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Helferinnen der Johanniter verteilen hier Obst an Bedürftige.
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Helferinnen der Johanniter verteilen hier Obst an Bedürftige.

Frankfurt

Armut in Frankfurt: „Gigantische Bedürftigkeit“

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Die Suppenküchen-Aktion der Johanniter am Frankfurter Hauptbahnhof wird von vielen dankend angenommen, einige nutzen die Gutmütigkeit der Helfenden aus.

Ein älterer Mann hält in der einen Hand einen Kaffeebecher, in der anderen eine Tüte, in die er gerade ein paar Kleidungsstücke reingesteckt hat. Er ist wie viele andere am Freitagvormittag zur bereits 28. Suppenküchen-Aktion der Johanniter am Kaisersack am Hauptbahnhof gekommen. „Deutschland ist eine der besten Nationen“, sagt er. Hier würden Obdachlose und ärmere Menschen im Gegensatz zu anderen Ländern gut behandelt.

Er gehört zu der einen Hälfte, die der evangelischen Hilfsorganisation dankbar für ihr Engagement an Heiligabend ist. Andere wiederum nutzen die Gutmütigkeit der Helfenden schamlos aus. Sie stellen sich mehrfach an, um die rote Geschenktüte abzustauben. Bei der Kleidungsausgabe kommt es zwischen einigen Männern zu Handgemengen um die warmen Winterjacken. „Bitte ziehen Sie die Maske auf!“, müssen Helferinnen und Helfer immer wieder Ermahnungen aussprechen.

Oliver Pitsch, Regionalvorstand der Johanniter im Regionalverband Rhein-Main, ist mittendrin und koordiniert die Aktion. „Wir merken, dass die Bedürftigkeit in diesem Jahr gigantisch groß ist“, sagt er. Bereits im Vorfeld habe es die aufsuchende Suppenküchen-Aktion bei 14 Familien mit insgesamt 57 Kindern gegeben. Sie bekamen ein „Weihnachtspaket“ sowie einen Tannenbaum und eine Gans. Die Coronavirus-Pandemie hat das Thema Familien- und Kinderarmut verstärkt, hat Pitsch beobachtet. „Viele haben den Job verloren oder die Familien sind aus anderen Gründen in Schieflagen geraten.“ Vor allem die emotionale Belastung sei gestiegen, „die Menschen sind dünnhäutiger geworden“. Viele, die psychisch nicht so stabil seien, hätten sich hängen lassen.

Deshalb war es den Johannitern auch in diesem Jahr wieder eine Herzensangelegenheit die Suppenküche am Kaisersack für Obdachlose und Bedürftige anzubieten. Im vergangenen Jahr wurde aufgrund der Corona-Lage 400 Weihnachtsbeutel dezentral verteilt. Die Hygiene- und Abstandsregeln wurden eingehalten – sowohl bei der Suppenausgabe – 400 wurden am Freitag verteilt – als auch am Stand mit den Hygieneartikeln, dem Obst und den Geschenketüten, unter anderem mit Schokolade und Mützen. Nur bei der Kleidungsausgabe von einer Laderampe eines Lastwagens lief es weniger geordnet ab. „Ich suche einen Schlafsack. Wo finde ich einen?“, fragt ein älterer Mann Oliver Pitsch. Die würden von der Diakonie verteilt, antwortet er ihm. Die Menschen würden von überall her an den Hauptbahnhof kommen, berichtet er. „Vorhin war einer aus Eppstein da.“

Erstmals war auch ein mobiles Impfteam vor Ort. Ohne Anmeldung, ganz niedrigschwellig, „Das ist für Menschen, die auf der Straße leben, ganz wichtig“, sagt Pitsch. Einen großen Dank sprach der Regionalvorstand der Johanniter noch den Geberinnen und Gebern aus. Dieses Jahr sei es durch die wirtschaftlichen Probleme vieler Unternehmen schwierig gewesen, genügend Spenden für die Suppenküche zusammenzubekommen. Auch wenn einige Menschen die Aktion ausnutzen, um anderen etwas wegzunehmen, die meisten sind dankbar, dass sie an diesem Tag eine kostenlose warme Mahlzeit bekommen haben.

Die Klamottenausgabe verläuft weniger geordnet ab.

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