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Der Kapitän geht bei einem Schiffsunglück als Letzter von Bord, oder?
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Der Kapitän geht bei einem Schiffsunglück als Letzter von Bord, oder?

Römerbriefe

Auf Tauchstation

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Die Stadtverordneten halten ausgerechnet jetzt keine Ausschüsse ab. Wie würden sie sich auf der „Titanic“ benehmen? Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Busch: Der Kapitän geht bei einem Schiffsunglück als Letzter von Bord, oder?

Leppert: Das ist doch überholt.

Busch: Und was gilt jetzt?

Leppert: Der Kapitän springt als Erster ins Rettungsboot. Er geht also mit gutem Beispiel voran.

Vermissen Sie eigentlich unsere Berichte aus den Ausschüssen der Stadtverordneten, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik? Tja, wir können darüber nicht berichten, da sie nicht stattfinden. Die Stadtverordneten haben sie abgesagt, weil sie mit gutem Beispiel vorangehen und die Zahl der Kontakte reduzieren wollen. Sehr löblich. Man könnte allerdings auch fragen, ob die Politik ausgerechnet dann in den Notbetrieb gehen sollte, wenn die Stadt für die sie tätig sind, in der schlimmsten Krise ihrer jüngeren Geschichte steckt.

Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) sagt dazu aber, von Notbetrieb könne keine Rede sein, der Haupt- und Finanzausschuss tage schließlich, und es gebe ja auch eine Plenarsitzung. Da können wir uns jetzt überlegen, warum wir eigentlich immer zu diesen Ausschüssen gehen, wenn sie offenbar gar nicht so wichtig sind. Aber geschenkt.

Wir stellen uns lieber mal was ganz Dramatisches vor. Die Stadt Frankfurt ist jetzt mal die „Titanic“. Die sinkt. An Bord sind unsere Politiker:innen. Und was passiert dann?

Stephan Siegler: „Wir sinken. Alle in die Boote. Die Stadtverordneten zuerst.“

Die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und Grüne: „Die Rettungsboote Nummer 1 bis 17 sind für die Mitglieder der Koalition reserviert. Schließlich haben wir hier die Mehrheit. Und wir haben die Evakuierung des Schiffes beschlossen.“

Jutta Ditfurth (Ökolinx): „Sollten nicht erst die Menschen in den Unterdecks in die Boote, sonst haben die keine Chance?“

Alle anderen: „Hahaha …“

Kämmerer Uwe Becker (CDU): „Moment, dahinten wird noch Musik gespielt, das muss ich beenden. Es ist nicht unsere Verantwortung dafür zu sorgen, dass die Musik spielt, bis das Schiff sinkt.“

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD): „Die Musik spielt weiter.“

Annette Rinn (FDP): „Lasst uns doch die Belegung der Rettungsboote online planen. Geht viel schneller.“

Siegler: „Keinesfalls. Dazu brauchen wir erst einmal ein Sitzungstool.“

Nico Wehnemannn („Die Partei“): „Siegler, ich verklage dich.“

Holger Tschierschke (SPD): „Muss der Peter Feldmann eigentlich als Kapitän bis zuletzt an Bord bleiben? Das wäre ungerecht. Er hat so viel getan für die Menschen. Die gesamte dritte Klasse in diesem Schiff durfte umsonst mitfahren.“

Becker: „Deshalb saufen wir ja ab.“

Christoph Schmitt (CDU): „Ich gehe zuletzt von Bord. Ich steuere das Rettungsboot namens Haupt- und Finanzausschuss. Das kentert nie. Mutige bitte einsteigen.“

Und wie viele Stadtverordnete tatsächlich eingestiegen sind, das verraten wir nächste Woche.

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Früherere Römerbriefe finden Sie unter der Adresse https://www.fr.de/roemerbriefe

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