+
Das Gelände der Union Brauerei an der Hanauer Landstraße hat eine wechselvolle Geschichte.

Frankfurt-Ostend

Auf eine Pizza Benigni

  • schließen

Das Restaurant "Leben ist schön" im Frankfurter Ostend versteht sich als Gemaltes Haus auf italienisch. Der Name des Lokals ist einer der Gründe, warum es so beliebt ist.

Zum Brauhaus steht in goldenen Lettern über dem Eingang der Gaststätte. Doch die Tage, als in dem Sandsteingebäude an der Hanauer Landstraße 186 selbstgebrautes Bier über den Tresen ging, sind lange vorbei. Seit Jahren wechseln sich dort italienische Restaurants ab. Seit 2004 hat die Pizzeria „Das Leben ist schön“ dort ihren Sitz.

Das Gebäude gehört zum Unionsgelände. 1908 als Wirtegenossenschaft gegründet, zählte sie zu den modernsten Brauereien ihrer Zeit. Etwa 75 000 Hektoliter Bier wurden an der Hanauer Landstraße jährlich gebraut. 1951 übernahm die Dortmunder Union das Unternehmen. Bis Mitte der 1980er Jahre stellten die Dortmunder in den Kesseln Bier her.

Ende des vergangenen Jahrhunderts kam der große Umbruch für das Areal: Mitte der 90er Jahre ging es in den Besitz Ardi Goldmans über. Der Investor entwickelte das Gelände mit seinen Backsteinhäusern und Hallen zu einer Art Kulturzentrum, „ein lebendiger Ort des Zusammenkommens“, wie er es damals nannte. Wohnen, arbeiten, essen, ausgehen, und das an einem Ort. Es entstanden Büro-, Loft- und Gewerbekomplexe. In einen massigen Betonbau mit dem Namen „Haus Gardasee“ zog 1999 die Romanfabrik um. Wo einst die Braukessel standen, eröffnete im selben Jahr der King Kamehameha Club – der mit der Silvesterfeier 2013/2014 im Zuge des großen Clubsterbens dicht machte.

Neben der Romanfabrik ist die Pizzeria „Das Leben ist schön“ bis heute geblieben. Zusammen mit dem Frankfurter Gastronom Radu Rosetti und Goldman habe er das Lokal damals an der Hanauer Landstraße eröffnet, sagt Andreas Euchner. Seit fünf Jahren ist er der alleinige Inhaber des Hauses. Der Name war nicht sein Einfall. Und anfänglich sei er auch alles andere als begeistert davon gewesen. „Ich bin ein halber Italiener. Ich wollte einen italienischen Namen.“ Inzwischen ist er überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war, den Titel des Films von Roberto Benigni zu wählen. Dieser trage viel dazu bei, dass das Lokal so beliebt ist.

Euchners Idee war es, an der Hanauer „ein Gemaltes Haus auf italienisch“ zu eröffnen. Eine einfach gehaltene, typische Pizzeria, „wie es sie überall in Italien gibt“. Ihn störe es nicht, wenn Gäste kommen, sich eine Pizza teilen und nichts trinken. Er wolle nichts Zwanghaftes in seinem Restaurant. Deshalb stehen in dem großen Raum fast ausschließlich lange Tischreihen. „Dass man nebeneinander sitzt und mit den anderen Gästen ins Gespräch kommt.“

Die sicher mehr als 100 Fotos an den hohen Wänden des Lokals bieten viele Gesprächsthemen. Sie spiegeln das Leben in Italien wieder und zeigen den ein oder anderen Hollywoodstar – wie Audrey Hepburn auf einer Vespa. Auch ein Blick in die Speisekarte regt die Phantasie an. Dort gibt es neben einer nach dem Regisseur und Schauspieler benannten Pizza Benigni – mit Pesto und Parmesan –, eine Pizza Briatore, nach dem italienischen Sport- und Industriemanager Flavio. Mit pikanter Salami und Pepperoni.

Zusätzlich gibt es jeden Monat eine Empfehlungskarte, auf der besondere Gerichte stehen wie Büffel-Mozzarella auf Mango-Carpaccio verfeinert mit Vanille-Salz, oder Rote-Beete-Risotto mit Rucola und Zwiebel-Rösti. „Wir versuchen uns abzuheben vom Standard“, sagt der Gastwirt. „Wir wollen etwas anbieten, dass es nicht an jeder Ecke gibt.“

Ursprünglich hätten vor allem Disco-Besucher in der Pizzeria gesessen, sagt Euchner, „bevor sie ins King Kamehameha rüber gingen“. Seitdem der Club geschlossen habe, sei das Publikum bunt gemischt, vor allem zur Mittagszeit. Das Restaurant profitiere davon, dass das Ostend aufgeblüht ist und es mittlerweile viele Büros und Ateliers gebe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare