1. Startseite
  2. Frankfurt

Auf den Spuren von Hans Fallada

Erstellt:

Von: Timur Tinç

Kommentare

FR-Redakteur Oliver Teutsch im Haus am Dom.
FR-Redakteur Oliver Teutsch im Haus am Dom. © Monika Müller

FR-Redakteur Oliver Teutsch liest beim „Langen Tag der Bücher“ im Haus am Dom aus seinem Debütroman „Die Akte Klabautermann“. Insgesamt gab es acht Lesungen von acht Autorinnen und Autoren.

Mitten auf der Weihnachtsfeier röhrt Rudolf Ditzen alias Hans Fallada in die Runde: „Meine Frau kennt sich auf dem Schwarzmarkt besser aus, als in der eigenen Küche.“ Dann pikt der Schriftsteller seiner viel jüngeren Frau Ulla in die Seite, die gar nicht mitbekommen hat, was ihr Mann da gerade von sich gegeben hat. Während FR-Redakteur Oliver Teutsch diese Szene aus seinem Debütroman „Die Akte Klabautermann – Die Geschichte eines fast nicht erschienen Romans“ vorliest, lachen am Sonntag einige im Publikum im Haus am Dom in Frankfurt. 40 Besucherinnen und Besucher, so viele dürfen es maximal aufgrund der Corona-Regeln sein, lauschen der Premierenlesung beim Langen Tag der Bücher.

Hans Fallada sei „ein Nörgler, wehleidig, unzufrieden, unsicher und dann im nächsten Moment überheblich“, findet Axel Dielmann, in dessen Verlag der Roman erschienen ist. Es sei ein erzählerischer Spagat, das spannende letzte Jahr im Leben Falladas zu verfolgen, gleichzeitig wolle man mit ihm als Menschen nichts zu tun haben. Der Roman erzählt das Leben des Schriftstellers im letzten Jahr, bevor er sein Werk „Jeder stirbt für sich allein“ innerhalb von nur sechs Wochen fertigstellt. Bevor die authentische Geschichte eines Arbeiter-Ehepaars in Berlin, das im Kampf gegen das Hitler-Regime sein Leben lassen muss, veröffentlicht werden konnte, verstarb der Autor am 5. Februar 1947. Das Buch erschien erst im Jahr 1949.

Ursprünglich wollte Teutsch sich mit den sechs Wochen befassen in der das Buch entsteht und in Rückblicken auf das Leben von Fallada blicken. „Ich habe gemerkt, dass man es viel intelligenter lösen kann, da in der Zeit davor so viel passiert ist“, sagte Teutsch. Die Tatsache, dass er Journalist ist, sei dabei nicht unbedingt ein Vorteil beim Verfassen des Buchs gewesen. Bei der Recherche und Strukturierung war es das sicher, aber im Roman gehe es darum zu unterhalten.

Die Idee, das Leben von Hans Fallada zu beleuchten, gärte schon länger in Teutsch. „Ich habe irgendwann ,Wolf unter Wölfen‘ gelesen und in der Kurzbiografie gesehen, was er für ein spannendes Leben hatte“, erzählte Teutsch. Er verwarf die Idee zunächst, ehe er später „Jeder stirbt für sich alleine“ las und sich wieder die Kurzbiografie anschaute und dann den Entschluss fasste, auf Spurensuche zu gehen. Die Geschichte, die dahintersteckte, dass Fallada das Buch gar nicht schreiben wollte, mehr oder weniger dazu gedrängt wurde, hat Teutsch fasziniert.

Verleger Dielmann lobte insbesondere „die Figurenvielfalt in einer irrsinnigen Zeit“. Eine weitere faszinierende Dimension sei, wie die aus dem Exil zurückgekehrten Schriftsteller und die in Deutschland geblieben in „Die Akte Klabautermann“ interagieren. Als eine Art „Abklopfsituation“ zwischen den beiden Lagern, beschreibt es Dielmann. Fallada war während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland geblieben und aus Mecklenburg nach Berlin gekommen und lebte dort mehr oder weniger illegal. Wie er das tat, beschreibt Teutsch auf 312 Seiten.

Für Florian Koch war der Lange Tag der Bücher mit acht Lesungen von acht Autorinnen und Autoren nach der Zwangspause im vergangenen Jahr ein Erfolg. „Wir sind zufrieden. Wir hatten gute Besuche und gutes Feedback“, sagte Koch, der das Programm in Kooperation mit den Verlagen zusammengestellt hat. An die 1500 Besucherinnen und Besucher aus dem Februar 2020 kam die Veranstaltung zwar nicht heran, „aber hoffentlich nächstes Jahr wieder“, so Koch.

Am Sonntagabend führte FR-Redakteur Florian Leclerc noch als Moderator durch die letzte Veranstaltung des Tages, eine Lesung mit der Autorin Sonja Rudorf. Ihr Spannungsroman „Faule Mieten“ handelt von Intrigen und Kriminalfällen auf dem angespannten Frankfurter Wohnungsmarkt.

Auch interessant

Kommentare