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Das Fahrzeug der Zivilstreife kann Raser auch filmen.

Auto-Protzerei in Frankfurt

Autofahrer wollen Aufmerksamkeit um jeden Preis

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Die Anwohner in der Frankfurter Innenstadt sind vom Protzen der Poser genervt. Die Polizei führt Kontrollen durch.

Der Mann im City-Shop am Friedrich-Stoltze-Platz will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, aber ein wenig über das, was sich abends hier abspielt, kann er erzählen. „So ab 19.30 Uhr können Sie es sich da anschauen“, sagt er und reckt das Kinn in Richtung Friedrich- Stoltze-Platz. Dann kommen die sogenannten Poser - meist junge Männer in teuren, oft umgebauten Autos. Sie drehen Runden um den Platz, lassen die Motoren aufheulen, geben Gas und hoffen auf Aufmerksamkeit der Gäste in den Cafés und Kneipen.

Die Anwohner sind zusehends genervt von dem Lärm der Poser. „Es ist nur eine Frage der Zeit“, ist sich Polizeioberkommissar Gunnar Deschauer sicher. Irgendwann früher oder später wird ein Auto, dessen Motorengeräusch ihm verdächtig vorkommt, vorbeifahren. Mit den Jahren habe er sich für so etwas ein Ohr antrainiert. Mehrere Teams der Verkehrsdirektion und der Polizeidirektion Süd haben in der Innenstadt an verschiedenen Stellen Position bezogen. Die Einsatzwagen parken direkt hinter dem historischen Stadttor, sind so vor den Blicken heranrasender Autofahrer geschützt.

Bei Verdacht sollen diese herausgewunken und überprüft werden. Überschreitet bei der Messung die Dezibelzahl die entsprechenden Angaben in den Fahrzeugpapieren deutlich, droht ein Bußgeld, bei nicht zulässigen Umbauten sogar die Stilllegung des Wagens. „Die bauen gezielt um, um möglichst viel Krach zu machen“, sagt Deschauer. Wie sich das anhört, hat Metin Aydin bis vor zwei Jahren an jedem Wochenende selbst mitbekommen. Der Student wohnte bis dahin am Stoltze-Platz. „Hier ist es extrem“, sagt er, „es geht ums Sehen und Gesehenwerden.“ Vor allem im Sommer bedeute das oft starke Lärmbelästigung bis spät in die Nacht. Und viele der Fahrer würden durch die engen Straßen mit Höchsttempo rasen.

„Die treiben ihre Motoren auf 7000 oder 8000 Umdrehungen hoch“, berichtet auch Florian Kupke, Schichtleiter im Restaurant Café Bar Celona. „Wir haben hier viel Außenbestuhlung, viel Publikum. Das zieht die an.“ Nervig sei das zwar, aber auf das Geschäft habe das keine Auswirkungen. „Wir ziehen die inzwischen auf“, sagt Kupke, „mit ihrer Männlichkeitsverlängerung.“

Metin Aydin findet das alles längst nicht mehr witzig. Mehrmals die Woche steht er im Restaurant Leib & Seele, Ecke Kornmarkt und Kleiner Hirschgraben, hinterm Tresen. Vor einem Jahr hat er beobachtet, wie ein Kind um ein Haar von einem Poser überfahren worden wäre. „Die müssen hier einen Blitzer installieren oder kontrollieren. Dann ist ganz schnell Schluss“, glaubt er.

Gunnar Deschauer kennt seine Klientel. Meist seien es junge Männer, die ein Übermaß an Zeit und Geld in ihr Auto investierten. „Deren Autos sind ihr Leben. Das Schlimmste, was man machen kann, ist, es ihnen wegzunehmen.“ Deschauer greift nach seinem Funkgerät: „Grauer Audi R8 auf der Hochstraße!“Einige Minuten später steht der Sportwagen kurz vor der Hauptwache am Straßenrand. Ein Polizist hält ein Messgerät an den Auspuff. Dieser wird von Posern mit Vorliebe manipuliert, etwa durch den Ausbau von Schalldämpfern. Sollte das Gerät einen höheren Dezibelwert anzeigen als laut Zulassung erlaubt, würde das Auto genauer unter die Lupe genommen. Dem Fahrer des R8 bleibt dies erspart. 98,6 Dezibel zeigt das Messgerät am Ende an. 99 Dezibel sind bei diesem Fahrzeug zulässig.

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