie und Logistik. Doch dieser Schritt reiche nicht mehr aus, hieß es. Zuletzt hätte es „große unternehmerische und wirtschaftliche Kraftanstrengungen“ gebraucht, um den Standort Frankfurt zu halten. Diese könne das Unternehmen jetzt nicht mehr leisten, sagte der Sprecher der Geschäftsführung, Guido Mockel.

Die Frankfurter Kommunalpolitik wurde von der Entwicklung völlig überrascht. Etwa eine Stunde, bevor Radeberger das Aus für die Binding-Brauerei verkündete, habe das Unternehmen sie informiert, sagte die Frankfurter Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) im Gespräch mit der FR. „Wir haben ein Gesprächsangebot bekommen, das wir natürlich annehmen“, sagte Wüst. Gemeinsam mit Radeberger wolle die Stadt Ideen entwickeln, was aus dem Brauereistandort an der Darmstädter Landstraße wird.

Die Arbeitnehmerseite sei in die Entscheidung in keiner Weise eingebunden gewesen und am Donnerstag kalt erwischt worden, kritisierte Hendrik Hallier, Chef der Gewerkschaft NGG. Nicht nur Radeberger habe mit hohen Kosten zu kämpfen, „auch die Beschäftigten trifft die Inflation hart“. Gerade deshalb sei die Entscheidung für die Schließung nicht akzeptabel. Jobangebote für andere Standorte seien für die meisten Beschäftigten keine Hilfe, da Radeberger nur in einiger Entfernung von Frankfurt produziere.

Die Idee, Binding künftig außerhalb von Frankfurt zu brauen, hält Hallier für wenig überzeugend. Binding sei ein „lokal verankertes Bier“. Wer Binding trinke wolle eben kein Bier trinken, „das aus Dortmund oder Berlin“ kommt. Die Radeberger Gruppe „verarscht damit die Verbraucher“, so Hallier.

Die Bindung-Brauerei mit ihrem Adler als Markenzeichen hatte selbst immer wieder die Nähe zum Frankfurter Stadtwappen und zur Stadt selbst betont. Conrad Binding hatte die Brauerei 1870 in der Altstadt begründet und 1881 eine moderne Brauerei am heutigen Standort errichtet.

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