Steven John Davies und Sarah Ingram sind das böse Paar Sweeney Todd und Mrs. Lovett. Bild: Martin Kaufhold

Auf Augenhöhe mit Sweeney Todd

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
    schließen

Frankfurt Im English Theatre gibt es für Hartgesottene auch Plätze auf der Bühne

Die mutigen Zuschauer, die bei der aktuellen Inszenierung des Musicals „Sweeney Todd“ im English Theatre Frankfurt einen der 16 Spezialplätze gebucht haben und während der Vorstellung nicht im Saal, sondern auf der Bühne selbst sitzen, sind ganz nah dran am Geschehen, so nah, dass das Theater Regencapes austeilt, weil hier so einiges durch die Gegend spritzt.

Aber auch für die Schauspieler ist der hautenge Kontakt zu einem Teil des Publikums ziemlich ungewöhnlich, wie Stephen John Davis erzählt. Rund 50 Mal stand der Hauptdarsteller bereits in der Frankfurter Inszenierung auf der Bühne, noch etwa genauso viele Vorstellungen liegen vor ihm. Dann reist die Eigenproduktion des English Theatre weiter nach München. „Kürzlich hat einer der Zuschauer auf der Bühne Kuchen ausgepackt und dann genüsslich gegessen. Das war schon interessant“, erzählt er lachend. Schließlich werden in dem makaber-gruseligen Musical von Stephen Sondheim eigentlich ganz andere Dinge mit Wonne verspeist.... „Was da wohl in ihm vorging?“, fragt sich Davis. „Manche Zuschauer lachen mich auch an und zeigen mir ihren Hals. In der Pause verschwinden wir möglichst schnell von der Bühne, denn bis zum Ende der Vorstellung bleibe ich vertieft in meine Rolle als Sweeney. Da sollten mich die Leute nicht ansprechen.“

Sweeney Todd

Das aktuelle Musical„Sweeney Todd. The Demon Barber of Fleet Street“ von Steven Sondheim, Regie Derek Anderson, läuft noch bis zum Sonntag, 9. Februar, täglich außer montags jeweils um 19.30 Uhr im English Theatre Frankfurt, Gallusanlage 7. An den Weihnachtsfeiertagen macht das Theater ein Pause.

Karten gibt esdirekt im Theater, unter Tel. 069/24 23 16 20. oder per Mail an box-officeqenglish-theatre.de oder www.english-theatre.de. aph

Sie könne, berichtet seine Bühnenpartnerin Sarah Ingram, die die bösartige Pastetenbäckerin Mrs. Lovett spielt und singt, die Reaktionen des Publikums gut beobachten und darauf eingehen. „Das ist schon ungewohnt, dass die Leute so nah dran sitzen“, sagt sie. „Die Produktion funktioniert aber perfekt in diesem Theaterraum, die Geschichte ist hier besonders intensiv.“

Routine stelle sich auch nach 50 Aufführungen nicht ein, sagt Ingram. „Ich liebe die Charaktere, die Inszenierung und das Zusammenspiel mit Steven.“ Immer wieder entdeckt sie noch neue Facetten in dem Stück. „Der Text ist so dicht, so schlau! Da fallen selbst mir ständig neue Details auf.“

Auch Davis bewundert die Arbeit des Komponisten Steven Sondheim. „Da gibt es immer mal wieder Ausdrücke in dem Londoner Dialekt, der früher rund um die Fleet Street gesprochen wurde. Dabei ist Sondheim Amerikaner. Das ist doch genial!“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare