Frankfurt

Architekt Nikolaus Hirsch beim hessischen Kulturpreis nicht bedacht

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Dass beim Hessischen Kulturpreis 2019 der Architekt Nikolaus Hirsch nicht bedacht wurde, sondern nur seine Kollegen Andrea Wandel und Wolfgang Lorch, sorgtfür große Empörung in der Szene.

Der Wirbel ist groß nach der Verleihung des Hessischen Kulturpreises an die Architekten Andrea Wandel und Wolfgang Lorch. Kollegen sprechen von einer „Verfälschung“ der Geschichte. Denn bei vielen wichtigen Projekten, für die es jetzt in Frankfurt die Auszeichnung für die beiden gab, sei ein Dritter mit dabei gewesen: Nikolaus Hirsch, der spätere Rektor der Städelschule in Frankfurt am Main.

Wandel, Lorch und Hirsch hatten zahlreiche Gedenkorte für die Opfer des Holocaust gemeinsam entworfen. Dazu zählen das Mahnmal am Börneplatz in Frankfurt, die Synagoge in Dresden, die Gedenkstätte am Bahnhof Berlin-Grunewald, Synagoge und Jüdisches Museum in München, das Jüdische Museum in Köln und viele mehr. Insgesamt handelt sich um rund 20 Projekte.

Dass jetzt nur Wandel und Lorch den Hessischen Kulturpreis erhielten, kommentieren Kollegen mit Empörung. „Es ist eine Sauerei und ein Versuch der Verfälschung“, urteilt der Architekt D. W. Dreysse. Wandel und Lorch seien „von Super-Egoismus getrieben“. Dreysse hatte an die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Grüne), geschrieben und auf das Versäumnis aufmerksam gemacht. „Geschehen ist aber nichts“, so Dreysse. Der Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt, Peter Cachola Schmal, nannte den Vorgang „nicht in Ordnung“ und fügte hinzu: „Viele Leute regen sich auf.“ Schmal sah eine „kurzsichtige Entscheidung“ von Andrea Wandel und Wolfgang Lorch. Sie trügen offenbar einen „größeren Konflikt“ mit Hirsch aus.

Der Frankfurter Architekt Jochem Jourdan sieht „eine Verfälschung der Tatsachen“. Hirsch sei bei vielen Projekten „einer der Ideengeber“ gewesen.

Auf der Webseite des Architekturbüros Wandel Lorch wurde sogar der Name von Hirsch aus einem Essay des früheren Städelschul-Rektors Kasper König entfernt.

Andrea Wandel zeigt sich „total traurig“ und „unglücklich“ über das Geschehen. Sie habe gegenüber dem Land stets auf die Rolle von Hirsch hingewiesen: „Wir haben nichts hinter dem Berg gehalten“. Die Zusammenarbeit mit Hirsch sei „wertvoll“ gewesen. Auf der Webseite habe ein Dritter einen Fehler gemacht, der „von uns nicht bemerkt“ worden sei. Nikolaus Hirsch sieht „den Versuch, meinen Namen aus den Projekten zu tilgen“. Er kann sich das alles „nicht erklären“.

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