Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Musik

Archiv Frau und Musik in Frankfurt: Frauenwerke gesucht

Das weltweit größte Archiv für Komponistinnen ist in Niederrad. Für Musikinteressierte gleicht es einem Paradies.

Das ist das Wertvollste, was wir haben“, sagt Martin Prescher und zeigt auf ein Regalfach, das mit „Clara Schumann“ beschriftet ist.

Der ausgebildete Musikbibliothekar hat lange die Musikabteilung der Stadtbibliothek Frankfurt geleitet. Seit seinem Ruhestand hilft er einmal wöchentlich im Archiv Frau und Musik aus. Er greift eine grüne Mappe mit der Aufschrift „Korrespondenzen“. Behutsam, mit weißen Handschuhen öffnet er sie. Darin liegen handgeschriebene Briefe, die Clara Schumann Ende des 19. Jahrhunderts an einen gewissen Theodor Müller geschrieben hat. Vorsichtig blättert Prescher durch die Briefe. Auf einigen ist sogar die Adresse im Frankfurter Westend vermerkt, wo die Komponistin ihre letzten 20 Lebensjahre verbrachte.

Das Frankfurter Archiv Frau und Musik ist das weltgrößte Archiv seiner Art. Rund 26 000 Medieneinheiten von und über 2000 Komponistinnen und Dirigentinnen liegen hier. Gegründet wurde das Archiv 1979 in Köln, 2001 zog es nach Frankfurt. Seit 2008 befindet es sich am jetzigen Standort in Niederrad. Es ist ein Paradies für Musikinteressierte: Bis zur Decke reichen in Lesesaal und Notenraum die Regale voller bunter Mappen, alphabetisch sortiert. Mitten im Lesesaal steht ein großer Holztisch zum Arbeiten und Diskutieren, daneben ein Keyboard, um Noten auszuprobieren. Außerdem: CDs, Konzertprogramme, Opernpartituren von Komponistinnen und Regale voller Literatur – über bekannte Namen wie Fanny Hensel und unbekanntere wie Elinor Remick Warren. Und das Archiv wächst stetig.

Die Serie

Annkatrin Müller besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität.

Die Frankfurter Rundschau kooperiert mit der Buch- und Medienpraxis und stellt in einer Serie ausgewählte Texte der Studierenden vor.

Die Bibliothekarin Daniela Weber recherchiert und archiviert neue Materialien für das Archiv: Vor- oder Nachlässe von Komponistinnen, Artikel, antiquarische Werke. Auch für Recherche- und Literaturanfragen ist Weber zuständig. Vor allem die Repertoireanfragen haben zuletzt zugenommen: „Mittlerweile werde ich regelrecht überrollt.“ Die Gesellschaft und die Musiklandschaft seien heute sensibler für Geschlechterfragen, beobachtet sie: „Gerade Orchester wollen mehr Frauen in die Programme bringen und suchen hier Beratung.“

Das merkt auch Elisabeth Treydte, die als Musikwissenschaftlerin am Archiv arbeitet. Derzeit recherchiert sie Werke für Streichinstrumente und berät beispielsweise die Kronberg Academy. „Die waren wirklich baff, wie viele Werke für Streicher man aus dem Hut zaubern kann.“

Insgesamt seien Frauen und People of Color in der Musik immer noch stark unterrepräsentiert. Daher sei die Arbeit des Archivs nach wie vor gefragt. Mittlerweile, so Treydte, nehmen sich aber immer mehr Institutionen des Themas an – auch international: „Da bewegt sich total viel.“

Darüber freut sich auch Martin Prescher. Sein Blick wandert durch einen winzigen, wandschrankartigen Raum: die „Schatzkammer“ des Archivs. Alte, hölzerne Regale, die Regalböden mit rotem Filz ummantelt, ein Feuchtigkeitsmessgerät. Hier lagern die wichtigsten Objekte und Dokumente des Archivs: die Schumannbriefe, Nachlässe von Komponistinnen, eine seltene Postkartensammlung von Damenblaskapellen um 1900. Diese Schätze versucht das Archiv durch Digitalisierung, Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit auch nach außen zu tragen – und das mit Erfolg.

„Das Archiv steht wirklich allen offen“, betont Daniela Weber. Neben Fachpublikum besuchen auch Laien, Schüler:innen und Studierende das Archiv. Elisabeth Treydte ist überzeugt: „Man kann hier so viel entdecken!“ Sogar, dass sich teils hinter weltbekannten Stücken unbekannte Komponistinnen verbergen. „Happy Birthday“ zum Beispiel wurde von Petty und Mildred Hill geschrieben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare