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Viele Behörden unter einem Dach. Foto: Christoph Boeckheler
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Viele Behörden unter einem Dach.

Aufwand für gefährdete junge Menschen lohnt sich

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Schnellere Verfahren und mehr Prävention haben zu deutlichem Rückgang der Verfahrenszahlen in Hessen geführt

Die Häuser des Jugendrechts sind ein Erfolgsmodell – und Frankfurt soll dabei eine ganz besondere Rolle spielen. Justizministerin Eva Kühne-Hörmann hatte bereits 2019 angekündigt, Frankfurt werde die erste Stadt sein, in der straffällige Jugendliche flächendeckend in Häusern des Jugendrechts betreut werden können. Die erste dieser Einrichtungen in Frankfurt wurde 2011 in Höchst eröffnet. Es folgte 2015 das Haus Nord im Mertonviertel. Schon Ende 2016 begannen die Planungen für ein drittes Haus im Frankfurter Süden. Doch es sollte fast fünf Jahre dauern, bis eine geeignete Immobilie dafür gefunden war.

Nun soll auch noch ein Haus im Osten der Stadt etabliert werden. „Derzeit wird der Flächenbedarf der Nutzer erhoben, um sodann ein Interessenbekundungsverfahren für die Immobiliensuche einleiten zu können“, heißt es aus dem Hessischen Justizministerium. Der Flächenbedarf ist nicht unerheblich, denn in den Häusern müssen jeweils Staatsanwaltschaft, Polizei, Jugendgerichtshilfe sowie die Einrichtungen für Täter-Opfer-Ausgleich und Kinder- und Jugendhilfe unterkommen.

Das Haus in Höchst ist etwa längst viel zu klein. Es war zu klein geplant worden. Daher müssen straffällig gewordene Jugendliche aus dem Gallus demnächst am Sachsenhäuser Berg vorstellig werden. Das Haus in Höchst hat keine Kapazitäten mehr. Es soll Mitte 2022 umgebaut werden, um in einem „Gartengeschoss“ 360 Quadratmeter weitere Nutzfläche zu schaffen.

Der Aufwand lohnt sich, wie ein Blick auf die Kriminalitätsstatistik zeigt. Die Zahl der Ermittlungsverfahren in Jugendsachen lag in Hessen 2020 bei 41 582. Im Jahr 2010 hatte sie noch bei 56 993 gelegen, ein Rückgang um 27 Prozent. Die Zahl der nach Jugendstrafrecht verurteilten Jugendlichen sank von 3563 im Jahr 2009 um fast 50 Prozent auf 1824 im Jahr 2019.

Die Konzentration der beteiligten Ämter und Institutionen gewährleistet beschleunigte Verfahren, damit Jugendliche die Strafe nach einer Tat möglichst unmittelbar spüren. Dadurch soll die Strafe eine erzieherische Wirkung entfalten. Ein zentraler Bestandteil des Erfolgskonzepts ist neben der schnelleren Bearbeitung auch die Prävention. Dazu gehören Jugendschutzkontrollen sowie Kontrollen an Treffpunkten und Kriminalitätsschwerpunkten sowie Beratungsangebote und Infostände in den Stadtteilen. Viel Arbeit fällt dabei auch der Jugendgerichtshilfe zu, die erzieherische, soziale und fürsorgliche Aspekte in die Verfahren einbringen soll. Die Aufgaben reichen von Gesprächen mit den Eltern der straffälligen Jugendlichen über die Vermittlung einer Schuldnerberatung bis hin zum Kontakt mit dem Jobcenter.

Bundesweiter Vorreiter war 1999 ein Haus des Jugendrechts in Stuttgart-Bad Cannstatt, das dort infolge der starken Zunahme von Jugendkriminalität und vor allem Gewaltdelikten in den 90er Jahren entstand. Die dort gemachten positiven Erfahrungen veranlassten den Hessischen Landtag Ende 2007 dazu, dem Beispiel zu folgen.

Mittlerweile gibt es in Hessen sechs entsprechende Häuser: in Wiesbaden, Offenbach, Kassel und dreimal in Frankfurt. Die Eröffnung eines Hauses in Hanau verzögert sich wegen Fehlplanungen. Dort waren anders als in Sachsenhausen die Bedürfnisse der einzelnen Ämter nicht abgefragt worden. Die Umsetzung ist ohnehin nicht immer ganz einfach. Zunächst einmal ist ein bestimmtes Fallaufkommen im Jahr notwendig, damit sich die Einrichtung rentiert. In Hanau etwa lohnt sich die Einrichtung nur im Verbund mit dem Landkreis. Ansonsten würden die Fallzahlen nicht erreicht. Für ein Haus des Jugendrechts müssen aber auch die betreffenden Kommunen mit ihren Jugendämtern mitspielen.

In Kassel etwa war das Haus lange an Widerständen der Streetworker gescheitert, die sich dort nicht als Erfüllungsgehilfen der Justiz begreifen. In Offenbach kam erst mit dem Wechsel an der Amtsspitze richtig Bewegung in die Sache.

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