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Der neue Flohmarkt am Nordufer aber sollte in Zukunft nicht nur für edles Kunsthandwerk und ein kaufkräftiges Publikum reserviert bleiben.

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Arme nicht ausschließen

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Der neue Flohmarkt am nördlichen Mainufer sollte nicht nur für ein kaufkräftigesPublikum und für edles Kunsthandwerk reserviert bleiben. Ein Kommentar.

Im langen Ringen um den Ort des Frankfurter Flohmarkts hat die CDU Jahrzehnte zäh dafür gekämpft, die Stände vom Museumsufer zu verdrängen. 1984 hatte sie zum ersten Mal durchgesetzt, dass das Trödeltreiben das südliche Mainufer verlassen musste – damals wurde es auf das Schlachthofgelände verbannt. 1990 brachten SPD und Grüne mit ihrer Mehrheit die Stände wieder ans Sachsenhäuser Ufer zurück. 2008 dann ein erneuter Erfolg der CDU: Am südlichen Gestade durfte das Trödeltreiben nur noch jeden zweiten Samstag aufgebaut werden.

Und jetzt soll also der Umzug ans nördliche Mainufer folgen. Man muss sich schon fragen, warum die Stände unbedingt vor der noblen Kulisse des Museumsufers verschwinden sollen. Stört an dieser Stelle der Anblick armer Menschen, die Billigwaren kaufen oder verkaufen?

Immerhin könnte der Wechsel ans Nordufer dazu beitragen, dass sich die Leute noch mehr als bisher an eine autofreie Zone dort gewöhnen. Das immerhin wäre ein Fortschritt.

Der neue Flohmarkt am Nordufer aber sollte in Zukunft nicht nur für edles Kunsthandwerk und ein kaufkräftiges Publikum reserviert bleiben. Er sollte arme Menschen nicht ausschließen. Denn auch sie gehören zur sozialen Wirklichkeit der so glänzenden internationalen Banken- und Dienstleistungsgroßstadt Frankfurt.

Viele können sich einen kleinen Cappuccino für 3,10 Euro in einem Café rund um den Römerberg nicht leisten.

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