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Asta Frankfurt über Palmer-Eklat: „Eine Entschuldigung reicht nicht“

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Von: George Grodensky

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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (rechts vorne ) neben Susanne Schröter bei der umstrittenen Konferenz an der Frankfurter Goethe-Universität.
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (rechts vorne ) neben Susanne Schröter bei der umstrittenen Konferenz an der Frankfurter Goethe-Universität. Peter Hemmelrath/dpa © dpa

Der Studierendenausschuss der Goethe-Uni Frankfurt fordert Konsequenzen aus Boris Palmers Auftritt. Der Tübinger OB hatte durch respektlose Wortwahl irritiert.

Frankfurt – Nabila Sayah ist tief betroffen über die rassistischen Ausfälle von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer am Rande der Konferenz „Migration steuern, Pluralität gestalten“, zu der das Forschungszentrum Globaler Islam von Professorin Susanne Schröter geladen hatte. Sayah, Referentin für Feminismus im Allgemeinen Studierendenausschuss der Goethe-Uni, spricht dennoch recht vorsichtig über den Vorfall.

Im Vorfeld hatte der Asta deutlich Stellung bezogen. „Auf der Konferenz soll nicht etwa diskutiert werden, wie Fluchtrouten sicherer gestaltet werden können oder wie ein EU-weiter solidarischer Umgang mit Migration auszusehen hätte“, monierten die Studierenden. Die Veranstaltung drehe sich vielmehr darum, wie schwierig es doch sei, ein Einwanderungsland zu sein.

Nun fordert der Asta Aufarbeitung. Die müsse von der Prämisse ausgehen, dass im Namen der Wissenschaftsfreiheit nicht jeder Unsinn und erst recht kein Rassismus und Antisemitismus verbreitet werden dürfe. Für Schröter, die diesen Eklat mitzuverantworten habe, müsse es Konsequenzen geben.

Frau Sayah, welche Folgen hat der Eklat vom Wochenende? Ist das Ansehen der Goethe-Uni beschädigt, oder lässt sich das Problem auf Boris Palmers Entgleisungen reduzieren?

Das ist eine schwierige Frage. Es haben sich sehr viele Menschen schon im Vorhinein gegen diese Konferenz gestellt, unter anderem, weil Boris Palmer eingeladen war. Er ist ja schon in der Vergangenheit mit Äußerungen aufgefallen, die nicht okay waren. Und trotzdem hat die Goethe-Uni zugelassen, dass er eine Bühne erhält. Aber es gibt ja auch eine Freiheit zu entscheiden, wen man einlädt. Ich habe schon das Gefühl, dass viele den Vorgang kritisieren, im Nachhinein aber nicht das Gefühl, die Uni habe sehr viel Ansehen verloren.

Uni-Präsident Enrico Schleiff fordert, Herr Palmer möge sich bei den von ihm beleidigten Menschen, der jüdischen Gemeinschaft und der Universität entschuldigen. Reicht eine Entschuldigung, oder muss es tiefergehende Handlungen geben?

Das sind Wunden, die nicht nur im Moment geschlagen wurden. Palmer hat in einem Zug Millionen von Menschen beleidigt, und eine Person direkt ins Gesicht. Ich finde nicht, dass eine Entschuldigung reicht. Jetzt will er sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Da sollte mehr kommen. Auch von den Veranstaltenden. Boris Palmer ist Boris Palmer, warum wurde er denn eingeladen?

Die Universität werde die Vorkommnisse zum Anlass nehmen, einen Dialog über gemeinsame Werte und Richtlinien zur Organisation von Veranstaltungen zu führen, sagt Herr Schleiff. Sollte es so etwas nicht eigentlich schon geben?

Ja, voll. Mehr kann ich auch nicht sagen. Ich verstehe nicht, warum es das nicht gibt.

Zur Person

Nabila Sayah ist Referentin für

Feminismusthemen im Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der Frankfurter Goethe-Universität. Sayah hat den Gegenkongress „Migration entkriminalisieren, Pluralität leben“ des Asta am Freitag mitorganisiert.

Darin hat der Asta gezeigt , dass das Thema Migration auch wissenschaftlich und ohne Ressentiments zu schüren behandelt werden kann. sky

Oder gerät man in den Verdacht, die oftmals hochgehaltene Wissenschaftsfreiheit zu gefährden?

Wenn es keinen Dialog gibt? Wissenschaftsfreiheit heißt ja nicht, dass lediglich eine einzelne Seite von einer Sache berücksichtigt wird. Es gibt doch immer verschiedene Perspektiven. Auf dieser Konferenz wurde ihnen aber keine Bühne gegeben. Nur einer bestimmten. Wenn es vorher einen Dialog darüber gegeben hätte, hätten wir vielleicht aushandeln können, dass mehrere Personen, andere Personen ins Gespräch einbezogen werden. Ich finde nicht, dass es die Wissenschaftsfreiheit gefährdet, in einen Dialog zu treten und vorab zu verhandeln, wem eine Bühne gegeben wird und wer zu Wort kommen darf.

Der Asta hat im Vorfeld vor Palmer und der Unausgewogenheit der Gäste gewarnt. Wäre das nicht ein trefflicher Anlass, dem Asta mehr Möglichkeiten zur politischen Äußerung einzuräumen? In der Vergangenheit hat es darüber viel Streit gegeben.

Uns Studierenden allgemein sollte man vielleicht mehr zuhören. Wir als Asta sind nur das Sprachrohr.

Wie geht’s jetzt weiter, worauf werden Sie dringen?

Wir werden das weitere Vorgehen der Uni aufmerksam begleiten, auch künftig bei solchen Veranstaltungen auf die Gefahren hinweisen, versuchen, im Vorfeld stärker in den Dialog zu treten. Wichtig ist, dass die Personen sich entschuldigen und dass sich auch das Präsidium entschuldigt.

Interview: George Grodensky

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