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Armut in Frankfurt wächst

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Angebote zum gemeinsamen Essen werden gerne wahrgenommen.
Frankfurt am Main, 08.12.2021 © Peter Jülich

Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) sieht die Stadt in der Pflicht, die Grundversorgung armer Menschen sicherzustellen.

Die gestiegenen Lebenshaltungs- und Energiekosten bringen immer mehr Frankfurter Haushalte in existenzielle Nöte. Das zeige sich aber noch nicht in zusätzlichen Anfragen in den Sozialrathäusern, sagte Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) im Gesundheits- und Sozialausschuss, unter anderem, weil viele Versorger die neue Abschlagsplanung erst im März an die Kunden ver-sendeten. Doch alle Frühwarnsysteme hätten bereits angeschlagen.

So habe die Zahl der Menschen, die kostenlose oder günstige Mahlzeiten in Anspruch nähmen, deutlich zugenommen, insbesondere alleinlebende Senior:innen und Kinder. Die steigende Armut zeige sich aber auch subtiler. So sei es beispielsweise mittlerweile für Vereine schwieriger geworden, Fahrgemeinschaften zu Mannschaftsspielen zu organisieren, da sich immer mehr Familien kein Auto mehr leisten könnten. „Und oft sind auch die Fußballschuhe nicht mehr drin.“

Zwar planten Bund und Länder Unterstützungsprogramme, etwa einen Härtefallfonds, um die Mehrbelastungen für die Bürger:innen abzufedern. Doch die Programme seien teilweise noch in der Umsetzung und teilweise sehr kompliziert. Deshalb sei zunächst Frankfurt in der Pflicht, „gezielt arme Menschen zu unterstützen und ihre Grundversorgung sicherzustellen“, so Voitl – um sie dann in einem zweiten Schritt bei der Antragstellung zu unterstützen. Das Personal dafür zu halten oder gar zu gewinnen, sei allerdings „eine große Herausforderung“.

Es gebe aber auch eine positive Entwicklung: Trotz des bisher recht milden Winters würden die in den Quartieren eingerichteten Wärmestuben rege besucht. „Die Menschen haben nach Corona vermehrt das Bedürfnis, aus der Isolation herauszugehen und sich zu treffen“, so Voitl. Das sei gut, denn je öfter die Menschen in die Einrichtungen kämen, desto mehr Vertrauen schöpften sie in die dortigen Sozialarbeiter:innen.

„Das Thema Armut ist schambesetzt, deshalb braucht es eine Weile, bis Menschen darüber sprechen“, sagt Voitl. Wenn es dann hart auf hart komme, sei die Vertrauensbasis schon da und Hilfe einfacher möglich.

Ursula Busch (SPD) schlug daraufhin vor, den Frankfurter:innen auch andere soziale Einrichtungen außerhalb von deren Öffnungszeiten zugänglich zu machen, um Orte zu schaffen, „an denen die Menschen zusammenkommen können, ohne zu konsumieren“. Wegen der hohen Flächenkonkurrenz in der Stadt gebe es sowieso zu wenig solcher Orte.

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