Römerbriefe

„Absturz“

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Wegen der Corona-Pandemie konnten auch Bücher von Römer-Politikern nicht rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse erscheinen. Die FR verrät hochexklusiv welche.

Leppert: Also jetzt, da ja die Frankfurter Buchmesse bevorsteht...

Göpfert: Ach, hör bloß auf mit dem Thema. Es ist schon ganz schön traurig, dass da in diesem Jahr so wenig geht...

Leppert: Du hast ja Dein neues Buch auch verschoben...

Göpfert: Es konnten überhaupt einige mit Spannung erwartete Bücher noch nicht erscheinen.

Genauso ist es, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Einige eigentlich fest eingeplante Werke von Politikerinnen und Politikern aus Frankfurt sind wegen Corona auf der Strecke geblieben. Der Grünen-Veteran Daniel Cohn-Bendit konnte ja seinen schönen Band „Unter den Stollen der Strand“ über das Verhältnis von Fußball und Politik in seinem Leben gerade noch rechtzeitig vor der Pandemie herausbringen. Andere Neuerscheinungen aber mussten erst mal auf Eis gelegt werden.

Zum Beispiel der Tatsachenbericht von Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, „Inside AWO: Meine Jahre in einer ganz besonderen Wohlfahrtsorganisation“. Die Arbeit, auf die sich gerade im Römer viele besonders freuen, ist aber auch noch nicht abgeschlossen. Das Problem ist nämlich, dass der OB zur Erinnerungsarbeit und zum Schreiben verdammt wenig Zeit hat. Er muss schließlich Deutschlands fünftgrößte Stadt regieren und das geht vor. Mit anderen Worten: Feldmann muss nach vorne blicken und nicht immer nur zurück, das erwarten die Leute von ihm.

Aber zur Frühjahrsbuchmesse in Leipzig 2021, die ja eher eine Frühsommerbuchmesse werden soll, könnte es was werden, so ist vom Verlag zu hören. Auch Kulturdezernentin Ina Hartwig schreibt noch an ihrem Opus Magnum. Der Arbeitstitel des Verlags lautet „Absturz“, und das Lektorat verspricht nicht weniger als eine „Psychopathologie der (Kommunal)Politik“. Das heißt übersetzt: Hartwig arbeitet ihre Erfahrungen auf, die sie als ehemalige Literaturkritikerin so in der Politik macht. Das Werk, so berichten Insider, wächst und wächst, ein Ende scheint nicht abzusehen. Nur böse Zungen behaupten, dass die Kulturdezernentin nach der Kommunalwahl am 14. März 2021 mehr Zeit zum Schreiben haben wird...

Leichter tut sich da schon Wirtschafts- und Sicherheitsdezernent Markus Frank. Das erste Buch des CDU-Politikers lebt nämlich vor allem von den eindrucksvollen Fotografien. Es heißt „Aralesso“ und soll „Frankfurts schönste Tankstellen“ zeigen, natürlich nur eine Auswahl. Frank ist in den vergangenen Jahren immer mal wieder, wenn sich eine Lücke in seinem Terminkalender auftat, mit der Kamera losgezogen.

Der Bildband, der auch kleine poetische Texte zu den jeweiligen Zapfstätten umfasst, wird von der städtischen Wirtschaftsförderung unterstützt, weil es natürlich auch um Werbung für unsere schöne Stadt geht. Aber das ist legitim.

Gerade im Römer hat man ja Nachholbedarf, wenn es darum geht, ein positives Bild von Frankfurt zu zeichnen. Immer diese negativen Diskussionen im Stadtparlament: Drogenhandel im Bahnhofsviertel, sauteure Luxuswohnungen im Nordend, zu wenig Kitaplätze und so weiter. Umso mehr freuen wir uns, wenn die angekündigten Bücher unserer Politiker dieses Zerrbild ein wenig korrigieren. Wir dürfen gespannt sein.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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