Der Paradieshof am Paradiesplatz wartet auf eine bessere Zukunft.
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Der Paradieshof am Paradiesplatz wartet auf eine bessere Zukunft.

Paradiesplatz

Aufwertung durch Theater

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die SPD will ein Haus in Alt-Sachsenhausen und damit kulturelles Leben einziehen lassen. Das neue Theater soll unter anderem mit Schulen und Kitas aus ganz Frankfurt zusammenarbeiten.

Von außen sieht er tatsächlich ziemlich abweisend aus, der alte Paradieshof am gleichnamigen Platz in Sachsenhausen. Die Holzläden und Türen fest verrammelt, zum Teil mit Graffiti und Plakaten bedeckt. Geht es nach den Frankfurter Sozialdemokraten, wird hier bald kulturelles Leben einziehen: Die SPD stellte am Mittwochabend Pläne für ein zentrales städtisches Kinder- und Jugendtheater in dem Gebäude vor, das der Kommune gehört.

Ein „repräsentatives Haus“ schwebt den Sozialdemokraten vor, so die stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Römer, Sylvia Weber. Das neue Theater soll mit Schulen, Kitas und Jugendclubs aus ganz Frankfurt zusammenarbeiten. Damit kommt eine kulturelle Nutzung für den 1967 als Diskothek und Gaststätte errichteten Paradieshof zum zweiten Mal wieder auf den Plan. Die schwarz-grüne Römer-Koalition hatte das Gebäude ursprünglich als Theater für die „Fliegende Volksbühne“ von Michael Quast umbauen wollen. Die dafür im städtischen Haushalt reservierten zehn Millionen Euro waren aber den Kürzungen Ende des Jahres 2012 zum Opfer gefallen. Quast soll jetzt 2018/2019 den bis dahin renovierten Cantatesaal am Großen Hirschgraben beziehen.

Acht Millionen Euro für die Bühne

In Sachsenhausen aber plant die SPD den großen Wurf. Natürlich ist es auch eine Wahlkampf-Veranstaltung, zu der am Mittwochabend in der Klosterpresse an der Paradiesgasse auch mehr als 40 interessierte Anwohner gekommen sind. Aber die Pläne besitzen Hand und Fuß. Der renommierte Architekt Max Dudler (Frankfurt, Berlin, Zürich) stellt noch einmal seinen Entwurf vor, den er für die „Fliegende Volksbühne“ Quasts konzipiert hatte. Eine Bühne mit einem Saal für 300 Zuschauer. Nebenräume können für theaterpädagogische Arbeit und auch zur Unterbringung von Kulissen genutzt werden.

Dudler, der schon zwei Theater gebaut hat, darunter die Konzerthalle in Reutlingen, veranschlagt für Abriss und Neubau des Paradieshofes sieben Millionen Euro. Hinzu kämen für die Bühnentechnik weitere sieben Millionen Euro. Dieses Geld sei im städtischen Doppelhaushalt 2015/16 noch vorhanden, aus dem Topf zur Aufwertung von Sachsenhausen.

Mark Gellert, der Sprecher von Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne), widerspricht noch am Mittwochabend. Tatsächlich umfasse dieser Etatposten nur noch 4,5 Millionen Euro, der Rest sei schon ausgegeben. Ausdrückliche Rückendeckung bekommen die Sozialdemokraten von Ralph Förg, dem Geschäftsführer des Filmhauses Frankfurt, der früher lange Kinder- und Jugendtheater in der Stadt verwirklicht hat. Zwölf Jahre lang gehörte er auch dem Vorstand der Vereinigung Kinder- und Jugendtheater an.

Seine Analyse fällt eindeutig aus: In Frankfurt bestehe Bedarf für ein zentrales, modernes Kinder- und Jugendtheater, „so wie es schon die Städte Mannheim, Stuttgart und München besitzen“. Mit Pendelbussen könnten Kinder und Jugendliche künftig nach Sachsenhausen gebracht werden. Das zentrale Theater werde bis zu 30 Arbeitsplätze bieten. „Heute fehlen Räume und Mittel in Frankfurt.“ Tatsächlich werde es immer wichtiger, Heranwachsende „an das Theater heranzuführen“, als bedeutenden Part kultureller Bildung. Ein entsprechendes Konzept Freier Theater in Frankfurt liege „auf dem Tisch“.

Die Sozialdemokraten sehen das Theater als Initialzündung für eine Belebung des traditionsreichen Kneipenviertels Alt-Sachsenhausen tagsüber. „Das Quartier darf nicht nur zur Abendzeit brummen, wir wollen es auch tagsüber aufwerten“, sagt Renate Wolter-Brandecker, die kulturpolitische Sprecherin der SPD.

Bürgermeister Cunitz reagiert am Mittwochabend mit Gelassenheit auf den Vorstoß der SPD. Er hält daran fest, noch in diesem Jahr einen städtischen Nutzungs-Wettbewerb für den Paradieshof auszuschreiben. „Die Theatermacher können sich ja dann mit ihrem Konzept bewerben“, sagt der Sprecher des Bürgermeisters, Mark Gellert.

In der Versammlung in der Klosterpresse in Sachsenhausen stößt die SPD am Abend nicht nur auf Zustimmung. „Ich finde das Konzept für ein Theater in Alt-Sachsenhausen total fehl am Platze“, sagt ein Anwohner. Er verlangt: „Hier muss Tourismus gefördert werden.“ Eine Frau, die auch in der Nachbarschaft an der Paradiesgasse wohnt, fordert: „Hier muss das normale Leben berücksichtigt werden, das Umfeld muss erst mal kindgerecht gestaltet werden.“ Beifall.

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