Thomaskantorei

Auch wohl bös und zornig

Die Heddernheimer Thomaskantorei packt zu mit Mendelssohn Bartholdys „Elias“.

Könnte man Heddernheim, jenen an der Peripherie Frankfurts liegenden Stadtteil, der den Spitznamen Klaa Paris trägt, nicht auch Klaa Birmingham nennen? Nicht, weil das der Name der britischen Partnerstadt Frankfurts ist, sondern weil in dem Stadtteil an der Nidda eine Kantorei aktiv ist, deren jüngste Darbietung des „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy von einer Frische, Verve und einem mitreißenden Engagement getragen war, wie es von der Uraufführung des Werks unter der Leitung seines Schöpfers 1846 in Birmingham berichtet wird.

Die Rede ist von der in der Evangelischen St. Thomaskirche zu Heddernheim beheimateten Thomaskantorei, die unter der Leitung Tobias Koriaths steht. Ein junger Mann, dessen Gestenrepertoire allein schon die große Weite seiner artikulatorischen Zugriffe zeigte. Wo zarte, lebendige und leichte Vokalflüsse genauso markant sich darstellen konnten wie größte Wucht und bleckende Gewalt. Mehr als nur eine Ahnung davon, was es bedeutete, dass Mendelssohn Bartholdy Chor und Orchester „wie die Wütenden“ singen und spielen ließ, wurde in der vollbesetzten Thomaskirche vermittelt.

Denn das Manifestative eines anklagenden und fordernden Propheten gegenüber seinen verzagten und ignoranten Zeitgenossen, das konnte man auch auf die Aufführung dieser Musik übertragen, die angreifend, erhebend und zur Besinnung bringend war. Das Bild, das der Komponist von Elias zeichnen und als „stark, eifrig, auch wohl bös und zornig und finster“ erlebbar machen wollte – das kam der Aufführung des Stücks als ganzer zu. Nicht nur die Rolle des Elias, gesungen von dem wunderbar gestaltenden Bass Daniel Blumenschein schaffte Ergreifung der Herzen und Sinne des begeisterten Auditoriums, sondern der ganze Klangprozess.

Die Qualität des Heddernheimer Thomaner-Chorkollektivs ist bekanntermaßen groß. Eine Laienschar, die es mit den professionellen Chören aufnehmen kann und deren Technik, Lockerheit der Stimmhaltungen, Variabilität in der dynamischen Steuerung und Durchlässigkeit nicht auf ein einziges Profil von Volumen und Bewegung beschränkt ist. Gellen, Säuseln, Zupacken, Donnern und feines Choralsentiment – alle Facetten seiner Klangsprache, die Mendelssohn hier aufwirbelt, wurden perfekt präsentiert.

Deutlich wurde, dass bekennende, protestantische Entschiedenheit zentrales Charakteristikum des gern als leichtgewichtig und dauerglücklich missverstandenen Komponisten ist.

Phänomenal spielte das Frankfurter Musikkollegium (Konzertmeister Julian Fahrner), das die differenzierenden Direktiven des Kantors Koriath höchst professionell umsetzte. Auch romantische Religiosität hat ihre aus- und ergreifende Rhetorik, wozu die weiteren Solisten Anna-Sophie Brosig (Sopran), Franziska Markowitsch (Mezzo) und Ferdinand Keller brillante Beiträge lieferten.

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