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Diese Geige rettete ein Feuerwehrmann im April 1944 aus der brennenden Alten Oper.
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Diese Geige rettete ein Feuerwehrmann im April 1944 aus der brennenden Alten Oper.

Geschichte

Aus der brennenden Alten Oper gerettet

  • Anja Laud
    VonAnja Laud
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Frankfurt im Nationalsozialismus: Im Historischen Museum erinnert eine beschädigte Geige an die Vergangenheit.

Gleich drei Ausstellungen im Historischen Museum befassen sich mit der Zeit des Nationalsozialismus in Frankfurt. Die FR stellt in einer Serie einige Exponate vor, die dort zu sehen sind. Heute: eine Orchestergeige, die nach Bombenangriffen im Frühjahr 1944 in den Trümmern der Alten Oper gefunden wurde.

Der Hals hat dunkle Schmauchspuren, der Kopf ist lädiert, die Geige, die in der Ausstellung „Eine Stadt macht mit“ zu sehen ist, erinnert an die Luftangriffe auf Frankfurt im Zweiten Weltkrieg.

Ein Feuerwehrmann der Berufsfeuerwehr entdeckte das Instrument und eine weitere Orchestergeige im April 1944 im Orchestergraben des noch brennenden Konzerthauses nach einem der letzten Bombardements auf die Alte Oper. Gerade noch zur rechten Zeit, denn wenig später stürzten die Bühnenaufbauten in sich zusammen, so wird es in der Familie des Mannes erzählt. Beide Instrumente wären verloren gewesen.

Der Feuerwehrmann nahm beide Geigen mit, um sie seinem Neffen zu geben, dessen Familie vor den Luftangriffen nach Usingen (Hochtaunuskreis) geflüchtet war. Der Neunjährige lernte auf dem weniger beschädigten Instrument, das nicht in der Ausstellung zu sehen ist, das Geigenspiel. Seine Tochter übergab Jahrzehnte später nach seinem Tod beide Instrumente an die Gesellschaft der Freunde der Alten Oper, die das 1981 wieder eröffnete Konzerthaus fördert.

Welche Musiker in der Alten Oper einst auf den Orchestergeigen spielten, ist unbekannt. „Sie sind wohl zwischen 1932 und 1935 in Sachsen gebaut worden“, sagt Benedikt Burkard, einer der Kuratoren der Ausstellung. Der besonders gestaltete Löwenkopf an der ausgestellten Geige könnte darauf hindeuten, dass sie vom Ersten Geiger gespielt wurde. Die Freunde der Alten Oper würden sich freuen, wenn es in Frankfurt jemanden gäbe, der mehr über die Geigen weiß.

Mit der Alten Oper wurde in den Bombennächten im Frühjahr 1944 die Frankfurter Altstadt, die größte zusammenhängende Fachwerkaltstadt Deutschlands, zerstört. Skizzen der Ruinen und Schilderungen, wie das Leben in der zerstörten Stadt weiterging, liefert ein Tagebuch, das der Künstler Hanns-Joachim Gestering, der für die Geheime Staatspolizei (Gestapo) als V-Mann arbeitete, von Juni 1944 bis zum Einmarsch der US-Armee im März 1945 führte. Auch dieses ist im Museum zu sehen.

Die lange und kontrovers geführte Diskussion um den Wiederaufbau der 2018 eröffneten Altstadt ist übrigens kein Phänomen der Neuzeit.

Wie Kurator Burkard erzählt, habe es bei den Nationalsozialisten, die selbst unzählige Städte zerbombt hatten, schon gleich nach ihrer Zerstörung Überlegungen gegeben, ob die Fachwerkhäuser wieder aufgebaut werden sollten oder ob ihre Ruinen besser als Mahnmal für die „Untaten“ der Alliierten erhalten bleiben sollten.

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