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Die geplante Aida-Stadiontour von Opernstar Plácido Domingo ist geplatzt.

Waldstadion

Aufführung mit Plácido Domingo im Waldstadion geplatzt

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Die Aida-Stadiontour von Plácido Domingo ist abgesagt, der Veranstalter ist pleite. Für Ticketkäufer könnte es ein böses Erwachen geben.

Im Internet liest es sich immer noch traumhaft: „Aida, das Meisterwerk von Giuseppe Verdi, geht im Jahr 2017 auf internationale Stadien-Tournee“, heißt es da. Mehr als 800 Akteure in prachtvollen Kostümen, die künstlerische Leitung übernehme Startenor Plácido Domingo, Tourauftakt sei am 27. Mai 2017 in Gelsenkirchen, und am 2. September dirigiere der Meister im Frankfurter Waldstadion. Der Traum ist allerdings längst geplatzt. Und für Tausende Musikfreunde, die sich teure Eintrittskarten besorgt haben, wird das Ganze inzwischen zum Alptraum. Falls sie ihr Geld überhaupt zurückerhalten, wird es Jahre dauern.

Dabei ist FR-Leser Gunter L. längst mit seiner Geduld am Ende. Kurz vor Weihnachten kaufte er Tickets für sich und seine Frau zum Spektakel in der Frankfurter WM-Arena für knapp 100 Euro inklusive „Versand- und Servicepauschale“. Die Vorfreude währte bis März – da erhielt L. die Nachricht, dass die Tour ins Jahr 2018 verschoben sei. Die „logistischen und statischen Probleme“ seien aber gelöst, die Tickets behielten ihre Gültigkeit, teilte die Art & Entertainment Live GmbH aus Düsseldorf mit. Für den Opernfreund war das keine Option. „Woher soll ich wissen, ob ich in einem Jahr Zeit für Aida habe?“, sagte er und verlangte sein Geld zurück.

Tausende Kunden sind sauer

Das zog sich hin. Während L. noch mit dem Veranstalter stritt, weil der ihm nur den Kartenpreis ohne Versandpauschale erstatten wollte, dämmerte dem Kunden nach Wochen, dass das Problem weitaus größer sein könnte. In der Tat: Ende April war immer noch kein Geld auf dem Konto. In standardisierten E-Mails hieß es, dass „der Vorgang ein paar Tage in Anspruch nehmen kann“. Im Mai war telefonisch niemand mehr bei Art & Entertainment zu erreichen und im Juni war schließlich klar: Das Unternehmen ist pleite, hat Insolvenz angemeldet, und die Welttournee mit Domingo und Aida wird es nicht geben.

Tausende Kunden sind sauer. Wie viele es genau sind, lässt sich zurzeit nicht sagen. Die Arenen fassen 40 000 Besucher und mehr. „Wir ermitteln gerade die Anzahl der Gläubiger“, sagt Thomas Feldmann, Sprecher des Düsseldorfer Insolvenzverwalters. Der insolvente Veranstalter habe Zahlen gemeldet, die müssten aber verifiziert werden, ebenso die angeblich technischen Gründe der Tournee-Absage; erst danach seien konkrete Aussagen möglich.

Feldmanns Rat an die enttäuschten Opernfans: „Jeder Ticketinhaber soll sich online registrieren lassen“ und zwar unter AELIVE@andrespartner.de; das ist eine E-Mailadresse der Anwaltskanzlei Andres und Partner, die als Insolvenzverwalterin bestellt ist. Wer das nicht übers Internet regeln will, kann sich schriftlich an Rechtsanwalt Dr. Dirk Andres, Kennedydamm 24 in 40476 Düsseldorf wenden.

Für Frankfurt nannte ein gewisses „Aida-Team“ in der vorigen Woche der FR eine Zahl von „weniger als 2500 Tickets“, die „noch nicht storniert und die Beträge an die Kunden erstattet worden“ seien. In dem Schreiben war allerdings auch noch die Rede davon, dass die Show in den Juni 2018 verschoben sei – gut einen Monat, nachdem die Veranstalter ihren Insolvenzantrag gestellt hatten. „Was nun geschieht, können wir leider nicht mehr beeinflussen“, ließ das „Aida-Team“ wissen, und: „Wir bedauern diesen aktuellen Zustand sehr.“

So dürfte es auch den geprellten Konzertbesuchern gehen, denn Aida ist definitiv abgesagt. Der 76-jährige Plácido Domingo tat jüngst seine große Enttäuschung kund. „Es war mein Traum als Dirigent und künstlerischer Leiter, eine Großproduktion von Aida zu realisieren“, ließ er mitteilen. Seine Fans träumen derweil davon, ihr Geld – bis zu 150 Euro pro Karte – zurückzuerhalten, und der Ärger wächst. „Diese Veranstaltung scheint ein einziger Fake zu sein!“, schreibt eine Kundin auf einer Vorverkaufs-Website.

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