Physiotherapeutin Claudia Henrich hat vor dem Corona-Winter vor ihrer Praxis in Bornheim einen Pavillon im Hof errichtet.
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Physiotherapeutin Claudia Henrich hat vor dem Corona-Winter vor ihrer Praxis in Bornheim einen Pavillon im Hof errichtet.

Gesundheit

Corona in Hessen: Arzt-Praxen in Rhein-Main wappnen sich für den Winter

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Um volle Wartezimmer zu vermeiden, finden Arzt-Praxen im Rhein-Main-Gebiet in Corona-Zeiten teils kreative Lösungen. Groß im Trend liegen Pavillons.

Brigitte Wilhelm-Probst hat ihren Wartebereich vergrößert. Die Hausärztin aus Offenbach schickt Patienten, die nicht so gerne im Wartezimmer sitzen möchten, einfach auf die Terrasse. Es ist recht gemütlich dort, ein Bänkchen steht da, ein Blümchen. Vielleicht ist es ein bisschen frisch. Aber allzu lange müssen die Gäste nicht dort ausharren. Wilhelm-Probst hat die Sprechzeiten erweitert und versucht so, den Kundenstrom zu entzerren.

Das bedeutet mehr Arbeit für die Ärztin, für die gesamte Praxis. Zumal auch mehr Patienten als sonst vorstellig werden, denn die Impfsaison hat angefangen: „Viele lassen sich schützen.“ Dass die Menschen aus Angst vor Corona lieber daheimblieben, hat sie nicht beobachten können.

Corona stellt Ärzte in Hessen vor einigen Mehraufwand

Die ganz Vorsichtigen setzen sich eben kurz auf die Terrasse. Was auch Mehraufwand bringt: Das Praxisteam muss ständig darauf achten, dass Patienten den Desinfektionsspender nutzen, den Mund-Nasen-Schutz korrekt tragen, Abstände einhalten.

Auch Claudia Henrich hat sich etwas einfallen lassen. Die Frankfurter Physiotherapeutin hat ein großes Zelt im Hof aufgebaut. „Weil das Wartezimmer so klein ist.“ Ein ziemlicher Erfolg, bescheinigt ihr die Kundschaft. „Es kommt kaum jemand mehr herein“, sagt sie und lacht. In der Weihnachtszeit will sie ihre Außenstelle noch festlich schmücken.

Viele Praxen schicken ihre Besucherinnen und Besucher gleich nach der Anmeldung wieder weg. Sie sollen in einer halben Stunde wiederkommen, heißt es dann, um volle Wartezimmer zu vermeiden.

Hessen: Mit Pager und Zelten gegen das Coronavirus

Genauer teilt es eine Hausarztpraxis in Ehrenberg-Wüstensachsen (Landkreis Fulda) mit. Doktor Michael Zeigler gibt seinen Patienten einen Pager, der nach Ende der Wartezeit bimmelt. Wie im modernen Imbiss, wenn das Essen fertig an der Theke abgeholt werden kann.

Rund 100 Euro pro Stück habe ihn die Anschaffung gekostet. Der Pager habe genügend Reichweite, damit Patienten im Umfeld der Praxis warten können, versichert der Mediziner.

Künftig könnte auch eine neue App helfen, Wartezeiten anders zu nutzen. „Warts-Ab“ heißt das Programm, das am Kompetenzzentrum für Telemedizin und E-Health in Gießen entwickelt wird. Im Grunde funktioniert die App ebenfalls wie ein Pieper, der sich meldet, wenn die Patienten an der Reihe sind.

Corona in Hessen: Techniker-Krankenkasse finanziert App

Der Vorteil besteht darin, dass die Nutzer gar nicht erst in der Praxis vorstellig werden müssen, sondern gleich bei Terminvereinbarung einen Code bekommen, der dann aufgerufen wird. Natürlich unter Einhaltung strenger Datenschutzregeln, versichert Thomas Friedl von der Technischen Hochschule Mittelhessen, der das Projekt begleitet.

Das Projekt ist weit gediehen, immerhin arbeiten die Forscher seit 2018 daran. Die Techniker-Krankenkasse und das Land Hessen finanzieren es. Wann die Testphase beginnt, wollen die Beteiligten allerdings nicht verraten. Womöglich könnte es bereits Mitte November eine Pressekonferenz dazu geben, lässt sich die Techniker-Krankenkasse immerhin entlocken. (George Grodensky)

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