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Aus der Bahn aufs Glatteis

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Kurze Erholungspause an der Säule, bevor die Rutschpartie am Südbahnhof weitergeht. Monika Müller
Kurze Erholungspause an der Säule, bevor die Rutschpartie am Südbahnhof weitergeht. Monika Müller © Monika Müller

Auf dem Diesterwegplatz sorgt Glatteis bis mittags für Rutschpartien

Um auf dem glatten Kopfsteinpflaster vor dem Gebäude des Südbahnhofs in Frankfurt nicht zu stürzen, setzen die Passant:innen am Montag Vormittag auf den eigenen Gleichgewichtssinn. Oder sie haken sich notgedrungen bei Fremden unter, in der Hoffnung, gemeinsam stabiler zu sein - oder vielleicht weicher zu fallen. Die wenigen Vorbereiteten stapfen mit Spikes unter den Sohlen vorbei, andere legen in Turnschuhen mit rudernden Armen eine Schlitterfahrt hin, die nur begrenzt an Holiday on Ice erinnert.

Herr Mack versucht, die gefährlichen Stellen zu umgehen. Er ruft den vorbeirutschenden Mitbürger:innen zu, sie sollten an der Hauswand des Bahnhofsgebäudes entlanggehen, denn unter dem schmalen Vordach ist ein kleiner Streifen, wo weder Schnee noch Feuchtigkeit für Glatteis sorgen konnten. Es sei ein Unding, dass der Diesterwegplatz um elf Uhr immer noch nicht gestreut worden sei, sagt der ältere Herr. Gefährlich sei das. Vorhin habe er auf der Straße zwischen den Gleisen laufen müssen, weil er nur dort sicher sein konnte, nicht auszurutschen.

Christian versucht es alleine, macht Pinguinschritte. Schon zweimal sei er heute hingefallen, erzählt er. Zum Glück hat er nur blaue Flecken davongetragen. Er setzt vorsichtig einen Fuß vor den anderen, balanciert, gleitet. Sein Weg zur Arbeit war heute sehr zeitintensiv. Eine Stunde habe er vom Frankfurter Berg nach Sachsenhausen zur Arbeit gebraucht. Die Bahnen fielen aus, er rief seinen Chef an und wollte dann ein Taxi bestellen - aber auch das kam nicht.

Nicht alle haben ihre Last mit dem Eis - Aaradhya und Karl, Schüler des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums, schwingen sich lachend um ein Straßenschild und spornen sich gegenseitig zu immer waghalsigeren Rutschpartien an. Karls Vater habe ihn heute morgen aus Mainz zur Schule gefahren. Wegen der Glätte seien sie eine halbe Stunde zu spät angekommen. Ganz so schlimm war das dann aber nicht, sie seien dann wegen des Wetters sowieso früher heimgeschickt worden.

Neben der Straßenbahnhaltestelle steht Nuri auf dem weißen Blindenleitstreifen. Durch die Kerben scheinen sie weniger rutschanfällig zu sein. Seit 16 Jahren lebe sie schon in Deutschland, doch so eine blitzartige Glätte habe sie noch nie erlebt. Die Schuhe der Städter:innen seien nicht auf so ein Wetter ausgelegt, ihre eigenen auch nicht.

Man sollte ja auch davon ausgehen können, dass an Verkehrsknotenpunkten wie dem Südbahnhof so gestreut wird, dass Menschen morgens sicher zur Arbeit kommen. Der Pressesprecher der FES, Michael Werner, sagt, die FES sei heute mit der kompletten Mannschaft draußen gewesen, um Straßen und Überwege in ganz Frankfurt freizumachen. Der Diesterwegplatz sei zwischen Deutscher Bahn, VGF und FES aufgeteilt. Er vermutet, dass es wegen den unterschiedlichen Zuständigkeiten länger gedauert haben könnte, bis der Platz geräumt wurde. Die Deutsche Bahn weiß aber nichts davon. Sie sei nicht Eigentümerin des Diesterwegplatzes und könne somit keine Auskunft zum Winterdienst geben. Die VGF konnte die Frage, ob hier eine Zuständigkeit besteht, ebenfalls nicht mehr beantworten. Es bleibt also unklar, wer für das Schlittern auf dem Diesterwegplatz verantwortlich ist.

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