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Die Graffitis sind weg, ein Baum wurde gefällt, das Denkmal ausgebessert.
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Die Graffitis sind weg, ein Baum wurde gefällt, das Denkmal ausgebessert.

Frankfurt-Eckenheim

Aufklärung per Kriegsmal

Die Sanierungsarbeiten in der Georg-Esser-Anlage sind fast beendet. Das Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege wird nach langen Diskussionen um seine Daseinsberechtigung in seiner ursprünglichen Form erhalten.

Von Philip Dingeldey

Wenn es in der Georg-Esser-Anlage ruhiger und sauberer ist, wirkt sie um die Mittagszeit fast idyllisch. Ein Stele steht in der Mitte des verwilderten Alten Eckenheimer Friedhofs. Auf dem steinernen, würfelförmigen Ehrenkreuz stehen die Namen der etwa 140 im Ersten Weltkrieg gestorbenen Eckenheimer. 1922 haben die Bürger des Stadtteils das Ehrenmal errichtet. Nach 1945 wurde es durch einen Schriftzug auch den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs gewidmet.

Doch das Denkmal ist inzwischen veraltet: Die Namen sind kaum noch lesbar, und bis vor Kurzem war noch Graffiti daran geschmiert – aus Langeweile oder Protest. Denn die vordere Inschrift lautet zwar: „Den Gefallenen des Weltkrieges in dankbarer Erinnerung, errichtet von Bürgern des Stadtbezirks Eckenheim.“ Aber auf der Rückseite wird es nationalistischer: „Helden gefallen im Ringen um Deutschlands Ehre, und sein Heil soll ihr im Name erklingen. Heilig soll er uns sein.“

Interkultureller Treffpunkt

Im vergangenen Jahr wurde im Stadtteil noch rege diskutiert, was mit dem Ehrenmal passieren soll. Muss man sich erinnern? Muss es saniert werden? Ist es überhaupt noch zeitgemäß? Die Anlage war marode: Eine Birke beschädigte das Mal, Menschen benutzen die Anlage als Müllhalde und der Ort verfiel immer mehr. Im Mai 2014 initiierte das Kulturamt einen runden Tisch zur Sanierung, mit dem Ortsbeirat und dem Heimatverein Eckenheim.

Die Sanierung hat das Kulturamt nun fast abgeschlossen. Die Fugen sind verschlossen, retuschiert, der Baum und das Graffito entfernt. Das Mal wird in seiner ursprünglichen Form erhalten, dafür hat das Kulturamt 10. 000 Euro zur Verfügung gestellt – davon wurden allerdings nur 4300 Euro benötigt. „Nur die Vermittlungsarbeit ist noch unklar. Dazu müssen sich Heimatverein und Ortsbeirat erst einig sein“, sagt Antje Runge, Sprecherin des Kulturamts. Dass die Anlage so erhalten wird, begrüßte etwa der Ortsvorsteher Robert Lange. Er sagt, man müsse die Inschrift im Zeitkontext sehen. „Wir können das zwar heute nicht mehr nachvollziehen, aber wir müssen über den Ersten Weltkrieg aufklären“, so der CDU-Mann, „da Gefallene genannt werden, kann man das Mal nicht kritisieren.“ Oskar Pfreundschuh, Ehrenmitglied des Heimatvereins, ist auch für den Erhalt.

Seit 1996 setzt sich der Verein für eine Sanierung ein – deutlich länger, als der Ortsbeirat sich dafür interessiert. Inzwischen sind auch die meisten verblichenen Namen auf dem Mal bekannt. Pfreundschuh hat dennoch Bedenken: „Was, wenn wir einen vergessen?“ Er will aus der Anlage einen interkulturellen und generationsübergreifenden Treffpunkt machen.

Es gibt viele engagierte Stimmen für den Erhalt der Georg-Esser-Anlage. Fragt man aber die Eckenheimer, so können viele nichts damit anfangen. Einige wissen nicht einmal, was die Anlage ist. Die, die aber davon wissen, sind häufig für deren Erhalt.

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