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Blick auf den Bembel-Cup auf dem Georgshof an der Oeserstraße. 

Nied

Aufgalopp am Niddaufer

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Der Fortbestand des Georgshofes ist vorerst gesichert. Am Wochenende stehen Polo-Meisterschaften an.

Es hat etwas von einem Spuk. Am Mittwoch Vormittag liegt der Georgshof noch still da, ein Mann schlürft im Beachclub Niddastrand seinen Kaffee. Pferde weiden friedlich auf der Koppel. In der Ferne mäht jemand. Dann kommt immer mehr Bewegung in die Szene. Helfer bauen ein großes Stallzelt auf. Zu den Polo-Meisterschaften am Wochenende reisen 60 Rösser in ihren Hängern an. Eine ganze Zeltstadt entsteht, Sportsbar, Essbuden und Kinderbelustigung.

Es geht weiter mit dem Pferdesport auf dem Georgshof, ganz im Sinne des früheren Ortslandwirtes Georg Diehl. Vergangenen Sommer ist Diehl, der auch Stadtverordneter und Ortsvorsteher gewesen ist, überraschend verstorben. Mit 63 Jahren. Er hat seinen drei Schwestern einen florierenden, 25 Hektar großen, Reiterhof hinterlassen – mit Privatleuten, die ihr Pferd dort einstellen, zwei Polovereinen und 70 Pferden. Inzwischen kümmern sich drei Angestellte um den reibungslosen Betrieb. Der Fortbestand des Georgshofs in seiner jetzigen Form ist somit fürs Erste gewährleistet, informiert die Erbengemeinschaft.

Georg Diehls Vater Franz zieht 1967 mit seiner Familie an die Oeserstraße 80. Er siedelt aus. In der Hofreite in Alt-Nied, seit 1698 in Besitz der Familie Wagner/Diehl, ist es zu eng geworden, um der großen Familie ein Auskommen zu sichern. In den Niddawiesen entsteht der Georgshof, benannt nach dem einzigen männlichen Spross der Familie.

Schnell entwickelt Franz Diehl das neue Anwesen zu einem landwirtschaftlichen Vorzeigebetrieb. Als deutschlandweit erster Hof mit einem Boxenlaufstall für 40 Kühe und seinerzeit hochmodernen Hochsilos zieht der Georgshof in den 70er Jahren gar interessiertes Fachpublikum an. Vater und Sohn wirtschaften gemeinsam, bis zum Tod von Franz Diehl 1989.

Danach führt Georg Diehl den Hof zunächst als Pferdepension weiter, wobei seine Liebe zum Polosport nach und nach eine neue Ausrichtung ergibt. Zwei Polofelder legt er an, verpachtet Land an den Beachclub, erweckt den Poloverein zum Leben.

Polo ist eine der ältesten Sportarten der Welt. Vor 2700 Jahren ist sie erstmals in Persien beschrieben. Die moderne Form entwickelt sich in Indien. 1862 entsteht der Calcutta Polo Club, der älteste der Welt. 1902 gründet Carl von Weinberg in Niederrad den ersten Frankfurter Club. Die Straße Am Poloplatz zeugt davon. Im Dritten Reich ist Polo als Elitensport verpönt, 1938 stellen die Nazis den Clubbetrieb ein. Erst 1992 geht’s weiter – in Nied.

Eine Randsport ist es geblieben, nur 30 Vereine sind im Deutschen Verband organisiert, 400 Spieler gibt es, erstaunlich wenig, findet der Verband selbst, wo es doch 3,9 Millionen Reiter im Land gebe. Vier Spieler formen ein Team, egal ob Mann oder Frau. Sie reiten meist im Galopp und versuchen, einen Ball mit acht Zentimetern Durchmesser ins Tor zu schlagen. Die Pferde werden bis zu 60 Kilometer die Stunde schnell. Das Feld ist 270 mal 180 Meter groß, viermal so groß wie ein Fußballfeld.

35 Mitglieder hat der Frankfurter Club heute, 40 Prozent seien jünger als 18, sagt Präsident Klaus Droste. Oft treten Familien mit Kindern dem Verein bei, ab acht Jahren darf der Nachwuchs mitsporteln. Die jährlich ausgerichteten Turniere, der Frankfurter Gold Cup, gehören mittlerweile zur festen Größe in Polosport-Kreisen.

Erstmals, vom 17. bis 19. Mai, richtet der Club nun Deutsche Meisterschaften aus, in der Kategorie „Low Goal“. Weitere Kategorien sind Middle und High Goal. „Das ist wie Regionalliga, Bundesliga und Champions League“, erklärt Droste. Die Einteilung entsteht aus den Handicaps der Spieler. Die müssen zunächst einen Platzreifetest absolvieren, Anfänger bekommen das Handicap -2, können sich dann verbessern. Die Low-Goal-Meisterschaften sind also Turniere für talentierte Newcomer.

Zwei Teams aus Frankfurt treten am Wochenende in Nied an, dazu kommen Gäste aus Stuttgart, München, Düsseldorf und Berlin. Wie es künftig mit dem Frankfurter Polo weiter geht, können weder die Erbengemeinschaft noch der Polo Club sagen. Die Erben wollen den Hof verkaufen, die neuen Eigentümer werden dann entscheiden. Viele Möglichkeiten haben sie nicht. Das Areal liegt im Grüngürtel, die Stadt überwache das streng. „Für jeden neuen Pfahl benötigt man eine Genehmigung“, scherzt Droste.

Jetzt herrscht aber erst einmal Ausnahmezustand in der Polo-Zeltstadt. Montag oder Dienstag kehrt wieder Ruhe ein an der Nidda. Dann ist der Spuk vorbei.

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