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Auf dem Weg in die Feiertage

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Reiseverkehr vor den Weihnachtsfeiertagen, Ferienbeginn am Hauptbahnhof. Renate Hoyer
Reiseverkehr vor den Weihnachtsfeiertagen, Ferienbeginn am Hauptbahnhof. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Einige noch eine lange Reise vor sich, bevor das Fest beginnt

Laut der biblischen Geschichte mussten Josef und Maria einen weiten Weg zurücklegen, bis letztere in einem Stall das Christkind gebären konnte. Tausende Jahre später reisen auch Normalsterbliche durchs ganze Land und weiter, um die Feiertage anlässlich seines Geburtstags mit ihren auserwählten Liebsten zu verbringen. Schwer beladen geht’s dann zum Bahnhof. Allerdings hat im modernen Zeitalter kaum noch jemand Weihrauch und Myrrhe im Gepäck.

Und besinnlich geht es am Fernbusbahnhof in diesen Tagen auch nicht zu. Zwischen Taschenbergen stehen die Reisenden dicht an dicht unter dem Vordach des ZOB in der Stuttgarter Straße und warten. Die Endhaltestellen Paris, Mostar, Pristina oder Flughafen Terminal 2 sind auf den Anzeigetafeln der Busse zu lesen. Der Mobilitätsanbieter Flix, zu dem unter anderen die Marke FlixBus gehört, habe, so lässt er wissen, über die Feiertage eine deutlich erhöhte Nachfrage festgestellt und daher mit Partnern vorausschauend geplant. Die Strecken zwischen Frankfurt und Köln, Bonn, ins Ruhrgebiet oder auch nach Nürnberg oder München würden über die Feiertage öfter als üblich befahren, um dieser Nachfrage gerecht zu werden. Auf den Strecken der FlixTrain-Züge nach Stuttgart, Berlin und Hamburg fahre man maximale Kapazität.

Die meisten Reisenden, die an der Bushaltestelle stehen, sind schätzungsweise zwischen 20 und 40 Jahre alt. Viele scheinen alleine hier, tippen mit übergezogener Kapuze auf ihrem Handy. Vielleicht versenden sie Botschaften der Vorfreude. Melinda und Giuseppe haben trotz weiter Strecke keine allzu lange Reise vor sich. Für das junge Paar geht es zum Flughafen Hahn und dann weiter mit dem Flieger nach Kalabrien im Süden Italiens. Giuseppe freut sich schon sehr: Er sieht seine Familie nur zwei Mal im Jahr. Sind die 1700 Kilometer erstmal überwunden, geht alles ganz entspannt zu: „An Heiligabend werden wir früh anfangen zu essen und zu trinken. Wir warten am 24. bis Mitternacht, dann gibt es Sekt, und die Geschenke werden verteilt. Dann gibt's meistens Panettone oder Pandoro, das ist ein sternförmiger, typisch italienischer Kuchen.“ Zu hören ist, dass es in italienischen Familien oft Diskussionen darüber gibt, welches Gebäck nun am Festtag besser zu verzehren sei. Nichts Ungewöhnliches: Bekanntlich führen unterschiedliche Gewohnheiten am weihnachtlichen Esstisch öfter mal zu Knatsch. Dem häuslichen Frieden tut es vielleicht gut, wenn man da mit niedrigen Erwartungen rangeht.

Janet hat sich schon auf ein für weihnachtliche Festlichkeit eher untypisches Mahl eingestellt. Sie verbringt die Feiertage bei ihrer Freundin und deren Familie in Aalen. Sie wollen an Heiligabend mit den Verwandten ins Restaurant gehen. Für die zwei Veganerinnen laufe die Auswahl da wohl auf einen Salat hinaus. Für ihre zwölfstündige Reise ist sie schon um 5 Uhr aufgestanden. Die Hälfte hat sie nun schon hinter sich. Das sei aber nicht der stressigste Teil ihrer Reise gewesen, sagt Janet. Sie hatte die Tickets vor langer Zeit gebucht. Heute fiel ihr dann auf, dass sie auf den richtigen Tag, aber einen Monat zu früh ausgestellt sind. Also heißt es, alles nochmal neu kaufen. Immerhin: Die Geschenke hätten es schon alle sicher zu ihren Empfängern und Empfängerinnen geschafft. Das letzte, für ihre Freundin, hat sie in einer großen Tasche dabei.

Im Vergleich zu Roberts Gepäck ist die aber geradezu bescheiden. Drei riesige Rollkoffer und eine karierte Plastiktasche haben seine Mutter und er aus Fulda, wo er in einem Hotel arbeitet, mitgebracht. Viele Geschenke sind da drin, für seine Schwester hat der Bosnier Schokolade gekauft. Das gibt eine üppige Bescherung, sagt er. Weihnachten wird mit der Familie gefeiert, zu Neujahr geht’s dann mit den Freundinnen und Freunden auf die Piste. Zweiundzwanzig Stunden fahren die beiden in die Heimat und sind noch guter Dinge. „Wir haben Erfahrung mit langen Reisen“, sagt er.

Nicht alle fahren über die Feiertage zur Familie. Manche freuen sich auch einfach über die festliche Stimmung und gönnen sich einen kleinen Urlaub. Alexey ist 19 Jahre alt und macht sich auf in Richtung Italien. Der Ukrainer will über die Feiertage mit einem Freund Venedig erkunden. Sie wollen ausgehen, Spaß haben.

Geschenke gibt’s die nächsten Tage noch nicht. „Vielleicht lade ich meinen Kumpel zur Feier des Tages zum Essen ein“, sagt er. „Bei uns ist Weihnachten eigentlich Anfang Januar.“ Nach dem julianischen Kalender feiert die orthodoxe Kirche erst am 7. Januar das Weihnachtsfest. Der Student scheint da aber keine Präferenz zu haben. „Ich kann zwei Mal Weihnachten feiern, kein Problem für mich“, sagt er und lacht.

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