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Fast alle Exponate in der neuen Ausstellung im ARchäologischen Museum Frankfurt waren noch nie ausgestellt und sind erst kürzlich ausgegraben worden. Hier ein Pferdchen aus Bronze, das aus einem Votivdepot des 9. bis 6. Jahrhunderts vor Christus stammt.
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Fast alle Exponate in der neuen Ausstellung im ARchäologischen Museum Frankfurt waren noch nie ausgestellt und sind erst kürzlich ausgegraben worden. Hier ein Pferdchen aus Bronze, das aus einem Votivdepot des 9. bis 6. Jahrhunderts vor Christus stammt.

Archäologisches Museum Frankfurt

Archäologisches Museum Frankfurt: Große Schätze müssen nicht aus Gold sein

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Das Archäologische Museum Frankfurt zeigt neue Entdeckungen aus der Etruskerstadt Vulci in Italien- vieles war noch niemals zuvor ausgestellt.

Ein Mistkäfer aus Speckstein begeistert die italienische Archäologin Simona Carosi, ihren Kollegen Carlo Casi und den Direktor des Archäologischen Museums Frankfurt, Wolfgang David, gleichermaßen. Dabei gäbe es in der etruskischen Metropole Vulci, für die Casi und Carosi zuständig sind, oder in Davids Museum sicher weit größere Schätze. Goldenen Schmuck etwa oder kunsthandwerkliche Meisterleistungen - ägyptische Skarabäen, so heißen die heiligen Insekten, die im alten Ägypten hoch verehrt und tausendfach dargestellt wurden, sind eigentlich nichts Rares. Man kann echt antike Stücke schon für wenige Euro im Internet kaufen. Doch wissenschaftlich hätten solche Stück kaum einen Wert.

Diese Köpfe und Füße dienten wohl als Votivgaben an eine Gottheit. Sie sind etwa 2400 bis 2200 Jahre alt.

Der winzige Skarabäus hingegen, der nun mit einem zweiten, ähnlichen in der neuesten Ausstellung des Frankfurter Archäologischen Museums „Löwen - Sphingen - Silberhände. Der unsterbliche Glanz etruskischer Familien aus Vulci“ zu sehen ist, ist eine Kostbarkeit - und dass die drei so begeistert sind, ist absolut nachvollziehbar. Das liegt an dem Fundzusammenhang, in dem die Insekten in den Jahren 2012/2013 ausgegraben wurden. Es ist ein reiches etruskisches Grab in der Stadt Vulci, etwa 75 Autominuten nordwestlich von Rom gelegen.

Ein bronzenes Zaumzeug aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. - im selben Grab fand sich auch ein zweirädriger „Sportwagen“.

Der Bestattungsort, nach dem spektakulären Fund „Tomba dello Scarabeo Dorato“ (Grab des vergoldeten Skarabäus) genannt, stammt wohl aus der Zeit um 700 vor Christus - und der Fund belegt einmal mehr den Luxus, mit dem reiche Familien in der etwa 90 Hektar großen antiken Stadt lebten. Importe aus Ägypten wie die heiligen Käfer gab es hier, man benutzte kostbare bemalte Töpferwaren aus Griechenland in großer Menge und feinste, selbst produzierte Keramik. Die raffinierten etruskischen Bronzearbeiten, die hier in Oberitalien entstanden, verkauften sich offenbar ebenfalls gut, sie finden sich selbst noch im keltischen Süddeutschland, etwa in einem Prunkgrab in Frankfurt (ausgestellt hier im Archäologischen Museum) oder am Glauberg.

Löwen - Sphingen - Silberhände

Die Ausstellung „Löwen - Sphingen - Silberhände. Der unsterbliche Glanz etruskischer Familien aus Vulci“ ist von heute an bis zum 10. April kommenden Jahres im Archäologischen Museum Frankfurt, Karmelitergasse 1, zu sehen, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs auch bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt.

Es ist ein italienisch-deutsches Gemeinschaftsprojekt, Museumsleiter Wolfgang David hat eng mit den italienischen Archäologen Carlo Casi und Simona Carosi zusammengearbeitet. Partner waren das Archäologische Museum Frankfurt, die Fondazione Vulci, der Parco del Colosseo und die Soprintendenza für Archäologie, Bildende Kunst und Landschaft für die Region Rom, Viterbo und Süd-Etrurien. Die Schirmherrschaft übernimmt Generalkonsul Andrea Esteban Samá.

Fast alle der in Frankfurt gezeigten Funde sind erst in den vergangenen Jahren gemacht worden und erstmals öffentlich zu sehen. „So etwas gilt eigentlich als sehr schwierig“, sagt Direktor David. Umso mehr freue er sich nun, dass es gelungen sei.

Eigentlich hätte die Schau bereits vor einem Jahr eröffnet werden sollen, doch die sehr strengen Corona-Einschränkungen in Italien machten das unmöglich. So zeigt das Museum nun aktuell neben den Etruskern gleich noch drei weiter Sonderausstellungen über die Kultur der frühesten Menschen, die arktischen Inuit sowie die Ausgrabungen in der Frankfurter Leonhardskirche. aph

„Der Grabraub in Vulci begann bereits in der Antike“, sagt die Archäologin Carosi mit Bedauern. Bis heute werden Italiens historische Stätten systematisch geplündert. Der Kopf einer steinernen etruskischen Sphinx, der in der Ausstellung zu sehen ist, wurde beispielsweise vor einigen Jahren in einem Zolllager in Genf beschlagnahmt und stammt aus dem illegalen Handel mit Antiken. Es ist ein faszinierendes Stück, das das berühmte „etruskische Lächeln“ zeigt, aber für die Archäologie ist sein Wert ohne das Wissen um die Fundzusammenhänge stark gemindert. „Das besondere an unserer Ausstellung ist, dass wir fast ausschließlich Neufunde in ihren Zusammenhängen zeigen, hauptsächlich komplette Grabinventare vom 9. bis zum 3. Jahrhundert vor Christus“, sagt Direktor David stolz. Vieles war noch nie ausgestellt, nicht einmal in Italien.

Carlo Casi (links), Simona Carosi und Wolfgang David kuratieren die Ausstellung zu dritt.

David war mehrfach in Vulci, um die Schau mit vorzubereiten und schwärmt von der eindrucksvollen Landschaft und dem archäologischen Park, der dort in den vergangenen Jahren entstanden ist. „Wir hoffen, dass die Ausstellung dazu beiträgt, Vulci bekannter zu machen“, sagt der Archäologe Casi, der dort gräbt. Die Stadt gilt als archäologischer Glücksfall. Weil die umliegenden Sümpfe im Mittelalter malariaverseucht waren, blieb die Gegend nach der Antike fast menschenleer und unbesiedelt.

Die silbernen Hände sind einzigartig - bis zu deren Entdeckung 2012 kannte man nur Stücke aus Bronze.
Eine Fayenceschale aus dem ägyptischen Alexandria, kostbares Importstück im etruskischen Vulci.

Die Kultur der Etrusker ist heute von Geheimnissen umwabert. „Dabei ist vieles inzwischen längst geklärt“, sagt David. Vieles an unserem Bild ist Klischee, und das liegt auch an der (klassischen) Archäologie - die Ausgräber, die die etruskischen Stätten bis ins 20. Jahrhundert verwüsteten, waren lange nur an den außerordentlichen Goldschmiedearbeiten und den zahlreichen aus Griechenland stammenden bemalten Schalen und Vasen interessiert.

Diese Köpfe und Füße dienten wohl als Votivgaben an eine Gottheit. Sie sind etwa 2400 bis 2200 Jahre alt.

Der Fokus lag so fast ausschließlich auf einer Kultur der Gräber, auf wertvollen, aus dem Zusammenhang gerissenen Einzelstücken, die in die ganze Welt verstreut wurden. „Wir besitzen in unserem Museum selbst eine sehr kostbare griechische Arbeit, die Theseusschale“, berichtet David. „Sie wurde Anfang des 19. Jahrhunderts bei Ausgrabungen für Napoleons Bruder Lucien Bonaparte in Vulci entdeckt und kam 1892 über Umwege nach Frankfurt. Bonaparte hatte ausschließlich Interesse an griechischer Keramik und ließ alle anderen Funde zerschlagen, auch um den Preis stabil zu halten.“

Ein kleiner Skarabäus aus einem wertlosen Material wäre da wohl untergegangen oder in irgendeiner ägyptischen Sammlung gelandet, Rubrik Krimskrams. In Frankfurt kann er nun dank der archäologischen Forschungen von Kulturaustausch und Handelsbeziehungen über große Entfernungen erzählen, vor fast 3000 Jahren - was für eine spannende Geschichte.

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